Währungsabsturz

Ein Euro für sieben türkische Lira – Erdogan wütend

Die türkische Lira steht zurzeit an den Währungsbörsen nicht hoch im Kurs.

Die türkische Lira steht zurzeit an den Währungsbörsen nicht hoch im Kurs.

Foto: Can Merey / dpa

Frankfurt/Main  Der Sturzflug der türkischen Lira setzt sich fort. Im Vergleich zum Euro sank die Währung auf ein Rekordtief. Droht eine Staatspleite?

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Nach einer neuen Eskalation zwischen der Türkei und den USA hat sich der Verfall der türkischen Landeswährung Lira rasant beschleunigt. Der Dollar stieg am Freitagnachmittag auf ein neues Rekordhoch - für einen Dollar wurden 6,87 Lira fällig.

Ein von Finanzminister Berat Albayrak vorgestelltes Maßnahmenpaket für die angeschlagene türkische Wirtschaft hatte Investoren nicht überzeugt und die Verunsicherung beschleunigt. Noch während Albayraks Rede kündigte US-Präsident Donald Trump zudem einen schärferen Kurs.

Trump teilte auf Twitter mit: „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt.“ Die Beziehungen zur Türkei seien nicht gut. Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger. Die Affäre hatte zum Absturz der Lira stark beigetragen.

Zuvor hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Westen für den Verfall der Lira verantwortlich gemacht und die Bevölkerung aufgerufen, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen.

Als Ursache für die Zuspitzung an den Finanzmärkten in der Türkei gilt auch die Unsicherheit der Anleger vor der Veröffentlichung eines neuen Wirtschaftsmodells, das Finanzminister Berat Albayrak an diesem Freitag vorstellen will.

Starke Inflation bereitet der Lira Probleme

Analysten der Landesbank-Baden-Württemberg (LBBW) sprachen von einer Vertrauenskrise, die einen „Abwärtsstrudel“ bei der türkischen Lira ausgelöst habe. Anfangs waren noch mangelnde Rechtssicherheit, eine starke Inflation und die Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank das Hauptproblem für die türkische Währung.

Mittlerweile wird nach Einschätzung der LBBW an den Märkte aber auch die Möglichkeit einer Staatspleite der Türkei durchgespielt. Zuletzt sind Prämien der Kreditausfallversicherungen auf türkische Staatspapiere auf Höchststände geklettert.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte den Westen für den Kursverfall der Lira verantwortlich. Er rief Bevölkerung dazu auf, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen. Er sprach erneut von einem «Wirtschaftskrieg» und erhob den Westen zum Feindbild.

Erdogan hat Schuldigen gefunden

„Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken“, sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt am Freitag. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein.

Erdogan, der demnächst Deutschland besucht,

sprach von einer „künstlichen Finanzkrise“. An jene gerichtet, die höhere Zinsen fordern, um die Inflationsrate von mehr als 15 Prozent zu drücken, sagte er: „Ihr werdet es nicht schaffen, diese Nation in die Knie zu zwingen.“ Anders als Ökonomen sieht Erdogan Zinserhöhungen als Ursache für Inflation und nicht als Instrument dagegen.

Die Türkei diversifiziere ihre Wirtschaftspartner - „von China bis Russland“, sagte Erdogan. Vor allem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei hat sich die Beziehung mit den USA stark verschlechtert. Die Märkte hatten darauf stark verunsichert reagiert. „Diese Nation hat keine Angst“, sagte Erdogan. „Vertraut auf Gott.“

Einen Einfluss auf den Kurs der Lira hatten auch die US-Sanktionen gegen die Türkei. Aber schon seit einiger Zeit stürzte der Kurs des Lira im Vergleich zum Dollar und dem Euro ab. Die Krise könnte sich sogar noch verschärfen, weil Donald Trump erneut die Türkei angegriffen und die US-Strafzölle verdoppelt hat.

Die Verzweiflung darüber ging bereits soweit, dass Erdogan die Türken dazu aufrief, ihr Geld in Lira zu tauschen, um den Kurs der Währung zu stärken. Die Wirtschaft in der Türkei ist wirtschaftlich abhängig von Deutschland.

Die Krise in der Türkei hat deshalb auch Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Durch den Absturz der Lira steigt die Nervösität auf auf dem deutschen Aktienmarkt. (bekö/dpa)

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