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Teure Girokonten: Direktbank ING führt Kontogebühren ein

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Berlin.  Girokonten werden immer teurer. Wenige Institute bieten den Service kostenlos an. Nun führt auch die Direktbank ING Kontogebühren ein.

  • 2019 haben rund 550 Geldinstitute ihre Gebühren angehoben
  • Allein in diesem Jahr haben 188 Banken die Preise für Girokonten erhöht
  • Es gibt noch 40 Banken und Fintechs, die kostenlose Girokonten anbieten

Kostenlose Girokonten werden rar, immer mehr Banken führen Kontogebühren ein. Die Banken, bei denen Konten bereits Geld kosten, erhöhen die Preise. Nun hat auch Europas größte Direktbank ING nachgezogen.

Ab Mai müssen Kunden für ihr ING-Girokonto 4,90 Euro im Monat zahlen – allerdings nur, wenn sie ihr Konto ausschließlich zum „Geldparken“ nutzen. Kunden, die ihr Konto regelmäßig nutzen, müssen vorerst nichts zahlen. Erforderlich ist künftig ein monatlicher Geldeingang von mindestens 700 Euro.

Kontogebühren: 188 Banken haben allein in 2020 Preise erhöht

Allein in diesem Jahr haben 188 von 1276 Banken und Sparkassen ihre Preise für Girokonten erhöht. Zum Vergleich: 2019 haben rund 550 Geldinstitute ihre Gebühren angehoben - und damit in dem Gesamtjahr knapp die Hälfte. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Finanzportals Biallo hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

„Im Januar haben so viele Banken wie noch nie zuvor in einem Monat die Preise für Girokonten erhöht“, berichtet Horst Biallo, Gründer des Finanzportals. Die Geldinstitute drehen an ganz unterschiedlichen Schrauben: Mal werden die Monatsgrundpreise fürs Konto erhöht, mal Überweisungen oder der Dispozins verteuert oder plötzlich fürs Geldabheben Gebühren verlangt. Jedes Institut agiert hier individuell.

Online-Konten kosten im Durchschnitt jetzt 3,42 Euro pro Monat

Insgesamt haben sich vor allem die monatliche Grundpreise für Konten erhöht.

  • Für Basiskonten zahlen die Kunden aktuell im Schnitt 4,91 Euro - Ende 2018 wurden noch 4,79 Euro fällig.
  • Premiumkonten verteuerten sich von 9,42 Euro auf 10,15 Euro.
  • Deutliche Sprünge gab es auch bei Online-Konten: Hierfür stiegen die monatlichen Gebühren bei 62 Geldinstituten laut Studie von 2,73 Euro auf 3,42 Euro an.

Die Preisspannen sind groß: Für Onlinekonten zahlen die Kunden zwischen Null und 123,80 Euro pro Jahr, wie sie bei der Raiffeisenbank Ersingen fällig werden. Im Schnitt zahlen Online-Bankkunden pro Jahr 45,69 Euro. Bei Filialkonten werden bis zu 210 Euro fällig - wie bei der Kreissparkasse Augsburg.

Im Durchschnitt zahlen Kunden 71,53 Euro. Insgesamt haben 93 Volks- und Raiffeisenbank die Gebühren erhöht und 89 Sparkassen. Gleichzeitig gibt es nur noch rund 40 Banken und Fintechs, die kostenlose Girokonten anbieten. 63 Geldinstitute verzichten zumindest auf die monatliche Grundgebühr. Ein Preisvergleich lohnt sich deshalb.

Wer noch kostenlose Girokonten anbietet

Kostenlose Girokonten bieten laut Biallo vor allem Direktbanken. Dazu gehören unter anderem die:

• DKB mit ihrem Cash-Konto

• Consorsbank

• 1822 Direkt

• Edeka Bank

• Comdirect

• Deutsche Skatbank

• Fidor Bank

• Norisbank

• Wüstenrot Bank.

Kostenlose Girokonten gibt es auch bei mehreren PSD-Banken – unter anderem in Hessen-Thüringen, Kiel, München, Nürnberg, Rhein-Ruhr, Koblenz und Karlsruhe-Neustadt. Das Kürzel PSD steht für den Post-Spar- und Darlehensverein aus dem die Geldinstitute entstanden sind.

Unter den Sparda-Banken gewähren nur noch die Ableger in Hessen, Südwest und München Girokonten kostenlos. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sind es bundesweit noch neun, berichtet Biallo.

N26, Moneyou: Welche Fintechs kostenlose Girokonten anbieten

Darüber hinaus bieten auch Fintechs gebührenfreie Girokonten an, deren Zahlungsverkehr teilweise nur über SmartphoneApps erfolgt. Dazu zählen die Angebote von Moneyou, N26, O2 Banking, Yomo oder Boon Planet. Yomo ist eine Smartphone App der Sparkassen-Finanzgruppe. Bei Boon wird allerdings beim geldabheben eine Gebühr von 2 Euro fällig.

Wann gilt ein Girokonto als kostenlos

Als kostenlos gelten Girokonten in der Studie nur dann, wenn ihre Nutzung nicht an Bedingungen gebunden sind – oder maximal eine monatliche Gutschrift in beliebiger Höhe verlangt wird. Die Girocard – früher EC-Karte genannt – muss für den Nutzer kostenlos sein, ebenso alle Überweisungen, Daueraufträge und Buchungen – und zwar Online oder am Selbstbedienungsterminal. Bei den meisten Geldinstituten läuft es dagegen anders: Viele Geldhäuser binden die Kontoführungsgebühr an einen bestimmten Mindestgeldeingang oder ein Durchschnittsguthaben.

Wechsel der Bank ist einfach - das Geldinstitut muss helfen

Grundsätzlich ist ein Wechsel der Hausbank für Verbraucher heute vergleichsweise unkompliziert. Wer sich zum Wechsel entschlossen hat, kann die Arbeit dem neuen Geldinstitut überlassen – sofern er das will. Nach dem neuen Zahlungskontengesetz ist die neue Bank verpflichtet, alle Daueraufträge und Lastschriften auf das neue Konto umzustellen.

Das neue Geldhaus informiert auch alle Zahlungsadressaten über die neue Bankverbindung. Die Umstellung darf maximal zwölf Tage dauern. Der Kunde muss lediglich zustimmen, dass die alte mit der neuen Bank die Informationen austauschen darf. Hierzu muss ein entsprechendes Formular zur Kontowechselhilfe ausgefüllt und unterschrieben werden. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gibt es beim Wechsel der Banken kaum Beschwerden.

Ausnahme: Geschäftskonten fallen nicht unter diese Regel. Für die Wechselhilfe dürfen Banken und Sparkassen nur dann Geld verlangen, wenn dies vorher mit den Kunden vereinbart wurde.

Wie kann man sonst noch Geld sparen?

Bei manchen Kunden genügt es aber auch, bei der Hausbank oder Sparkasse das Kontomodell zu wechseln, wenn sie ihre Gebühren senken wollen. Viele Kunden nutzen oft noch das klassische Filialkonto mit Einzelabrechnungen für rund 4,50 Euro im Monat. Sie könnten beispielsweise auf beleghafte Überweisungen verzichten, die besonders teuer sind, rät Helga Riedel vom Finanzdienst Biallo.

Fallen beim Geldabheben Gebühren an, so sollte man eher seltener größere Beträge abheben statt mehrmals kleinere Summen. Bei vielen Supermärkten und Discountern wie Rewe, Penny, dm oder Netto kann man sich beim Einkaufen Geld – meistens bis 200 Euro – sogar kostenfrei auszahlen lassen. Ist die Kreditkarte bei der Hausbank teuer, kann man diese zurückgeben und sich stattdessen eine kostenlose Karte ohne Kontenbindung besorgen – zum Beispiel bei der Hanseatic oder Santander Bank.

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Der Trend bei den Kosten für Bankkunden zeigt schon länger nach oben. 2019 erhöhte jede zweite Bank die Kontogebühren. Ins Geld geht aber vor allem, wenn man über seine Verhältnisse lebt. Warum Kontoüberziehen unnötig teuer sein kann. Den Spieß umdrehen kann man, wenn man sein Erspartes clever investiert: Geldanlage 2020: So machen Sie aus 50.000 Euro noch mehr.

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