Energiespeicher

IG Metall will Ruhrgebiet zur „Experimentierstube“ machen

Das Geschäft mit Schaufeln für große Dampfturbinen ist bei Siemens in Mülheim rückläufig. Die IG Metall fordert, dass sich Siemens und andere Unternehmen mit Speichertechnologien für Energie beschäftigen.

Foto: Volker Hartmann

Das Geschäft mit Schaufeln für große Dampfturbinen ist bei Siemens in Mülheim rückläufig. Die IG Metall fordert, dass sich Siemens und andere Unternehmen mit Speichertechnologien für Energie beschäftigen.

Mülheim.   IG Metall will Siemens, Eon, RWE, MAN Turbo und Unis für Innovationsplattform gewinnen und Prototypen für Energiespeicher in Mülheim bauen.

Die Energiewende macht der Kraftwerkssparte von Siemens zu schaffen. Ein tiefgreifender Umbau von „Power & Gas“ soll die Auftragsflaute wirtschaftlich abfedern. Im Mülheimer Dampfturbinen- und Generatorenwerk sollen nach Plänen des Unternehmens mehr als 700 Stellen wegfallen. Abbau ist auch in der Verdichter-Produktion in Duisburg geplant. Betriebsrat und IG Metall verhandeln gerade mit der Siemens-Führung über einen Interessenausgleich.

Jürgen Kerner ist Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens. Er ist nah dran an den deutschen Standorten. Bis zu 6900 Stellen will der Konzern bei Power & Gas streichen. „Wasserstandsmeldungen“ über den Fortlauf der Verhandlungen mag er nicht abgeben. „Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich sind auf der Zielgeraden“, sagte Kerner dieser Zeitung. Neben der sozialen Abfederung für die 4500 Siemens-Beschäftigten in Mülheim und die 2400 in Duisburg geht es dem Spitzen-Gewerkschafter um die Zukunftsausrichtung der Werke.

Hoffnung ruht auf der Ruhrkonferenz

„Siemens hat ein Bekenntnis zum Anlagenbau abgegeben. Jetzt muss es darum gehen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln“, fordert Kerner. Den Fokus legt er dabei klar auf die Region an Rhein und Ruhr. „Das Ruhrgebiet mit den großen Energieversorgern bietet ideale Voraussetzungen, um bei Siemens in Mülheim Speichertechnologien für eine dezentrale Energieversorgung zu entwickeln.“ Der Metaller sagt: „Das Ruhrgebiet bietet sich als Experimentierstube geradezu an.“

Wie diese Experimente aussehen können, skizziert Pietro Bazzoli. Der Mülheimer Siemens-Betriebsratsvorsitzende hat bereits 2014 Pläne entwickelt, die sein Werk unabhängiger machen von Bestellungen großer Dampfturbinen und Generatoren, die weltweit zurückgehen. Schon damals forderte Bazzoli in einer Betriebsversammlung: „Der Standort Mülheim soll sich zu einem Zentrum für Energiewende-Technologien mit Prototypenfertigung wandeln.“ Mit Mitteln aus dem von Siemens aufgelegten „Innovationsfonds“ werden inzwischen Kraftwerksbau-Spezialisten abgestellt, um etwa Wasserstoffbrenner für eine CO2 neutrale Gasturbine oder rotierende Phasenschieber für Netzstabilitätsanwendungen in Mülheim zu entwickeln.

Bei einem Gespräch mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Januar hatte Bazzoli bereits eine „Innovationsplattform Energie“ angeregt. Mit den Essener Versorgern RWE und Eon, dem Oberhausener Maschinenbauer MAN Turbo, Siemens, den Universitäten und zahlreichen jungen Start-up-Unternehmen sei im Ruhrgebiet eine Menge Know-how rund um Energiethemen vorhanden. „Bei Siemens in Mülheim sind wir in der Lage, Prototypen für große Speicher für Solarenergie zu bauen. Es fehlt aber die Aufbruchstimmung“, so der Betriebsrat.

Die nötigen Impulse für die „Innovationsplattform“ erhofft sich Knut Giesler, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, von der Landesregierung und den hier ansässigen Konzernen. „Die Ruhrkonferenz bietet eine historische Chance. Die Landesregierung kann Finanzmittel zur Verfügung stellen, um Innovationen anzuschieben“, sagt Giesler. Siemens in Mülheim sei schon jetzt „einer der größten Innovationsstandorte in NRW“.

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