Keime

Industrieanlagen können zu Legionellen-Verbreitung beitragen

Im Kuehlturm des RWE Kraftwerkes Huckingen, in Duisburg-Huckingen am Mittwoch den 17.08.2011. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Im Kuehlturm des RWE Kraftwerkes Huckingen, in Duisburg-Huckingen am Mittwoch den 17.08.2011. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Hagen/Arnsberg.   leEine Bundesverordnung verpflichtet Betriebe, bestimmte Luftreinigungs- und Kühlanlagen an Behörden zu melden, um Legionellen zu bekämpfen.

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Fünf Tote im Jahr 2010 in Ulm, drei Tote 2013 in Warstein. Die Ursache: Legionellen. Krankheitserreger, die eine schwere Lugenentzündung auslösen können. Industrieanlagen können zur Verbreitung dieser Keime beitragen.

Deshalb hat der Bund eine neue Verordnung erlassen: die 42. Bundes-Immissionsschutzverordnung, kurz BImSchV. Mitte des Jahres tritt sie in Kraft. Die Industrie- und Handelskammern machen betroffene Unternehmen in der Region schon jetzt darauf aufmerksam, den Aufwand nicht zu unterschätzen.

Welche Branchen und Betriebe sind von der Verordnung betroffen?

„Erstaunlich viele“, sagt Dr. Jens Ferber, Leiter der Abteilung Umwelt- und Arbeitsschutz bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in Hagen. Denn nicht nur Kraftwerke mit hohen Kühltürmen, aus denen Wasserdampf aufsteigt, fallen unter die Regelung, sondern womöglich auch „Schwimmbäder, Bürogebäude und Hotels“, zählt Ferber auf.

Kurz: Alle Betriebe, die eine Verdunstungskühlanlage (Klima- und Kälteanlage) oder einen Nassabscheider haben, also Anlagen, in denen – mit Hilfe von zu feinen Tröpfchen vernebeltem Wasser – Luft gekühlt oder Abluft gesäubert wird und deren Kreisläufe nicht geschlossen sind. Aus diesen Anlagen können Aerosole, also Wassertröpfchen, an denen Partikel wie Legionellen haften, austreten und in die Umgebung gelangen.

Was ist das Ziel der Verordnung?

Die betroffenen Betriebe sind aufgefordert, umfangreiche Mess- und Dokumentationsaufgaben zu erfüllen – und das schon seit dem Herbst vergangenen Jahres. Jetzt müssen sie ihre Anlagen der jeweiligen Genehmigungsbehörde melden; dies können die Stadt, der Kreis oder die Bezirksregierung Arnsberg sein. „Aus den gesammelten Informationen soll ein Register der Anlagen aufgelegt werden. Das gibt es bisher noch nicht“, erklärt Jens Ferber. Dieses Register soll im Fall des Ausbruchs einer Legionellen-Epidemie helfen, den Ausgangspunkt schneller eingrenzen zu können als das bisher der Fall ist. Durch engmaschige mikrobiologische Untersuchungen der Anlagen soll zudem verhindert werden, dass sich überhaupt Keimkolonien bilden. Das Stichwort ist also Gesundheitsschutz.

Wann tritt die Regelung in Kraft?

„Die Verordnung ist am 19. Juli 2017 verkündet worden. Nach zwölf Monaten beginnt die Anzeigepflicht – also am 19. Juli dieses Jahres“, erläutert Benjamin Hahn von der Bezirksregierung Arnsberg. Nach Ablauf von vier Wochen, also bis zum 19. August 2018, müssen die Anzeigen dann in den Behörden vorliegen, informiert die SIHK.

Wie hoch ist die erwartete Zahl der Meldungen?

Auf eine konkrete Zahl mochte sich die Bezirksregierung nicht festlegen – weil es eben bisher keine Übersicht gibt. Auf „einige hundert Anlagen“ schätzt Benjamin Hahn vorsichtig die möglichen Rückmeldungen.

Woran entzündet sich Kritik?

Offene Kritik an den zusätzlichen Auflagen gibt es nicht – schließlich geht es darum, ein mögliches Gesundheitsrisiko durch neue Auflagen zu minimieren. Allerdings fragt die SIHK, ob der Aufwand gegenüber dem Nutzen nicht unverhältnismäßig hoch sei. „Der tatsächliche Aufwand lässt sich heute noch nicht konkret feststellen. Aber einige Anlagenbetreiber werden externe Gutachten benötigen“, begründet Jens Ferber. Die Handelskammern generell regen an, das Überwachungsprogramm für die Anlagen abzuspecken.

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