Möbel-Riese

Ikea gibt Billy eine zweite Chance – als Second-Hand-Möbel

In den Fundgruben will Ikea künftig auch gebrauchte Möbel verkaufen, die Kunden gegen einen Gutschein zurückgebracht haben. Der Test startet unter anderem in Kaarst und Siegen.

In den Fundgruben will Ikea künftig auch gebrauchte Möbel verkaufen, die Kunden gegen einen Gutschein zurückgebracht haben. Der Test startet unter anderem in Kaarst und Siegen.

Foto: Ulrich Baumgarten/dpa

Essen.   Der schwedische Möbelriese Ikea will künftig gut erhaltene Regale und Kommoden gegen einen Gutschein zurückkaufen. Tests in Kaarst und Siegen.

Naturschützer kritisieren seit langem, dass gebrauchte Möbel allzu oft in der Müllverbrennungsanlage landen. Der schwedische Handelsriese Ikea springt nun auf den Zug der Nachhaltigkeit auf und bietet etwa dem Billy-Regal eine „zweite Chance“. Ab 1. September will das Unternehmen gebrauchte Möbel zurückkaufen.

„Mit diesem Service wollen wir unsere Kunden dabei unterstützen, dem wachsenden Bedürfnis nach nachhaltigem Konsum nachzukommen“, sagt Armin Michaely, „Nachhaltigkeitsmanager“ bei Ikea Deutschland. „Denn manchmal passt ein eigentlich noch tadelloses Möbelstück einfach nicht mehr in die neue Lebenssituation oder entspricht nicht mehr dem Geschmack.“

Verfahren in der Schweiz erfolgreich

Freilich lebt die Branche davon, dass sich die Verbraucher gern einmal neu einrichten, obwohl die Investition rein rational gar nicht nötig wäre. Ikea startet deshalb erst einmal mit einem Pilotversuch in den Filialen Berlin-Lichtenberg, Siegen, Kaarst, Hannover-Expo Park und Würzburg. In der Schweiz haben die Modell-Märkte, die Möbeln eine „zweite Chance“ geben, nach Darstellung des Unternehmens bereits Erfolg.

Und so soll es funktionieren: Ikea hat rund 1000 Artikel definiert, die für einen Rückkauf in Frage kommen. „Um die Wiederverkaufschancen zu erhöhen, konzentrieren wir uns hier auf besonders beliebte Produktgruppen wie Esstische und Stühle, Kommoden oder Couch- und Beistelltische“, sagte ein Sprecherin unserer Redaktion.

Kunde bekommt 30 bis 50 Prozent des Originalpreises

Ikea bietet seinen Kunden 30 bis 50 Prozent des Originalpreises an. Vom Zustand des Artikels soll sich ein Mitarbeiter in der Filiale ein Bild machen. Wer sein Billy-Regal dort zurückgibt, erhält allerdings kein Bargeld, sondern eine Guthabenkarte von Ikea.

Das alte Billy-Regal wiederum wird zum Preis in Höhe der Gutschrift in der „Fundgrube“ angeboten. Ikea schlägt 19 Prozent Mehrwertsteuer drauf. „Wir wollen am Weiterverkauf der gebrauchten Möbel nicht verdienen“, betont die Sprecherin.

Neues Rückgaberecht ab September

Ob die Kunden überhaupt eine Chance haben, ihr Billy-Regal an Ikea zurück zu verkaufen, sollen sie auf ikea.de/zweitechance ermitteln können. Die Seite war am Montag allerdings noch im Aufbau.

Bei den Rückgabe-Regeln änderte Ikea zuletzt schon mehrfach die Strategie. Das mit großem Tamtam eingeführte unbefristete Rückgaberecht wurde bereits im vergangenen Jahr auf 365 Tage verkürzt. Dafür erstatteten die Schweden den vollen Kaufpreis ohne Rücksicht auf den Zustand des Artikels.

Das ändert sich nun zum 1. September: Den vollen Kaufpreis gibt es nur noch für unbenutzte Produkte. Auch diesen Schritt begründet Ikea mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie. „Durch diese Einschränkung soll sichergestellt werden, dass der Ressourceneinsatz, der für ein Produkt notwendig ist, eine höhere Wertschätzung erhält“, sagt die Sprecherin.

Lob vom Naturschutzbund

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßt die Rückgabe-Möglichkeiten bei Ikea. „Möbel, die auf den Wertstoffhöfen landen, sind oft noch gut und werden dennoch verbrannt“, kritisiert Katharina Istel, Referentin für nachhaltigen Konsum beim Nabu. „Mit dem neuen Angebot ist Ikea ziemlich fortschrittlich.“ Nach Istels Einschätzung gibt es abseits der Aufbereitungswerkstätten etwa der Diakonischen Werke zu wenige Tauschbörsen für gebrauchte Möbel. Die Nabu-Expertin: „Wir fordern, dass Möbel so lange wie möglich in Benutzung bleiben.“

>>> Ikea kürzt Pläne im Ruhrgebiet

Im April hatte Ikea überraschend die Kürzung seiner Expansionspläne im Ruhrgebiet bekannt gegeben. Danach verzichtet das Unternehmen auf den Bau von Filialen in Bottrop und Castrop-Rauxel. Am Umzug innerhalb Essens hält Ikea fest. Das neue Möbelhaus soll aber kleiner ausfallen. Auch im Raum Bochum/Herne will Ikea bauen.

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