Thyssen-Krupp

Hiesinger gerät vor Hauptversammlung von Thyssen-Krupp unter Druck

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger steht vor der Hauptversammlung unter Druck

Foto: Volker Hartmann

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger steht vor der Hauptversammlung unter Druck Foto: Volker Hartmann

Essen.   Nach dem Stahl-Streit hagelt es Kritik von Groß- und Kleinaktionären. Investor Cevian deutet Zweifel an, ob der Vorstand noch richtig besetzt ist.

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Wenn die Signale im Vorfeld der Hauptversammlung nicht sehr täuschen, dann steht Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger ein wenig harmonisches Aktionärstreffen bevor. Der schwedische Finanzinvestor Cevian ist ebenso unzufrieden wie die Vertreter von Kleinanlegern. Am Freitag treffen sich die Anteilseigner des Essener Dax-Konzerns im Bochumer Ruhr-Congress.

Von Cevian ist man in der Vorstandsetage im Essener Quartier Kritik gewohnt. Der als aktionistisch geltende Investor äußerte in den vergangenen Monaten immer wieder seine Ungeduld mit dem Vorstand beim fälligen Umbau des Mischkonzerns. „Die gesamte Struktur des Unternehmens ist viel zu komplex“, sagte nun Cevian-Chef Lars Förberg der FAS. Die Gewinnmargen der einzelnen Konzernsparten seien eindeutig zu gering, kritisierte Förberg. Zuletzt war vor allem der Anlagenbau in der Sparte Industrial Solutions weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

„Nur die Hälfte der Zielmarge“ erreicht

Förberg ließ keinen Zweifel, wen er dafür verantwortlich macht: „Es muss der Anspruch eines Vorstandes sein, seine selbstgesetzten Ziele zu erreichen.“ Der Vorstand habe vor fünf Jahren versprochen, außer beim Stahl in allen Bereichen eine operative Gewinnmarge von sechs bis sieben Prozent zu erreichen. Erreicht werde aber nur die Hälfte, „das ist eindeutig zu wenig“.

Auf die Frage, ob er den Rücktritt Hiesingers verlange, sagte Förberg: „Wenn eine Strategie nicht die angestrebten Ergebnisse bringt, muss man sie ändern. Das erwarten wir sowohl vom Thyssen-Krupp-Vorstand als auch vom Aufsichtsrat des Unternehmens.“ Das lässt sich auch als indirekte Forderung verstehen, Hiesinger abzusetzen, schließlich ist eine zentrale Aufgabe des Aufsichtsrats, die Vorstände zu ernennen – oder zu entlassen.

Auch Kleinaktionärs-Schützer sind unzufrieden

Cevian liebäugelt seit längerem mit einer Aufspaltung des Konzerns, etwa durch den Verkauf des Aufzugsgeschäfts. Die von Hiesinger vorangetriebene Ausgliederung der Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Konkurrenten Tata reicht Cevian nicht. Der Finanzinvestor hält 18 Prozent an Thyssen-Krupp und ist damit nach der Krupp-Stiftung mit 21 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär des Dax-Konzerns.

Auch Aktionärsschützer äußerten sich im Vorfeld der Hauptversammlung unzufrieden. Selbst wenn es zur Fusion der Stahlsparte mit Tata komme, reiche dies nicht aus, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Uns fehlt der Fortschritt. Uns fehlt der richtige Befreiungsschlag.“

Dabei hat Hiesinger mit der Stahlfusion genau das vor. Nach hartem Widerstand der Stahlkocher hatte sich der Konzernvorstand im Dezember mit der IG Metall auf einen Kompromiss geeinigt, um die Ausgliederung mit Zustimmung der Arbeitnehmerseite durch den Aufsichtsrat zu bringen. Dafür gab es weit reichende Zusagen an die Beschäftigten, vor allem eine Jobgarantie bis 2026. Manchen Aktionären gehen die Zugeständnisse zu weit, schließlich bleibt Thyssen-Krupp zunächst zur Hälfte am neuen Stahlunternehmen beteiligt.

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