Landwirtschaft

Dürre bedroht die Getreideernte in Nordrhein-Westfalen

Mit dem Mähdrescher fährt der Duisburger Landwirt Reinhard Morsch die Rapsernte in diesem Jahr wegen der Dürre deutlich früher ein.

Foto: Ralf Rottmann

Mit dem Mähdrescher fährt der Duisburger Landwirt Reinhard Morsch die Rapsernte in diesem Jahr wegen der Dürre deutlich früher ein.

Duisburg.   Ein Besuch bei Landwirt Mosch in Duisburg: Trotz der Wetterkapriolen halten sich Ernteausfälle in NRW noch in Grenzen. Steigende Preise erwartet.

Langsam fräst sich das riesige Schneidwerk durch das ergraute Gestrüpp, das im Frühjahr mit seinem leuchtenden Gelb so manchen Hobbyfotografen an den Rhein im Duisburger Süden lockt. Die Rapsernte im ländlichen Stadtteil Mündelheim hat begonnen – und das viel zu früh.

Reinhard Mosch ist mit seinem Mähdrescher zwei, drei Wochen vor der Zeit auf den Feldern unterwegs. Für diesen Raps auch zu früh – nach ein paar Bahnen bricht er ab. „Das macht keinen Sinn, den lassen wir noch ein paar Tage stehen“, sagt er leicht entnervt, lädt die schwarzen Samen noch schnell auf einen der am Feldrand wartenden Hänger und macht Feierabend.

„Es ist ein verrücktes Jahr“

Viel Sonne und zu wenig Regen, kurzum die Dürre dieses Frühsommers machen den Getreidebauern bundesweit zu schaffen, ihr Verband fordert bereits Staatshilfen und warnt vor einer Pleitewelle. Dramatisches wird vor allem aus Nord- und Ostdeutschland berichtet, hier am Niederrhein gingen zwischendurch wenigstens ein paar Schauer nieder.

„Es ist ein verrücktes Jahr: Im Frühling hatten wir sehr lange Frost, die Pflanzen sind erst ab April gewachsen und jetzt müssen wir wegen der Dürre zu früh ernten“, sagt Mosch. Die Wachstumsperiode sei dadurch extrem kurz ausgefallen, „dafür haben sich die Pflanzen noch ganz ordentlich entwickelt“. Am Raps ist das gut zu sehen: Oben platzen die Schoten unter der Hitze schon auf, unten sind sie noch grün. Die Samen, aus denen später das begehrte Rapsöl gepresst wird, sind zwar oben wie unten reif.

Landwirte helfen sich gegenseitig aus

Doch kann der Drescher nicht trockene und grüne Schoten gleichzeitig sauber öffnen. Bei zu viel Druck werden die oberen Schoten samt Samen zu Staub zermahlen, bei zu wenig Druck bleiben die unteren Schoten zu. So auch hier: Ein viel zu großer Teil der Ölsamen liegt zwischen den kniehohen Halmen auf dem Acker statt im Korntank des Mähdreschers. Also bricht Mosch ab.

Die Ernteausfälle halten sich in NRW nach jetzigem Stand aber noch in Grenzen. Mosch drischt das Getreide und den Raps für die benachbarten Landwirte mit, man hilft sich gegenseitig mit den Maschinen aus, die viel zu teuer sind, als dass jeder sich einen vollen Fuhrpark leisten könnte.

Die Wintergerste ist bereits in den Silos, auch sie zwei Wochen früher als der Erntekalender es vorsieht. Sieben bis acht Tonnen je Hektar hat Mosch geerntet. „Etwa 15 bis 20 Prozent weniger als letztes Jahr – da hatten wir einen guten Durchschnitt“, schätzt der braun gebrannte Getreidebauer. Der Weizen steht noch, aber was man sehen kann, lässt nichts Gutes erahnen. „Beim Weizen wird’s schlimmer, so 30 bis 35 Prozent weniger“, schätzt Mosch. Auf den Rapsfeldern, die er bereits dreschen konnte, fehlte rund ein Fünftel zum langjährigen Durchschnitt.

Deutsche Bauernverband fordert Hilfsgelder

Besonders im Norden und Nordosten Deutschlands sieht es schlimmer aus, drohen bei Noternten Ausfälle von 50 Prozent und mehr. Auf manchen Feldern wurden die vertrockneten Pflanzen gleich gehäckselt. Der Deutsche Bauernverband fordert Hilfsgelder, um Existenzen zu retten. Die Bundesregierung äußerte sich „besorgt“, will aber erst nach der Erntebilanz im August über mögliche Hilfen entscheiden.

Beim Rheinischen Landwirtschafts-Verband ist man etwas entspannter, die hiesigen Bauern habe es bisher nicht so hart getroffen wie ihre Kollegen im Osten. Und: „Da die Ernte in Gesamtdeutschland wohl deutlich schlechter ausfällt, hoffen die Landwirte auf zumindest gute Preise“, sagt Verbandssprecherin Marliena Kipp. Wie sich der Markt entwickele, bleibe aber noch abzuwarten.

Riesenflächen in Ostdeutschland

Da auch Osteuropa unter der Frühsommer-Dürre stöhnt, dürften die Preise anziehen. Die relativ glimpflich davon gekommenen Bauern am Niederrhein könnten dann ihre Ernteeinbußen zumindest teilweise mit höheren Erlösen je Tonne auffangen. Da die Preise aber längst nicht mehr regional, sondern am Weltmarkt gemacht werden, erwartet aber auch der Bauernverband keine allzu großen Sprünge.

Auch Bauer Mosch nicht. Für heute war’s das auf dem Feld. Allein vom Getreideanbau zu leben, werde schwieriger, sagt er, mit den hiesigen Äckern könne man gegen die Riesenflächen etwa in Ostdeutschland (ein Erbe aus der staatlichen Landwirtschaft der DDR) kaum konkurrieren.

Er führt seinen Duisburger Familienbetrieb in vierter Generation und hält als weitere Standbeine Mastgänse und Hühner. Und sagt: „Es wäre schade, wenn der Ackerbau hier verloren ginge.“

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