Tarifverhandlungen

IG Metall will Viertagewoche, um Arbeitsplätze zu retten

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, forderte in einem Interview die Vier-Tage-Woche.

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, forderte in einem Interview die Vier-Tage-Woche.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin.  Zur Rettung Tausender in der Corona-Krise gefährdeter Jobs in der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall die Viertagewoche.

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie droht in der Corona-Krise ein massiver Stellenabbau. Jörg Hofmann, Chef der Gewerkschaft IG Metall, hat jetzt einen Plan vorgestellt, mit dem Arbeitsplätze gerettet werden sollen: Er brachte in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Viertagewoche ins Spiel. „Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben“, sagte Hofmann.

Bei Bosch und Daimler kommt die Viertagewoche

Solche Modelle würden bereits in immer mehr großen Unternehmen der Branche vereinbart – etwa bei Daimler, Bosch und dem Autozulieferer ZF. In der bevorstehenden Tarifrunde will Hofmann durchsetzen, dass dieser Weg künftig allen Betrieben offenstehe.

„Mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können“, sagte der Chef der größten deutschen Gewerkschaft mit 2,3 Millionen Mitgliedern.

IG Metall vereinbarte Viertagewoche schon vor zwei Jahren

Wie sich auf diese Weise Arbeitsplätze retten lassen, zeigten gerade erst die Flugbegleiter der Lufthansa. Die in der Gewerkschaft Ufo organisierten Kabinencrews hatten sich in einer Urabstimmung gerade neben dem Verzicht auf Lohnerhöhungen zu einem verstärkten Einsatz von Teilzeit-Modellen bereit erklärt. Damit spart die angeschlagene Fluggesellschaft Kosten und 2600 Flugbegleiter können voraussichtlich ihren Job behalten. Ihnen hätte ohne Einsparungen die Kündigung gedroht.

In den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie ist die Viertagewoche bereits etabliert. 2018 hatte die IG Metall in Tarifverhandlungen durchgesetzt, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden reduzieren – einen Lohnausgleich hatten die Arbeitgeber damals allerdings weitgehend verweigert.

Gewerkschaft will trotz Krise Lohnerhöhung fordern

In der Corona-Krise müssten die Betriebe Hofmann zufolge jedoch ein Interesse daran haben, Arbeitszeit zu reduzieren statt Mitarbeiter zu entlassen. „Das sichert Fachkräfte und spart zum Beispiel Kosten für einen Sozialplan.“ Neben den wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Pandemie belastet etwa die Autoindustrie der anhaltende Strukturwandel hin zu Elektromobilität, bei dem die deutschen Hersteller dem US-Rivalen Tesla hinterherlaufen.

Die Tarifparteien hatten im März für den Industriezweig mit vier Millionen Beschäftigten vereinbart, in diesem Jahr auf Einkommenssteigerungen zu verzichten. Trotz Rezession will Hofmann in der bevorstehenden Runde aber wieder eine Lohnerhöhung fordern, kündigte er in der „Süddeutschen Zeitung“ an. (aky/afp)

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