Geldsorgen

Fast jeder Zehnte in Deutschland ist überschuldet

Im Ruhrgebiet sind besonders viele Menschen überschuldet.

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Im Ruhrgebiet sind besonders viele Menschen überschuldet. Foto: dpa

Essen.   Die Konjunktur wächst, die Arbeitslosenzahl ist niedrig. Dennoch steigt die Anzahl der Überschuldeten, im Ruhrgebiet ist es besonders prekär.

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Die Konjunktur steigt weiter an und die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Trotzdem wächst die Anzahl der Menschen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Der "Schuldneratlas Deutschland" der Creditreform Wirtschaftsforschung für das 2017 zeigt, dass die Anzahl der überschuldeten Privatpersonen in diesem Jahr um gut 65.000 auf über 6,9 Millionen gewachsen ist.

Bei knapp jedem zehnten Erwachsenen sind demnach die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen. Während in Bayern die Quote mit 7,47 Prozent erneut am geringsten ausfällt, liegt NRW im unteren Mittelfeld bei 11,63 Prozent. Schlusslicht ist Bremen mit 13,97 Prozent.

Lage im Ruhrgebiet ist alarmierend

Vor allem das Ruhrgebiet sei "ein Hotspot", sagen die Experten. Herne (Rang: 398), Gelsenkirchen (396) oder auch Duisburg (394) belegen die unteren Plätze im Ranking der Creditreform, insgesamt wurden alle 401 Städte (Kreise) auch chronologisch nach der Überschuldungsquote gelistet.

In Herne sind fast 18 Prozent der Menschen überschuldet, im Vergleich dazu steht Mülheim an der Ruhr deutlich besser da: Dort sind es etwas unter zwölf Prozent. Am Niederrhein sieht es noch etwas freundlicher aus: Im Kreis Wesel (9,96) ist knapp jeder zehnte Mensch überschuldet, im Kreis Kleve sind es unter elf Prozent (10,58).

Überschuldung ist längst nicht mehr nur das Problem der Bürger mit geringen Einkommen. Laut Creditreform stammen praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht. Dagegen habe die Zahl der Fälle aus den "gehobenen Schichten" und den "unteren Schichten" leicht abgenommen, berichteten die Forscher.

Arbeitslosigkeit gilt als Hauptgrund

Dabei ist die Überschuldung auf fünf Hauptverschuldungsgründe zurückzuführen: An der Spitze steht nach wie vor die "Arbeitslosigkeit", die in knapp jedem fünften Fall verantwortlich ist. Jedoch nicht mehr so dominierend wie 2010, da war es mehr als jeder vierte Fall. Stattdessen gewannen "Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle" als Auslöser für Überschuldungen eine immer größere Bedeutung.

Die Punkte "Unwirtschaftliche Haushaltsführung", "Trennung, Scheidung, Tod" und "Gescheiterte Selbstständigkeit" komplettieren die "Big Five". Insgesamt ergibt sich daraus ein Anteil von etwas mehr als zwei Drittel.

Überdurchschnittlich stark zugenommen hat nach Angaben der Experten 2017 erneut die Altersüberschuldung. Vier von fünf neuen überschuldeten Personen seien in diesem Jahr älter als 50. Die Zahl überschuldeter Senioren im Alter ab 70 stieg sogar um rund 12 Prozent auf 194 000. Dagegen nehme die Zahl überschuldeter Personen unter 30 ab.

Zwar sei Altersüberschuldung immer noch vergleichsweise selten, "aber da bewegt sich die Überschuldung hin", meinte Michael Bretz von Creditreform.

Alleinerziehende Mütter oft in der Schuldenfalle

Eine immer größere Rolle bei der Überschuldungsproblematik spielen außerdem Frauen. Zwar stellen Männer insgesamt nach wie das Gros der überschuldeten Personen.

Doch von den neuen Überschuldungsfällen entfielen 2017 rund 60 Prozent auf Frauen. Besonders häufig geraten alleinerziehende Mütter in die Schuldenfalle. Das Gesamtvolumen der Schulden bezifferten die Experten auf rund 209 Milliarden Euro. (red mit dpa)

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