Energieindustrie

Fusionsfieber rund um Eon, RWE, Innogy und Uniper

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Essen.   Übernahmen und Zusammenschlüsse prägen zunehmend die Strombranche – mit Folgen für Eon, Uniper, RWE und Innogy.

Ob Innogy ein Übernahmekandidat sei? Wer Konzernchef Peter Terium auf dieses Thema anspricht, bekommt prompt eine Antwort. „Mir sind kein Übernahmeangebote bekannt“, beteuert Terium. „Alles, was im Markt kursiert, ist reine Spekulation.“

Fakt ist: Es gibt Bewegung in Europas Energiebranche: Der finnische Konzern Fortum greift nach der früheren Eon-Tochter Uniper – und Innogy plant nun auch einen großen Deal: Die britische Innogy-Tochter Npower soll in einer Fusion mit dem Energieriesen SSE aufgehen. Mit 11,5 Millionen Kunden wäre die neue Firma der zweitgrößte Versorger auf der Insel.

Npower – ein Unternehmen mit 6300 Beschäftigten – hatte in den vergangenen Jahren mit Verlusten, Kundenschwund und Abrechnungsproblemen zu kämpfen. Nun strebt Innogy-Chef Terium einen Befreiungsschlag an. Wenn das Bündnis mit dem britischen Konzern SSE zustande käme, hätte Innogy nur noch einen Anteil von 34,4 Prozent an dem neuen börsennotierten Unternehmen.

Britisches Manöver von Innogy heizt Spekulationen an

Das britische Manöver heizt Spekulationen zu einem möglichen Verkauf von Innogy durch den Essener Mutterkonzern RWE an. Eine Trennung von Npower mache es einfacher, für Innogy einen Käufer zu finden, wird ein Banker von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. RWE hält derzeit 77 Prozent an Innogy und schließt weitere Anteilsverkäufe nicht aus. Unlängst kursierten Planspiele für eine Fusion von Innogy mit dem französischen Energiekonzern Engie. Letztlich erklärte Engie-Chefin Isabelle Kocher, es gebe kein Interesse an einer Allianz.

Grundsätzlich will sich RWE-Chef Rolf Martin Schmitz alle Optionen offenhalten. „Wenn es strategisch sinnvoll ist, den Innogy-Anteil zu vermindern, um ein breiteres Finanzportfolio aufzubauen, werden wir das prüfen“, sagte Schmitz einmal. Auch ein Verkauf von Innogy-Aktien, mit dem ein Verlust der Mehrheit von RWE verbunden wäre, gilt als möglich. Beim Innogy-Börsengang hieß es noch, dass RWE mindestens einen 51-Prozent-Anteil an der Ökostrom-Tochter halten sollte. „Es gibt kein Limit mehr“, beteuert ein Insider nun.

Eon kappt Verbindungen zu Uniper

Der Essener Energiekonzern Eon wird wohl schon in wenigen Wochen die Verbindungen zur einstigen Tochter Uniper kappen. In einer Telefonkonferenz verteidigte Eon-Finanzchef Marc Spieker den geplanten Verkauf des NRW-Kraftwerksbetreibers an den Konzern Fortum, der mehrheitlich dem finnischen Staat gehört. Fortum sei ein „langfristig orientierter, stabiler Investor“, so Spieker.

Der Betriebsrat befürchtet indes eine Zerschlagung von Uniper durch Fortum. Eon will fast 47 Prozent der Uniper-Anteile für rund 3,8 Milliarden Euro an die Finnen abgeben. Das Uniper-Management um Vorstandschef Klaus Schäfer sträubt sich gegen einen Verkauf, mit dem womöglich auch ein Verlust der Unabhängigkeit des Düsseldorfer Konzerns verbunden wäre. Eon-Manager Spieker, der auch im Uniper-Aufsichtsrat sitzt, nannte es „verantwortungslos“, Gerüchte über eine Zerschlagung des Unternehmens in die Öffentlichkeit zu tragen.

Angreifbare Unternehmen

Nach Einschätzung von Experten wie Manuel Frondel vom Essener RWI-Leibniz-Institut sind die deutschen Energiekonzerne angreifbar geworden. Aus ehemals kraft­strotzenden Stromversorgern seien „Schwächlinge“ mit hohen Schulden und Kapitalbedarf geworden. Jenseits der Landesgrenzen gebe es aber viele Konzerne, die vor Finanzkraft nur so strotzen, denn im Gegensatz zu Deutschland würden die Energieversorger im europäischen Ausland oft „gepäppelt und gehätschelt“.

Innogy-Chef Terium lässt durchblicken, dass viel Arbeit vor ihm liegt. Sein Ziel ist, Innogy müsse bis zum Jahr 2025 in allen relevanten Märkten zu den drei führenden Anbietern und den ertragsstärksten Unternehmen der Branche gehören. In diesem Zusammenhang sei auch der Npower-Deal zu verstehen, betont Terium: „Wir trimmen Innogy systematisch auf Erfolg.“

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