Warenhauskonzern

Ende der Insolvenz: Karstadt-Chef schreibt emotionalen Brief

Miguel Müllenbach, der neue Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, hat sich zum Ende des Insolvenzverfahrens mit einem emotionalen Brief an die Mitarbeiter gewandt.

Miguel Müllenbach, der neue Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, hat sich zum Ende des Insolvenzverfahrens mit einem emotionalen Brief an die Mitarbeiter gewandt.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Bei Galeria Karstadt Kaufhof hat Konzernchef Müllenbach zum Ende des Insolvenzverfahrens einen emotionalen Brief an die Mitarbeiter geschrieben.

Zum Ende des Insolvenzverfahrens der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat sich Konzernchef Miguel Müllenbach mit emotionalen Worten an die Beschäftigten gewandt. „Ein gewaltiger Berg von Arbeit und eine Zeit der großen Ungewissheit liegen hinter uns“, schrieb Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief, der unserer Redaktion vorliegt. „Vor uns liegt das für uns so wichtige Weihnachtsgeschäft, in dem wir mehr denn je alles geben müssen, um es zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen.“ Die Pandemie sei „immer noch da und mit ihr die Kaufzurückhaltung der Menschen und die geringeren Frequenzen in unseren Innenstädten“, gab Müllenbach zu bedenken. „Damit müssen wir weiter leben.“

Der Galeria-Konzern sei mit den verbleibenden Standorten von Karstadt und Kaufhof gut gewappnet für den bevorstehenden Wettbewerb, betonte Müllenbach. Das Unternehmen sei jetzt „besser aufgestellt, als jemals zuvor“, erklärte er mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. „Diese Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden.“

„Die besten Unternehmensberater sind bereits im Unternehmen“

Zuvor hatte das Amtsgericht Essen das Ende des Insolvenzverfahrens von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) verkündet. Das Gericht hob eigenen Angaben zufolge auch die Verfahren für die Tochterunternehmen Karstadt Sport, Feinkost, Le Buffet und Dinea auf. Die Gläubiger des Konzerns, darunter Vermieter und Lieferanten, hatten auf Forderungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verzichtet. Die Gewerkschaft Verdi rechnet mit dem Abbau von rund 5000 Arbeitsplätzen. Die Sanierungspläne sehen die Schließung von mehr als 40 Warenhäusern vor. Fast 130 Kaufhäuser und mehr als 16.000 Arbeitsplätze bleiben aber erhalten.

Müllenbach hatte angekündigt, er wolle eine neue Unternehmenskultur bei Galeria etablieren. Wenn es Probleme gebe, wolle er dazu künftig „viel direkter kommunizieren“ als zuletzt im Konzern üblich – unter anderem mit Podcasts und Chats. „Die besten Unternehmensberater sind bereits im Unternehmen“, betonte Müllenbach. „Denn das sind wir alle. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter an seinem Platz.“ Sein Ziel sei, das Wissen und die Erfahrung der Beschäftigten systematisch zu nutzen.

Chef spricht rückblickend „von Angst um den Fortbestand unseres Unternehmens“

Wenn nun das Insolvenzverfahren ende, sei dies durchaus ein historischer Moment in der Firmengeschichte, so Müllenbach. Angesichts der Schließungen aufgrund der Pandemie habe der Konzern zwischenzeitlich „wöchentlich rund 80 Millionen Euro verloren ohne die Möglichkeit zu haben, mehr als nur einen Bruchteil unseres Umsatzes zu machen“, erklärte er rückblickend. „Wir wussten nicht, ob und wann unsere Filialen wieder würden eröffnen können.“

Die Zeit der Filialschließungen beschreibt Müllenbach als überaus schwierig: „Uns alle verunsicherte nicht nur die Angst um den Fortbestand unseres Unternehmens und unserer Arbeitsplätze, sondern auch die Angst vor der Pandemie als solcher, die für viele Menschen Einsamkeit, Krankheit und Sorge um Angehörige bedeutet hat.“ Die Krise habe aber auch gezeigt, welche Stärke im Unternehmen stecke. „Diese Stärke brauchen wir auch in den nächsten Wochen und Monaten“, so Müllenbach. „Wir wissen jetzt, dass sie in uns steckt und dass wir zusammen alles schaffen können.“

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