Arbeit

Gewerkschaften fordern Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten

In einigen Branchen können Arbeitnehmer schon jetzt von zu Hause arbeiten. Der DGB wünscht sich einen Rechtsanspruch für alle Beschäftigten.

In einigen Branchen können Arbeitnehmer schon jetzt von zu Hause arbeiten. Der DGB wünscht sich einen Rechtsanspruch für alle Beschäftigten.

Foto: lechatnoir / Getty Images

Berlin  Der DGB fordert gesetzliche Voraussetzungen für die Arbeit von unterwegs. Das Arbeitszeitgesetz solle dabei aber nicht geändert werden.

Die einen brauchen zwei Tage Auszeit vom Pendeln, die anderen wollen einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeiten, um die Kinder von der Schule abholen zu können: Damit Arbeitnehmer mehr Möglichkeiten haben, sich ihre Arbeitszeit flexibler einzuteilen, fordern die Gewerkschaften die Bundesregierung jetzt auf, die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

„Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften fordern die Einführung eines Rechts auf selbstbestimmtes mobiles Arbeiten für Beschäftigte“, heißt es in einem Diskussionspapier des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), das unserer Redaktion vorliegt.

Dieses Recht solle in Betrieben und der öffentlichen Verwaltung entweder durch Tarifverträge oder die jeweiligen Arbeitnehmervertreter konkret ausgestaltet werden, heißt es.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, dass mobiles Arbeiten gestärkt wird
  • Beschäftigte sollen laut DGB ein Recht auf die Arbeit von zu Hause oder unterwegs erhalten
  • Das Recht soll durch Tarifverträge oder Arbeitnehmervertreter ausgestaltet werden
  • Arbeitgebern soll es aus „dringenden Gründen“ möglich bleiben, Anträge abzulehnen

Buntenbach: „Viele Arbeitgeber sperren sich noch“

„Wir wollen die Chancen, die die Digitalisierung bietet, für die Beschäftigten nutzen“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach unserer Redaktion. „Die Gewerkschaften haben schon wegweisende Tarifverträge für mobile Arbeit abgeschlossen, doch viele Arbeitgeber sperren sich noch dagegen.“

Buntenbach betonte, es gehe nicht um ein „ganz oder gar nicht“, sondern schlicht um die Möglichkeit, zeitweilig auch einmal von zu Hause oder einem frei zu wählenden Ort arbeiten zu können. „Dies muss für die Beschäftigten allerdings immer freiwillig bleiben“, betonte die Sozialexpertin.

Arbeitgeber soll das Recht zur Ablehnung behalten

Konkret geregelt werden soll der Rechtsanspruch aus Sicht des DGB am besten in der Gewerbeordnung. Dieses Bundesgesetz enthält bereits das „Weisungsrecht des Arbeitgebers“. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter bestimmen kann. Für Beamte sollten die jeweils geltenden Beamtengesetze geändert werden.

Nach Vorstellung des DGB sollen Arbeitnehmer das mobile Arbeiten bei ihrem Arbeitgeber beantragen können. Dieser solle diesen Antrag aber auch auch „aus dringenden betrieblichen Gründen“ ablehnen können.

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Arbeitszeit müsse erfasst und vergütet werden

Die Gewerkschaften wünschen sich in ihrem Papier außerdem, „dass die Wahl des selbstbestimmten mobilen Arbeitens durch die Beschäftigten freiwillig erfolgt“ und diese Entscheidung auch widerrufen werden könne. Gerade weil das mobile Arbeiten nur vorübergehend möglich sein soll, müsse der eigentliche Arbeitsplatz im Betrieb weiterhin bereitgestellt werden.

Ein wichtiger Punkt für den DGB ist die Arbeitszeit. In dem Diskussionspapier heißt es, die geleistete Arbeitszeit müsse schon jetzt erfasst, dokumentiert und voll vergütet werden. Davon dürfe auch bei der Arbeit von einem anderen Ort aus nicht abgewichen werden.

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Es gibt bereits Branchen mit Tarif-Regelungen für mobile Arbeit

„Mobile Arbeit darf nicht zu noch längeren Arbeitszeiten führen“, betonte Vorstandsmitglied Buntenbach. „Deshalb lehnen wir eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes zur Verlängerung der täglichen Arbeitszeiten oder verkürzten Ruhezeiten strikt ab.“ Stattdessen müsse der Berg an unbezahlten Überstunden endlich abgebaut werden.

In einigen Branchen gibt es bereits tarifliche Regeln für mobiles Arbeiten. Die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD haben sich vor einer Woche darauf verständigt, flexible Arbeitszeiten „in Experimentierräumen für tarifgebundene Unternehmen“ zu erproben.

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