Logistik

Fraunhofer-Institut rechnet mit Robotern als Paket-Boten

Ein Liefer-Roboter quert einen Zebrastreifen – auf dem Weg zum nächsten Kunden.

Ein Liefer-Roboter quert einen Zebrastreifen – auf dem Weg zum nächsten Kunden.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Der Dortmunder Logistik-Experte Uwe Clausen rechnet mit dem Einsatz von Robotern in der Paketzustellung.

Paketzustellung spielt im innerstädtischen Verkehr eine immer größere Rolle. Mit Uwe Clausen, Leiter des Instituts für Transportlogistik an der Universität Dortmund und am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, sprach Frank Meßing über den Einsatz von Drohnen und Zustellrobotern.

Die Ansprüche an die Logistik wachsen: Kunden wollen immer schneller beliefert werden. Gleichzeitig wird der Verkehr immer dichter. Sind Zustellroboter eine Alternative?

Uwe Clausen: Zustellroboter sind ein sehr innovatives Konzept mit hoher Chance, realisiert zu ­wer­den. Sie werden die lokale Paketzustellung unterstützen und ­er­gänzen. Derzeit sehen wir die ­Erprobung autonomer Fahrzeuge mit Elektroantrieb, die mit cirka sechs Kilometern pro Stunde ein Paket befördern. Daneben werden Konzepte getestet, wie Mensch und Roboter zusammenarbeiten und Transportroboter die ­Pa­ketzusteller mit Nachschub versorgen.

Haben auch Drohnen eine realistische Chance, eingesetzt zu werden?

Clausen: Drohnen sind für gut über die Luft erreichbare Empfänger eine interessante Option. Als Transportmittel der letzten Meile werden Drohnen beispielsweise von Amazon mit Prime Air oder DHL mit dem Paketkopter bereits eingesetzt. Allerdings könnten die Fluggeräusche, noch offene Fragen zur Sicherheit und bei der Privatsphäre sowie der gegenüber dem Transport auf dem Boden höhere Energiebedarf dazu führen, dass der Drohneneinsatz eher eine Nische als Lösung für den allgemeinen Gütertransport bleiben wird.

Im Fokus steht die „letzte Meile“, die direkt zu den Haushalten führt. Können Elektromobilität und autonomes Fahren den Logistikunternehmen das Leben leichter machen?

Clausen: E-Nutzfahrzeuge werden für die letzte Meile aktuell wenig eingesetzt. Sie sind teurer in der Anschaffung als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Da aber Bürger und Politik zunehmend nicht nur eine funktionierende, sondern auch eine saubere, leise, nicht störende Logistik erwarten, wird die Beschäftigung mit Elektromobilität und neuen Transportmitteln für Logistikunternehmen zwingend erforderlich. Automatisierung ist ein weiterer wichtiger Trend und autonome Fahrzeuge werden eine Option für die letzte Meile sein. Bis zum völlig autonomen Fahren wird es vermutlich noch eine lange Zeit des Mischbetriebes und der Pilotprojekte geben. Das Fraunhofer-Institut IML forscht schon heute an zuverlässiger und ressourcenschonender Logistik.

Immer mehr Unternehmen setzen mittlerweile auf 3D-Drucker und stellen Komponenten für Produkte selbst her. Wird diese Technik den Verkehr in Zukunft spürbar minimieren?

Clausen: Der 3D-Druck bietet Chancen für lokalen Handel und kann zeitkritische lange Transportwege vermeiden helfen. Er macht es möglich, dass die Produktion der damit herstellbaren Güter nicht mehr an Fabrikstandorte klassischer Prägung gebunden ist, sondern nah in Richtung Endkunde verlagert werden kann. Dies wird Fabriken nicht in Gänze ersetzen. Dies führt im Einzelfall zwar zu weniger Verkehr, aber der Effekt des steigenden Verkehrsaufkommens durch Online-Handel und durch anhaltend gute Konjunktur ist in Summe derzeit noch stärker.

Halten Sie den Ballungsraum Ruhrgebiet für geeignet, als Pilotregion für den Einsatz neuer Techniken zu dienen?

Clausen: Wir haben im Ruhrgebiet sowohl gute Bedingungen bei Technologien als auch in der Anwendung. Wir sind Hochburg für die Logistik und für IT, in Dortmund etwa auch mit dem ‚Digital Hub‘ in dem viele neuen Ideen erforscht werden, innovative Projekte und Unternehmen entstehen.

Wird die Technisierung der Logistik aus Ihrer Sicht den Arbeits­kräftebedarf eher senken oder heben?

Clausen: Schon vor 40 Jahren hat man vermutet, dass Automatisierung zu weniger Arbeitskräftebedarf führt. Aber das tritt so nicht ein. Die Anforderungen verändern sich und es ergeben sich vielfach neue Bedarfe. Wenn laut Bundesagentur für Ar­beit dem Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2025 gut sechs Millionen Erwerbspersonen weniger zur Verfügung stehen, gibt es eher einen heute schon spürbaren und künftig zunehmenden Fachkräftemangel.

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