Weihnachten

Im Corona-Jahr: Schlange stehen für den Weihnachtseinkauf

Die Weihnachtszeit ist für viele Händler das wichtigste Geschäft im Jahr. Wegen Corona treibt sie jedoch Sorgen um.

Die Weihnachtszeit ist für viele Händler das wichtigste Geschäft im Jahr. Wegen Corona treibt sie jedoch Sorgen um.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Hagen.  Das Weihnachtsgeschäft ist auf Masse ausgelegt. Doch die darf es wegen Corona nicht geben. Was Händler tun und wie sich das auf Kunden auswirkt.

Die Weihnachtszeit bedeutet für den von der Krise gebeutelten Einzelhandel Chance und Sorge zugleich. Denn viele Händler sind nach wie vor in ihrer Existenz bedroht, einige Mitarbeiter befinden sich noch immer in Kurzarbeit, und nach dem ersten Lockdown im Frühjahr haben manche Geschäfte auch jetzt noch eingeschränkte Öffnungszeiten. Das Weihnachtsgeschäft ist für viele das wichtigste im Jahr, doch wegen der weiter steigenden Corona-Zahlen wird die Sorge wegen großer Kundenströme größer. Denn die können längst nicht alle Geschäfte auffangen.

Die ersten Weihnachtsaktionen

Optimismus ist in diesen Zeiten ein treuer Begleiter von Martina Kühne, wie sie sagt. Sie leitet das Schuhgeschäft Salamander in der Hagener Innenstadt und lacht, als sie nach dem Weihnachtsgeschäft gefragt wird. Pläne? „Viel planen kann man da in diesem Jahr nicht“, sagt sie. „Vielleicht kommt in zwei Wochen der nächste Lockdown, vielleicht auch nicht.“ Mit der Sorge steht sie nicht alleine da, vielen anderen Händlern in der Stadt geht es wie ihr.

Nicht zu ihnen gehört Friedrich-Wilhelm Göbel, Chef des Textileinzelhandelsunternehmens Sinn. Schon bald sollen in den Mode-Geschäften die ersten Weihnachtsaktionen starten: Statt an einzelnen Tagen wird die Modekette die Angebote auf je eine Woche verteilen, „damit nicht alle an einem Tag kommen“, sagt Göbel.

„Weihnachtsgeschäft nicht mit den Vorjahren vergleichbar“

Die Lage bleibe dennoch hart. In den vergangenen Monaten sei die Kunden-Frequenz deutlich zurückgegangen. Das nahende Weihnachtsgeschäft sei zwar gut, „aber es wird in diesem Jahr nicht mit den Vorjahren vergleichbar sein“, ist Göbel sicher. Einen großen Vorteil habe das Haus aber im Vergleich zu anderen Geschäften in den Innenstädten: „Wir haben keine Probleme mit Zugangsbeschränkungen, das ist ein Vorteil aller großen Filialen.“ Denn selbst in die kleinste Sinn-Filiale in Menden dürften 180 Kunden gleichzeitig rein, 400 in die Filiale in Hagen und 900 in eine der größten Filialen in Oberhausen. „Auch in den besten Zeiten ohne Corona war das noch nie der Fall“, sagt Göbel. Aktuell gilt: Je zehn Quadratmetern Verkaufsfläche darf ein Kunde ins Geschäft.

Deutlich größere Sorgen müssten sich deshalb wohl kleinere Händler machen, vermutet Göbel. „Viele Kunden sind nicht gewillt, Schlange zu stehen. Das ist dann natürlich verpasstes Umsatzpotenzial.“

Das will man bei Depot unbedingt vermeiden: Zwei Stunden am Tag sollen die Öffnungszeiten in der Weihnachtszeit verlängert werden, sagt die Hagener Filialleiterin Melanie Bodendorf. Eine Stunde morgens, eine Stunde abends. Derzeit gebe es zwar keine Probleme mit der Anzahl an Kunden – 44 dürfen aktuell rein –, mit Blick auf Weihnachten könnte sich das aber ändern.

Eine Stunde länger öffnet Depot jedes Jahr, auch wegen des Weihnachtsmarktes. Wegen Corona wolle man das noch weiter entzerren und flexibel bleiben, sagt Bodendorf: „Falls wir merken, dass das nicht ausreicht, würden wir auch noch länger öffnen.“

Verkaufsoffene Sonntage

Die Ladenöffnungszeiten zu erweitern, sei sicherlich ein Weg, sagt auch Karina Brühmann, Sprecherin des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen. Man hoffe auf das Verständnis der Kunden – und vor allem darauf, dass sie trotz möglicher Einschränkungen ihre Weihnachtseinkäufe in den Geschäften vor Ort tätigen werden. „Wir erwarten, dass der Online-Verkauf in diesem Jahr weiter zunehmen wird.“ Nicht für alle sei das ein Problem: Denn manche bieten inzwischen ohnehin auch einen Online-Verkauf an.

So etwa Saturn und Mediamarkt, die trotzdem auch in diesem Jahr wieder mit vielen Kunden in ihren Filialen rechnen, wie eine Sprecherin der Unternehmensgruppe sagt. Immerhin zählten Technikprodukte zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Die meisten Kunden zögen es aber vor, sie vor Ort auszuprobieren und direkt mitzunehmen. Digitale Einlasskontrollen, Desinfektionsmittel und Hinweisschilder sollen die Sicherheit im Geschäft gewährleisten.

Die sicherste Methode aber sei, wenn die Kunden zu möglichst unterschiedlichen Zeiten einkauften, so Karina Brühmann vom Handelsverband. Auch deshalb kämpfe man um verkaufsoffene Sonntage, um mehr Möglichkeiten zu schaffen. Was wie umgesetzt wird, liege am Ende bei den Händlern selbst.

Sonntagsöffnungen begrüßen würde auch Depot-Filialleiterin Melanie Bodendorf. Allerdings sagt sie auch: „Fünf Sonntage wären übertrieben, vor allem für das Personal wird das schwierig. Zwei bis drei verkaufsoffene Sonntage wären aber in Ordnung.“

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben