Fernverkehr

Flixbus greift die Deutsche Bahn auf der Schiene an

Grün lackiert wie dieses Lokmodell soll der neue Flixtrain unterwegs sein

Foto: Flixbus

Grün lackiert wie dieses Lokmodell soll der neue Flixtrain unterwegs sein

Berlin  Der Fernbusmarktführer Flixbus steigt ins Zuggeschäft ein. Zwei Strecken sind zunächst geplant. Doch das Unternehmen will noch mehr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bisher hat Flixbus der Deutschen Bahn mit Bussen Konkurrenz gemacht. Künftig schickt das Fernbusunternehmen auch Züge über das deutsche Schienennetz und greift die Deutsche Bahn in ihrem Kerngeschäft an. Start des neuen Flixtrain ist Ende März. Zunächst fahren die quietschgrünen Züge zwischen Hamburg und Köln, von April an auch zwischen Berlin und Stuttgart. Und das ist erst der Anfang. „Wir denken durchaus darüber nach, das Geschäft mit Fernzügen auszubauen“, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein unserer Redaktion.

Es ist der vierte ernsthafte Versuch, der Deutschen Bahn in ihrem Kerngeschäft Kunden abzunehmen. Zuvor versuchten es etwa Locomore und HKX, beide Unternehmen scheiterten. Nicht von ungefähr entsprechen die ersten Flixtrain-Strecken denen der beiden gescheiterten Bahnkonkurrenten: Flixbus hat im Sommer 2017 die Locomore-Strecke Berlin–Stuttgart übernommen, Hamburg–Köln war das Angebot von HKX, an dem Locomore beteiligt war.

Zum Start kosten Tickets ab 9,99 Euro

Seit dem vergangenen Jahr fährt der Locomore-Zug im Auftrag von Flixbus zwischen Berlin und Stuttgart. „Auf der Strecke haben wir getestet, ob wir auch Züge füllen können. Die sind deutlich größer als Busse. Unter 500 bis 1000 Passagieren lohnt sich das nicht“, sagt Schwämmlein. Offenbar lief der Test erfolgreich. Mehr als 150.000 Zugtickets hat Flixbus verkauft – das machte Lust auf mehr, obwohl das Unternehmen damit noch kein Geld verdient hat. Schwämmlein ist aber sicher, im Jahresdurchschnitt schwarze Zahlen mit den eigenen grünen Zügen einfahren zu können.

Bahn sperrt Strecken wegen Sturm – muss das sein?

Sturmfolgen: Die Deutsche Bahn sperrt immer öfter Strecken wegen eines Unwetters – warum ist das so? Und muss das so sein? Wir haben nachgefragt.
Bahn sperrt Strecken wegen Sturm – muss das sein?

Zwischen Hamburg und Köln wird vom 24. März an jeweils zweimal täglich ein Flixtrain verkehren. Auf der Strecke Stuttgart–Berlin geht es mit zwei grünen Zügen im April los. Im Sommer sollen hier dann vier Flixtrains verkehren. Zum Start kosten die Fahrkarten für eine einfache Strecke ab 9,99 Euro. Langfristig wird es teurer, allerdings nicht so teuer wie bei der Deutschen Bahn. So kostet die Strecke Berlin–Heidelberg direkt bei Flixtrain bei früher Buchung 19 Euro, bei der Deutschen Bahn im Spartarif 29,90 Euro.

„Vom Zug profitiert das Fernbusangebot“

„Unsere Züge sind nicht so viel langsamer als ein ICE der Deutschen Bahn, aber Tickets für den Flixtrain deutlich günstiger. Da sieht man schon, wo die Richtung hingeht“, sagt Schwämmlein. Das Unternehmen verspricht sich von dem neuen Angebot mehr Kunden: „Mit dem Zug sind wir plötzlich für Kunden relevant, für die wir bisher nicht interessant waren. Davon profitiert auch unser Fernbusangebot.“

Das Konzept ist bei den Zügen wie bei den Bussen gleich: Flixbus plant die Strecken, kümmert sich um die Qualitätsstandards, verkauft die Tickets, übernimmt die Abrechnung. Die Strecken selbst fahren dann regionale Busunternehmen. So soll es auch beim neuen Zugangebot sein. Für die Flixtrain-Strecke zwischen Hamburg und Köln arbeitet Flixbus mit dem Nürnberger Bahnanbieter BTE zusammen, der bereits ein Autoshuttle zur Insel Sylt und einen Autozug von Hamburg nach Lörrach nahe Basel betreibt. Auf der Strecke Berlin–Stuttgart fährt das tschechische Bahnunternehmen Leoexpress.

Flixbus verkauft kombinierte Bus- und Bahntickets

Flixbus hat die neuen Zugstrecken in sein Fernbusnetz integriert. Wer also zum Beispiel mit Flixbus von Hamburg nach Paris will, wird möglicherweise ein Ticket bekommen, das die Bahnfahrt nach Düsseldorf und dann eine Bustour nach Paris abdeckt. Ähnliches gilt etwa für die Strecke Berlin–Brüssel.

HKX und Locomore scheiterten unter anderem mit ihrem Angebot, weil sie Bahnunternehmen waren, aber keinen großen Vertrieb hatten, um die Züge zu füllen. Das ist bei Flixbus anders. Das Unternehmen verzeichnete im vergangenen Jahr 40 Millionen Kunden europaweit, Tendenz steigend. Die Tickets werden vor allem über das Internet, direkt im Bus und über ausgewählte Reisebüros verkauft.

Weiterer Netzausbau geplant

Flixbus-Chef Schwämmlein lässt keinen Zweifel daran, dass das Angebot ausgebaut wird. Flixtrain ist inzwischen ein anerkanntes Eisenbahnverkehrsunternehmen, kann also selbst Trassen bei der DB Netz beantragen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn vergibt in Deutschland die Rechte für die Nutzung des Schienennetzes.

„Wir schauen uns gerade an, was das Netz der DB Netz hergibt. Allerdings dauert der Ausbau im Bahngeschäft deutlich länger als im Busgeschäft, wegen der längeren Antragsfristen.“ Bis auf Weiteres will Flixtrain sich auf Deutschland konzentrieren. „Grenzüberschreitender Verkehr ist wegen der unterschiedlichen Systeme kompliziert. Da setzen wir auf den Bus.“

Flixbus setzt auf Los Angeles

Flixbus startete im Februar 2013 mit einem Fernbusangebot in Deutschland, nachdem die Bundesregierung den Markt freigegeben hatte. Im Zuge des Wachstums übernahm das Münchener Unternehmen zahlreiche Konkurrenten. Inzwischen dominiert Flixbus mit mehr als 90 Prozent den deutschen Markt und expandiert in ganz Europa.

Der europäische Marktführer bietet 250.000 tägliche Verbindungen zu rund 1400 Zielen in 26 Ländern an. Für den Sommer ist der Start in den USA geplant. Von Los Angeles aus will Flixbus vor allem die großen Städte San Diego, San Francisco und Las Vegas verbinden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik