Technologie

Forscher und Firmen im Ruhrgebiet verzahnen sich

In Bochum werden Radarsensoren entwickelt, die Blinde bei der Orientierung unterstützen sollen.

Foto: Damian Gorczany/RUB

In Bochum werden Radarsensoren entwickelt, die Blinde bei der Orientierung unterstützen sollen. Foto: Damian Gorczany/RUB

Bochum.   Das Bochumer Institut für Technologie bringt ruhrgebietsweit Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und ebnet den Weg zu Fördertöpfen.

Sehbehinderte sollen sich künftig nicht nur auf ihren Blindenstock und ihren Begleithund verlassen müssen. Radartechnik könnte sie dabei unterstützen, sicher durch die Welt zu kommen. Forscher der Ruhr-Universität Bochum tüfteln gerade an einem entsprechenden Sensorsystem. Dafür brauchen sie Partner und Fördergelder. Bei der Suche war das Bochumer Institut für Technologie (BOIT) behilflich. Das junge Netzwerk von Unternehmen, Stadt und Hochschulen hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen – ruhrgebietsweit.

„Viele kleine und mittelgroße Un­ternehmen wissen gar nicht, wie sie an Fördergelder kommen und wo sie Partner finden können. Wir wollen diese Firmen an die Hand nehmen“, sagt Johannes Peuling, Geschäftsführer des BOIT. „Obwohl das Ruhrgebiet eine starke Wissenschaft und eine starke Wirtschaft hat, gibt es dazwischen eine Lücke. Die wollen wir schließen“, so der Institutsleiter. 76 Prozent der Anteile am BOIT halten Unternehmen über einen Förderverein. Mit zwölf Prozent ist die Wirtschaftsförderung „Bochum Wirtschaftsentwicklung“ beteiligt, mit weiteren zwölf Prozent drei Hochschulen der Stadt.

400 Millionen Euro stellt das Land NRW bereit

Zu den Träger-Unternehmen von BOIT gehört auch die Bochumer Visus GmbH. Mit knapp 150 Mitarbeitern entwickelt sie Softwarelösungen für das Gesundheitswesen – von der elektronischen Patientenakte bis zur Archivierung von radiologischen Bildern. „Auch große Unternehmen sind oft in ei­nem bestimmten Segment unterwegs und haben keinen Zugang zu Themen wie Datensicherheit. Dafür brauchen wir die Spitzenforschung“, sagt Visus-Geschäftsführer Jörg Holstein.

BOIT sucht nicht nur nach Fördertöpfen für bestimmte Projekte. Das Institut stellt auch die oft bürokratischen Förderanträge, die bis zu zwei Monate Zeit in Anspruch nehmen, und bindet Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft mit ein. „Allein das Land NRW schüttet in den nächsten sechs Jahren fast 400 Millionen Euro aus. Hinzu kommen Programme von Bund und EU. Die Unternehmen wissen gar nicht, wie sie an das Geld herankommen,“ so Bereichsleiter Marc Otten. Die Mitarbeiter des BOIT aber schon. Sie stellen Stadt, Hochschulen und auch die Mitgliedsfirmen ab, die zusätzlich ei­nen Jahresbeitrag von 500 bis 2000 Euro zahlen. Unternehmen, die im Beirat das Institut steuern wollen, bringen noch einmal 30 000 Euro auf.

Radarsensoren für Sehbehinderte

„Als Institut müssen wir unser Dasein selbst erwirtschaften“, un­terstreicht Geschäftsführer Peuling. Denn für die Firmen ist die Unterstützung durch das BOIT unentgeltlich. „Werden die Förderanträge am Ende positiv beschieden, erhält auch das Institut einen Anteil – etwa über die Projektleitung“, erklärt Bereichsleiter Otten.

Seit der Gründung von BOIT Ende 2015 hat das Institut elf Förderanträge für Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Ruhrgebiet auf den Weg gebracht. Das Projekt „Ravis-3D“, das Radarsensoren für Sehbehinderte erforscht, läuft bereits. Es wird für drei Jahre von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 1,8 Millionen Euro gefördert. Das BOIT hatte nicht nur die Antragsformalitäten erledigt, sondern auch die industriellen Partner ins Boot geholt.

Schwerpunktmäßig beschäftigt sich das BOIT mit dem großen Zukunftsfeld „Data Science“. Dahinter steckt die Auswertung der wachsenden Datenflut und ihre Nutzung für neues Wissen. Peuling will aber auch weitere Säulen aufbauen. Dazu gehören die Diagnostik im Gesundheitsbereich, autonomes Fahren und die digitalisierte Produktion. Der Geschäftsführer: „Wir haben auch das große Thema Datensicherheit im Auge.“

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