Arbeit

Gebäudereinigern in der Region drohen finanzielle Einbußen

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger den bislang gültigen Manteltarifvertrag gekündigt.

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger den bislang gültigen Manteltarifvertrag gekündigt.

Foto: Kai Kitschenberg

An Rhein und Ruhr.   Nach der Kündigung des Tarifvertrages durch die Arbeitgeber droht Reinigungskräften jetzt der Wegfall von Zuschlägen und Urlaubstagen.

Empörung bei rund 10.000 Gebäudereinigern in der Region: Schon im April hat der zuständige Arbeitgeberverband den bislang gültigen Rahmentarifvertrag gekündigt. „Purer Lohngeiz“, kritisiert jetzt die Gewerkschaft IG BAU in einer Pressemitteilung und spricht von „einer Provokation und einem Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.

Vor allem bei den Überstunden von Teilzeitbeschäftigten wollen die Arbeitgeber sparen. Der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger (BAG) begründet den Schritt mit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Danach haben Teilzeitkräfte jetzt Anspruch auf einen Zuschlag von 25 Prozent auf geleistete Überstunden. Diese Regelung galt bislang nur für Vollzeitbeschäftigte. Das Urteil sei „ein tiefer Einschnitt in die Tarifautonomie“ und zwinge die BAG zu diesem Schritt, heißt es in einer Mitteilung des Branchenverbands.

Gewerkschaft IG BAU kündigt Streiks an

In Duisburg sowie in den Kreisen Wesel und Kleve arbeiten von knapp 10.000 Beschäftigten in der Gebäudereinigung rund 9000 in Teilzeit. Frank Lattrich vom IG-BAU-Bezirksverband Duisburg-Niederrhein befürchtet, dass manche der 207 Betriebe in der Region den Wegfall des Tarifs ausnutzen und beispielsweise Nachtzuschläge oder Urlaubstage streichen könnten.

„Ohne Manteltarif haben die Beschäftigten nur noch den gesetzlichen Anspruch auf Urlaubstage“, erklärt Lattrich. „Das sind bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Tage im Jahr. Für jemanden mit mehrjähriger Berufserfahrung viel zu wenig.“

Lattrich äußert dazu die Sorge, das Vorgehen der BAG könnte Schule machen und andere Branchenverbände zum Nachmachen animieren. „Wir wollen deshalb so schnell wie möglich einen neuen Manteltarif verhandeln. Allerdings gehen wir davon aus, dass es nicht ohne Arbeitskampf gehen wird“, kündigt der Gewerkschafter mögliche Streiks an.

Der Manteltarifvertrag galt seit Januar 2012. Die Kündigung der Vereinbarung seitens der BAG wird Ende Juli wirksam. Damit endet auch die Friedenspflicht zwischen der IG BAU und dem Innungsverband.

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