Diesel-Fahrverbote

Gelsenwasser stellt Gelder für Deutsche Umwelthilfe infrage

Gelsenwasser hat Redebedarf in Sachen Unterstützung für die Deutsche Umwelthilfe.

Gelsenwasser hat Redebedarf in Sachen Unterstützung für die Deutsche Umwelthilfe.

Foto: Archiv

Ruhrgebiet.   Der Ruhrgebiets-Konzern unterstützt bisher den Verband, der die Fahrverbote erstritt. Mit dem Vorgehen sei man aber nicht einverstanden.

Zwischen Duisburg und Dortmund wird heftigst über das gerichtlich angeordnete Diesel-Fahrverbot auf der A40 in Essen diskutiert. Dass die mit ihrer Klage erfolgreiche Deutsche Umwelthilfe (DUH) von einem großen Revier-Unternehmen mit kommunalen Eigentümern aus Bochum und Dortmund finanziell unterstützt wird, gewinnt vor diesem Hintergrund eine gewisse Brisanz. Gelsenwasser hat die DUH zuletzt jährlich mit fünfstelligen Beträgen unterstützt, wie der Konzern der WAZ bestätigte. Gleichzeitig betonte Gelsenwasser, über eine Fortsetzung dieses Engagements derzeit noch nachzudenken. Zuerst wolle man mit der DUH über das Vorgehen in der Diesel-Affäre reden, das Gelsenwasser für „nicht zielführend“ halte.

Für große Teile in Essen samt A40-Abschnitt zwischen Holsterhausen und Frohnhausen sowie eine Hauptverkehrsstraße in Gelsenkirchen hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in einem Aufsehen erregenden Urteil Fahrverbote angeordnet. Für Dortmund und Bochum stehen die Entscheidungen noch aus. Letztere Kommunen sind über ihre Stadtwerke die Mehrheitseigentümer von Gelsenwasser, ihnen gehören zusammen knapp 93 Prozent der Anteile, unter den Kleinaktionären sind zudem viele Ruhrgebiets-Bürger. Finanzieren sie nun also indirekt über Gelsenwasser jenen Umweltverband mit, der ihnen die Fahrverbote beschert?

Gelsenwasser finanziert DUH-Infoveranstaltungen

„Wir arbeiten mit der Deutschen Umwelthilfe bei wasserwirtschaftlichen Themen zusammen“, sagt Gelsenwasser-Sprecher Bernd Hartung. Konkret finanziere der Konzern Informationsveranstaltungen des Umweltverbandes mit je 4000 bis 5000 Euro, davon in diesem Jahr drei. Insgesamt flossen also bis zu 15.000 Euro. Das Geld sei zweckgebunden, betont Hartung, und die DUH beim Thema Wasserwirtschaft ein guter Partner.

Allerdings sei Gelsenwasser beim Thema Diesel mit der Umwelthilfe nicht auf einer Linie und habe das dem Verband auch bereits deutlich gemacht. „Wir halten die Vorgehensweise zur Durchsetzung von Fahrverboten nicht für zielführend. Wir sollten gemeinsam nach Lösungen suchen und nicht die Konfrontation“, so Hartung. Darüber wolle sich Gelsenwasser erneut mit der DUH unterhalten. Die Kooperation habe man vor diesem Hintergrund noch nicht für 2019 verlängert.

Stadtwerke Dortmund: „Sonst hätte ein anderer geklagt“

Die Stadtwerke Bochum erklärten, sie hielten die Reaktion von Gelsenwasser für „nachvollziehbar“. Der andere Haupteigentümer hat bisher gar kein Problem mit der Partnerschaft. „Wenn die DUH nicht geklagt hätte, dann hätte eben ein anderer geklagt. Das Problem sind die Messwerte und die oft falsche Positionierung der Messstationen, nicht die Umwelthilfe“, sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke und Aufsichtsratsvorsitzender bei Gelsenwasser, der WAZ. Er sieht „eine verfehlte Bundespolitik“ als Ursache für die drohenden Fahrverbote. Berlin habe nicht genug dafür getan, dass die Grenzwerte eingehalten werden, etwa durch eine Verpflichtung der Autoindustrie zur Nachrüstung alter Diesel.

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