Einkommensvergleich

In diesen Berufen leiden Frauen nicht unter der Gehaltskluft

Eine Architektin auf einer Baustelle

Eine Architektin auf einer Baustelle

Foto: Imago / Mito

Berlin  Noch immer verdienen Frauen in den meisten Branchen schlechter als Männer. Doch es gibt auch einige Ausnahmen, zeigt ein Datenprojekt.

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Es ist ein frustrierender Spitzenrang, den Deutschland in Sachen Einkommenskluft zwischen Frauen und Männern vorweisen kann: Fast nirgendwo in der EU ist die sogenannte Gender-Pay-Gap so groß. Der EU-Kommission zufolge belegt die Bundesrepublik mit 22 Prozent Differenz Rang 26 von 28 EU-Ländern. Nur in Tschechien (22,5 Prozent) und Estland (26,9 Prozent) ist der Gehaltsunterschied noch größer. Der EU-weite Schnitt liegt bei einer Differenz von 16,3 Prozent.

Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es beträchtliche Unterschiede in der Bezahlung von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern. Die „Berliner Morgenpost“ hat nun in einem Datenprojekt ermittelt, welche Berufe und welche Regionen Deutschlands besonders große Differenzen ausweisen. Zudem zeigt die Auswertung der Gehaltsstatistiken der Bundesagentur für Arbeit auch, wo sich die Einkommen mittlerweile angeglichen haben.

Im Dingolfing-Landau verdienen Frauen fast 40 Prozent weniger

Dass Frauen vor allem in den ehemals westdeutschen Bundesländern oft deutlich weniger verdienen, ist eine der Erkenntnisse der Datenerhebung. Besonders groß ist die Lücke in manchen Regionen von Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Bayern. Absolutes Schlusslicht ist das bayerische Dingolfing-Landau. Dort bekommen Frauen durchschnittlich 38 Prozent weniger Lohn.

Interessant ist aber auch, dass Frauen in nur jeder achten Branche mindestens genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Nur in fünf Berufsfeldern ist ihr Verdienst merklich besser als der ihrer männlichen Kollegen. Das gilt überraschenderweise besonders in Jobs, die allgemein als Männerdomäne gelten. Vor allem im Hochbau punkten Frauen beim Gehalt: 24 Prozent mehr als Männer verdienen sie in dieser Branche. Das sind durchschnittlich 648 Euro Brutto.

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Überdurchschnittlich guter Verdienst im Tiefbau

Ähnlich gut geht es Mitarbeiterinnen in der Fahrzeug- Luft- Raumfahrt-, Schiffbautechnologie. Sie verdienen 21 Prozent mehr als ihre Kollegen. Platz drei bei den für Frauen besonders einträglichen Berufsfeldern belegen der Tiefbau mit 19 Prozent mehr Gehalt, Veranstaltungsservice, -management mit sieben Prozent mehr und die Felder Gewerbe, Gesundheitsaufsicht, Desinfektion mit vier Prozent mehr.

Die Daten lassen darauf schließen, dass die verhältnismäßig wenigen Frauen, die in diesen Branchen arbeiten, dort die verantwortungsvolleren Positionen besetzen, schreiben die Autoren der „Morgenpost“.

Laut Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kann die Differenz in manchen Berufszweigen sehr unterschiedliche Gründe haben, „Frauen, die sich für männerdominierte Berufe entscheiden, sind häufig besonders für diese speziellen Berufe motiviert und vielleicht auch besonders ehrgeizig – dies kann sich wiederum positiv auf ihr Gehalt auswirken“, sagte die DIW-Expertin gegenüber der Morgenpost. (nsa)

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