Kohleausstieg

Energiekonzern Uniper kämpft für Kohlekraftwerk Datteln

Der Uniper-Kohlekraftwerk in Datteln sollte eigentlich schon vor Jahren ans Netz gehen.

Der Uniper-Kohlekraftwerk in Datteln sollte eigentlich schon vor Jahren ans Netz gehen.

Foto: Hans Blossey

Düsseldorf/Essen.  Der neue Uniper-Chef Schierenbeck setzt sich vehement für das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln ein. Auch zum Streit mit Fortum äußert er sich.

Der neue Chef des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper, Andreas Schierenbeck, wirbt vehement für das umstrittene Steinkohlekraftwerk in Datteln. „Als ich hörte, es könnte im Rahmen der Kohleausstiegsdiskussion womöglich gar nicht mehr ans Netz gehen, war ich doch sehr erstaunt“, sagte der ehemalige Thyssenkrupp-Manager in seiner ersten Telefonkonferenz für Journalisten nach seinem Start bei Uniper. „Für jemanden wie mich, der bei allen Dingen zunächst die Fakten betrachtet, erscheint das ziemlich absurd.“

Das Kraftwerk Datteln 4 sei eines der modernsten in Europa und den alten Anlagen „auch klimatechnisch deutlich überlegen“, hob Schierenbeck hervor. „Wenn wir dann noch die Versorgungssicherheit im Blick haben und deutsche Verbraucher und Steuerzahler nicht weiter über Gebühr belasten wollen, kann es kaum eine Alternative dazu geben, Datteln 4 ans Netz zu nehmen.“ Das Ziel von Uniper sei, die Anlage in Datteln bis zum Sommer 2020 an Netz zu bringen. „Solange wir also keine gegenteiligen Erkenntnisse haben – und die haben wir nicht – arbeitet das Team mit mehr als 450 Mitarbeitern mit Hochdruck daran, das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen.“

Uniper führt Gespräche mit der Bundesregierung zu Datteln

Mit dem Abschlussbericht der sogenannten Kohlekommission der Bundesregierung war die Debatte um das Uniper-Kraftwerk in Datteln vor einigen Wochen neu entbrannt. Für „bereits gebaute, aber noch nicht im Betrieb befindliche Kraftwerke“ empfahl die Kommission, „eine Verhandlungslösung zu suchen, um diese Kraftwerke nicht in Betrieb zu nehmen“. Schierenbeck verwies auf Gespräche von Uniper mit der Bundesregierung. Eine Gesetzesvorlage für den Kohleausstieg gibt es indes noch nicht.

Geplant worden ist das Kraftwerk in Datteln noch vom Uniper-Vorgänger Eon, als vom Ende der Kohleverstromung in Deutschland noch kaum die Rede war. Eigentlich sollte das Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von etwa 1100 Megawatt schon im Jahr 2011 in Betrieb gehen, um die Züge der Deutschen Bahn mit Energie sowie Haushalte mit Strom und Wärme zu versorgen. Doch eine Reihe von Pannen bescherte Uniper Verzögerungen. Im Mai vergangenen Jahres musste der Konzern von Schäden an der Kesselanlage berichten. Mehr als 1,5 Milliarden Euro hat Uniper eigenen Angaben zufolge bereits in das Kraftwerksprojekt gesteckt.

Test für rund 35.000 Schweißnähte steht an

„Wie ich mich vor Ort persönlich überzeugen konnte, geht es sehr gut voran“, berichtete Schierenbeck. „Die Reparaturarbeiten bei der Remontage des Dampferzeugers sind weit fortgeschritten.“ Der Schritt werde Anfang September die Druckprobe des Kessels sein, bei der sämtliche Schweißnähte – immerhin mehr als 35.000 – einer Festigkeitsprüfung unterzogen werden sollen. Die Inbetriebsetzung der übrigen Komponenten des Kraftwerks sei nahezu abgeschlossen. Ab Anfang Oktober soll Kohle für den Betrieb eingelagert werden.

Die frühere Eon-Tochter stemmt sich seit zwei Jahren gegen eine Übernahme durch den finnischen Staatskonzern Fortum, der inzwischen 49,99 Prozent an Uniper hält. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter. Zahlreiche Uniper-Standorte befinden sich in NRW, darunter der Kraftwerkskomplex in Gelsenkirchen-Scholven.

Uniper-Betriebsrat in Sorge um das Unternehmen

Der Uniper-Betriebsrat hatte unlängst in einem Brief an Fortum-Chef Pekka Lundmark heftigen Widerstand gegen eine eventuelle Übernahme angekündigt. Adressaten des Schreibens waren auch Kanzleramtschef Helge Braun und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Der neue Uniper-Chef Schierenbeck betonte, die Interessen der Arbeitnehmer seien in seinen Gesprächen mit Fortum „auf der Agenda“. Ob ein möglicher Verlust der Unabhängigkeit von Uniper eine „rote Linie“ in seinen Gesprächen mit Fortum sei, wollte Schierenbeck in der Telefonkonferenz nicht kommentieren. Derzeit wird vom Management ausgelotet, ob und wie Uniper und Fortum kooperieren könnten.

Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres stieg der Umsatz von Uniper um zwei Prozent auf 36,72 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Der Konzernüberschuss lag mit 925 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahr. In den ersten sechs Monaten 2018 war die frühere Eon-Tochter mit 546 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Grund waren negative Bewertungseffekte aus Rohstoff-Derivaten, mit denen Uniper das Strom- und Gasgeschäft gegen Preisschwankungen absichert.

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