Q.One

So fordern die Essener Entwickler von Q.One Amazon heraus

Die Gründer von Q.One wollen Amazon angreifen: Carsten Puschmann (l.) und Thomas Heidelbach.

Die Gründer von Q.One wollen Amazon angreifen: Carsten Puschmann (l.) und Thomas Heidelbach.

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Q.One hat Software für Payback und Miles and More entwickelt. Nun will die Firma mit „Cloud Basket“ die Vormachtstellung von Amazon brechen.

Dem Handel und der Politik in Europa ist es bislang kaum gelungen, ein Gegengewicht zu den US-Internethändlern Amazon und Ebay zu schaffen. Jetzt macht sich das vergleichsweise kleine Essener Unternehmen Q.One auf, den Giganten den Kampf anzusagen. Im Rücken haben sie nun auch einen potenten Investor: den Bildungsunternehmer Ludwig Fresenius, der mit einem mittleren einstelligen Millionen-Betrag bei Q.One einsteigt.

„Cloud Basket“ heißt die Plattform, über die Millionen von Kunden ab Oktober ohne große Hürden einkaufen können sollen. „Über Cloud Basket können Kunden beliebige Produkte in beliebigen Shops online kaufen. Sie müssen sich aber nicht in jedem einzelnen Shop registrieren“, sagt Q.One-Mitgründer Carsten Puschmann. Das neue Portal sei ein übergeordneter Warenkorb. „Wir übernehmen die Bestellung für die Kunden und verdienen an Teilen der Transaktionsgebühren.“

Bestellung über nur einen Kanal

2006 in Düsseldorf gegründet und 2010 nach Essen umgezogen, hat das inzwischen 50-köpfige Team von Q.One eine Menge Erfahrungen im Handel und speziell im E-Commerce gesammelt. Seit 2009 entwickelt die Firma Kundenbindungsprogramme für namhafte Unternehmen wie Payback, Miles and More der Lufthansa und Aktionen der Deutschen Bahn. Von diesen Programmen sollen die Kunden über Rabatte profitieren, aber auch die Händler, die wie im Fall von Payback viele Informationen über das Einkaufsverhalten der Verbraucher sammeln, und diesen individuell zugeschnittene Angebote machen können.

Dieses Prinzip will Q.One nun auch auf den Cloud Basket übertragen. Die Idee: Produkte, die Kunden bei der Internet-Recherche finden, sollen sie über diesen einzigen Kanal bestellen können. „Wir wissen, dass viele Kunden den Bestellvorgang abbrechen, weil sie sich in jedem einzelnen Onlineshop anmelden müssen“, sagt Puschmann. „Diese Aufgabe übernimmt künftig Cloud Basket. Wir weiten die Komfortmerkmale eines Marktplatzes auf das gesamte Internet aus.“ Im Gegensatz zu großen Online-Händlern soll Cloud Basket allerdings kein eigenständiger Shop mit Lager und Versand sein. Der Bestellvorgang soll vollautomatisch bei den jeweiligen Anbietern erfolgen. Puschmann: „Wir arbeiten mit einem Robot, der bis zu 100.000 Transaktionen pro Minute bewältigen kann.“ Q.One rechnet mit Millionen Nutzern und will expandieren. „Wir wollen unser Team von 50 auf 80 bis 100 Mitarbeiter aufstocken. Wir suchen vor allem Programmierer und IT-Spezialisten.“

Auch Handel vor Ort soll profitieren

Dabei setzt das Unternehmen auf die Region. „Unser Team kann sich durchaus mit Spezialisten aus Berlin und München messen lassen“, sagt Puschmann. „Im Vergleich zu anderen großen IT-Dienstleistern laufen wir im Ruhrgebiet unter dem Radar.“ Mit Cloud Basket soll sich das ändern. Denn dem Aufbau der übergreifenden Plattform misst Q.One auch eine politische Dimension zu. „Amazon hat im E-Commerce einen Marktanteil von 50 Prozent. Die Vormachtstellung der Amerikaner wollen wir mit einer neuen deutschen Plattform brechen“, sagt Mitgründer Thomas Heidelbach.

Von dem Angriff auf den US-Giganten soll nach seiner Einschätzung auch der hiesige Handel profitieren. „Wir tun auch etwas für die lokalen Händler in Essen oder Duisburg. Sie haben allein keine Chance, sich gegen die Übermacht von Amazon zu stemmen“, so Heidelbach. „Über Cloud Basket können Kunden auch bei Fachhändlern vor Ort einkaufen, vorausgesetzt sie haben einen Onlineshop.“ Die neue Plattform könne auch dazu beitragen, die Verödung des stationären Handels zu bremsen. Der Q.One-Mitgründer: „Die Händler in der Innenstadt leiden darunter, dass sich die Kunden bei ihnen beraten lassen, am Ende aber bei anderen Anbietern im Netz kaufen. Das muss aufhören.“

>>> Fresenius glaubt an das Ruhrgebiet

Ludwig Fresenius ist Mehrheitseigentümer des Bildungs-Unternehmens Cognos und früherer Inhaber der Analytikfirma Fresenius. Seinen Namen tragen mehr als 100 Weiterbildungsinstitute und Schulen in 34 deutschen Städten, darunter Dortmund, Bochum und Düsseldorf.

Nun steigt Fresenius mit einem Millionenbetrag auch bei Q.One ein im Essener Norden ein. „Der Cloud Basket hat das Potenzial, den gesamten E-Commerce nachhaltig zu verändern“, sagt der Unternehmer. „Als Geldgeber engagiere ich mich immer nur dann, wenn es für alle Beteiligten Sinn macht.“

Fresenius hat enge Kontakte zum Ruhrgebiet. Der Patenonkel seines Bruders sei kein geringerer gewesen als Berthold von Bohlen und Halbach, der jüngere Bruder des letzten Alleininhabers des Krupp-Imperiums, Alfried Krupp: „Die Werte eines solchen Traditionsunternehmens aus dem Ruhrgebiet haben auch mich geprägt. Es freut mich, diese Werte weitergeben zu können“, sagte Fresenius dem „Handelsblatt“. Er wolle dazu beitragen, das Ruhrgebiet zu einem „Digitalstandort“ aufzubauen.

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