Energiekonzern

Eon steht zum Atomausstieg – und ist offen für Klimademo

Eon-Chef Johannes Teyssen spricht sich für einen CO2-Preis aus.

Eon-Chef Johannes Teyssen spricht sich für einen CO2-Preis aus.

Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Essen.  Späterer Atomausstieg? Nicht mit Eon. Der Energiekonzern plädiert für einen CO2-Preis und ist offen für die Klimademos von Fridays for Future.

Der Essener Energiekonzern Eon steht fest zum Atomausstieg. „Wir gehen davon aus, dass wir das letzte Kraftwerk in 2022 planmäßig runterfahren“, sagte Eon-Finanzchef Marc Spieker in einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen. „Ich glaube auch nicht, dass sich das ändern wird“, fügte Spieker hinzu. Von Eon werde es jedenfalls „keine Initiativen dazu“ geben.

In den vergangenen Tagen waren Rufe nach einer längeren Laufzeit für die deutschen Kernkraftwerke laut geworden, um den Klimaschutz zu verbessern. „Ich würde erwägen, den Atomausstieg infrage zu stellen, ja, vor allem weil wir noch nicht über ausreichend regenerative Energiequellen verfügen“, sagte VW-Chef Herbert Diess in einem Zeit-Interview.

Clement plädiert für längere Nutzung der Atomkraft

Der frühere NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement schrieb in einem Beitrag für Welt.de, „aus Gründen des Klimaschutzes und aus ökonomischer Sicht würde ein früherer Kohleausstieg Hand in Hand mit einer längeren Atomnutzung sehr viel mehr Sinn ergeben“. Die Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) hatte den Atomausstieg nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan im Jahr 2011 beschlossen. Bis Ende 2022 sollen alle Atomkraftwerke im Land abgeschaltet werden.

Eon-Finanzchef Spieker äußerte sich in der Telefonkonferenz auf Nachfrage auch zum geplanten „Klimastreik“ am 20. September – und zeigte sich offen für Klimademos. Er gehe davon aus, dass sich Eon-Mitarbeiter beteiligen werden, sagte Spieker. „Das liegt in der Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter.“

Verdi ruft zu Beteiligung an Klimademo auf

Die Gewerkschaft Verdi, die auch für Eon zuständig ist, hatte dazu aufgerufen, sich an den Klimademos zu beteiligen. „Wer kann, sollte ausstempeln und mitmachen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske unserer Redaktion. Klimaschutzaktivisten von Fridays for Future zeigten sich begeistert. „Es ist großartig zu sehen, dass Verdi im Gegensatz zu vielen politischen Akteuren die Dringlichkeit von echten Maßnahmen versteht“, twitterte Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen von Fridays for Future. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg twitterte: „Das ist Führungsstärke.“

Verdi-Chef Bsirske ist auch stellvertretender Aufsichtsratschef des Essener Energiekonzerns RWE. „Es ist gut, dass das Thema Klima gesellschaftlich breit diskutiert wird“, sagte ein RWE-Sprecher auf Anfrage zum Aufruf von Verdi. „Wir als RWE haben unsere CO2-Emissionen in den letzten sechs Jahren um 34 Prozent gesenkt und gehen diesen Weg konsequent weiter.“ Mit Blick auf die geplanten Aktionen am 20. September fügte der RWE-Sprecher hinzu: „Das Wort Klimastreik ist in diesem Zusammenhang vielleicht missverständlich, Herr Bsirske hat ja dazu aufgefordert, sich in der Freizeit zu engagieren.“

Eon-Chef Johannes Teyssen forderte in einem Brief an die Aktionäre zur Quartalsbilanz mehr Anstrengungen für den Klimaschutz. „Das Jahr 2019 kann zu einem historischen Wendepunkt für den Klimaschutz werden“, schrieb Teyssen. „Immer mehr Menschen sorgen sich um die Zukunft der Erde. Sie gehen auf die Straßen, und sie machen bei Wahlen deutlich, dass sie konkrete Entscheidungen für eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes erwarten. Ich bin von dieser Zuspitzung nicht überrascht, denn sie ist überfällig.“

Eon plädiert für CO2-Bepreisung

In Europa gebe es zwar Fortschritte beim Umbau der Energieerzeugung, für den Klimaschutz sei bislang aber zu wenig erreicht worden, so Teyssen, „vor allem, weil wir bei der CO2-Reduzierung in den Bereichen Verkehr und Wärme keine Fortschritte machen“. Teyssen forderte, dass der Ausstoß von CO2 „einen Preis haben muss, der einen Anreiz zur Vermeidung setzt“. Eon spricht sich für eine CO2-Bepreisung „für alle Sektoren“ aus. Im Gegenzug müsse „sauberer Strom für alle billiger werden“, unter anderem durch eine Senkung der Stromsteuer.

Teyssen betonte, durch die Übernahme der RWE-Tochter Innogy könne Eon Innovationen für Energieeffizienz in Unternehmen und Haushalten, für klimaschonende Wärmeerzeugung, für Elektromobilität und die dafür nötige Ladeinfrastruktur befördern. „Genau das ist der Leitgedanke bei der geplanten Übernahme von Innogy“, so Teyssen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir wie geplant die Freigabe aus Brüssel erhalten werden und die Transaktion im September dieses Jahres abschließen können.“

Zuversicht für Übernahme von Innogy

Im vergangenen Jahr haben Eon und die Essener Innogy-Mutter RWE einen umfangreichen Austausch von Geschäftsfeldern vereinbart. Eon will die Strom- und Gasnetze sowie das Endkundengeschäft von Innogy übernehmen und die RWE-Tochter damit zerschlagen. Im Gegenzug erhält RWE die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien von Eon und Innogy und wird mit knapp 16,7 Prozent an Eon beteiligt.

„Die geplante Übernahme von Innogy betreiben wir aus einer soliden finanziellen Position“, erklärte Teyssen. Der bereinigte Konzernüberschuss lag mit rund 0,9 Milliarden Euro allerdings 16 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies sei „im Rahmen unserer Erwartungen“, betonte Teyssen. Die Gewinn-Prognose für das Geschäftsjahr 2019 bestätigte er, ebenso wie den Dividendenvorschlag von 46 Cent pro Aktie für das Jahr 2019.

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