Deutsch-afrikanisches Forum

Ghanas Präsident lockt Unternehmen aus NRW

Den ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo empfingen am Dienstag in Dortmund Oberbürgermeister Ullrich Sierau (l.) und NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner. Akufo-Addo nahm an einer Konferenz teil.

Den ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo empfingen am Dienstag in Dortmund Oberbürgermeister Ullrich Sierau (l.) und NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner. Akufo-Addo nahm an einer Konferenz teil.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Ghanas Präsident Akufo-Addo und die Landesregierung ermuntern deutsche Firmen zu Investitionen in Afrika. Internationales Forum in Dortmund.

Mit einem Tross von rund 30 Begleitern schreitet Nana Akufo-Addo in die Dortmunder Industrie- und Handelskammer. Die Polizei hat dem Konvoi mit schweren Limousinen durch Straßensperren zuvor den Weg bereitet. Ghanas Staatspräsident trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein, bevor er ans Rednerpult tritt. Akufo-Addo ist der Stargast des 5. Deutsch-afrikanischen Wirtschaftsforums, zu dem mehr als 350 Unternehmensvertreter und Diplomaten aus 15 Ländern in die Westfalen-Metropole gereist sind.

Unter den Gästen sind auch sechs Existenzgründer aus Ghana, Kenia und Sierra Leone, die sich mit IT-Technologien beschäftigen. In Dortmund erhoffen sie sich, Financiers und Absatzmöglichmöglichkeiten für ihre Produkte zu finden. Das Wirtschaftsforum steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Digitalisierung. Und da ist das nordrhein-westfälische Partnerland Ghana zum Teil weiter als die Bundesrepublik.

„Keine bessere Zeit nach Afrika zu gehen“

„Ghana ist Vorreiter im mobilen Zahlungsverkehr. Das ist auch eine große Chance für die deutsche Wirtschaft“, sagt der Dortmunder IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann. „Es gab nie eine bessere Zeit, nach Afrika und Ghana zu gehen, als jetzt“, ermuntert NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner hiesige Firmen, auf dem schwarzen Kontinent zu investieren.

Der ghanaische Staatspräsident öffnet in Dortmund weit seine Arme. „Viele sagen, dass dies das asiatische Jahrhundert ist. Ich aber glaube, dass dies das afrikanische Jahrhundert sein kann“, sagt Akufo-Addo, der später am Tag in Düsseldorf auch mit Ministerpräsident Armin Laschet zusammentrifft. NRW und Ghana pflegen eine Partnerschaft. Afrika mit seiner sehr jungen Bevölkerung von rund einer Milliarde Menschen sei die Region der Welt, in der ausländische Direktinvestitionen am schnellsten wachsen und die über nahezu 30 Prozent der auf der Erde verbliebenen Rohstoffe verfüge.

Ghanas Präsident sieht in NRW Vorbild

Die Wirtschaftsstruktur Nordrhein-Westfalens mit ihrem starken Mittelstand sei für ihn Vorbild. Akufo-Addo: „Die Volkswirtschaften Afrikas sollten dem nacheifern“, fordert der Präsident. „Wir wollen unsere Beziehungen mit Deutschland erneuern und vertiefen – zu unser beider Vorteil.“

Die Chancen in Afrika hat die hiesige Wirtschaft längst auf dem Radar. „Wir wollen den deutschen Firmen helfen, diesen riesigen afrikanischen Markt zu erschließen“, sagt Wulf-Christian Ehrich. Der stellv. IHK-Hauptgeschäftsgeschäftsführer organisiert das Forum zusammen mit der Landesregierung und der ebenfalls in Dortmund ansässigen Auslandsgesellschaft NRW. Deren Präsident Klaus Wegener macht keinen Hehl daraus, dass er stolz darauf ist, dieses hochkarätig besetzte deutsch-afrikanische Treffen in die Stadt geholt zu haben. „Es ist gut, dass so eine bedeutende internationale Konferenz alle zwei Jahre in Dortmund stattfindet“, erklärt Wegener.

Großes Potenzial in Afrika

In der von Forum zu Forum stetig wachsenden Zahl der Teilnehmer sehen die Organisatoren einen Beleg für das Potenzial, das in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent schlummere. „Der Außenhandel der Wirtschaft in NRW mit Afrika ist nur halb so groß wie der mit Spanien“, umreißt IHK-Experte Ehrich die Dimensionen. Von Januar bis November 2017 exportierten NRW-Unternehmen nach Berechnungen von IT.NRW Waren im Wert von 3,3 Milliarden Euro nach Afrika. Eingeführt wurden Produkte im Wert von fast 2,9 Milliarden Euro. Dabei sind die Prognosen für den schwarzen Kontinent überaus optimistisch: Forscher sagen für Afrika in den nächsten Jahren ein Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent voraus.

„Es gibt enorme Potenziale, aber auch sehr große Herausforderungen. Oft fehlt in Afrika die Infrastruktur, etwa um Fertigungsanlagen zu warten. Deutsche Unternehmen können ihre Produkte dort deshalb nicht 1:1 auf den Markt bringen“, sagt Ehrich. Und Klaus Wegener von der Auslandsgesellschaft betont: „Ein Problem ist auch der Faktor Zeit. Vieles dauert in Afrika nach deutschen Maßstäben länger.“

>>> Wilo liefert seit 2010 Pumpen nach Afrika

Nach der Eröffnung des IHK-Forums besuchte der ghanaische Präsident Akufo-Addo auch den Dortmunder Pumpenhersteller Wilo, der seit 2010 mit Tochtergesellschaften und Vertriebsbüros in Afrika tätig ist. „Afrika ist für uns ein wichtiger Kontinent mit viel Potenzial“, sagte Vorstandschef Oliver Hermes.

Wilo stattet afrikanische Flughäfen, Messen, Krankenhäuser, Hotels und Unis mit Pumpen aus. Technik aus Dortmund gibt es in der Landwirtschaft, Pumpstationen und Klärwerken.

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