Wirtschaft

Diesel: Hardwarenachrüstung für Euro 5 stark nachgefragt

Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem. Die Diesel-Nachrüstsysteme der Firma Baumot / Twintec aus Witten zur Minderung der Stickoxid-Anteile im Abgas sind seit Mitte August vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt und sollen nun in Serie produziert werden. Über 12.000 Interessenten haben sich auf einer Baumot-Internetseite dafür bereits registriert.

Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem. Die Diesel-Nachrüstsysteme der Firma Baumot / Twintec aus Witten zur Minderung der Stickoxid-Anteile im Abgas sind seit Mitte August vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt und sollen nun in Serie produziert werden. Über 12.000 Interessenten haben sich auf einer Baumot-Internetseite dafür bereits registriert.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Abgasreinigungssysteme gegen Diesel-Fahrverbote sind seit kurzem auf dem Markt – allerdings nur für VW, Daimler und Volvo-Besitzer.

Die Nachfrage nach Hardwarenachrüstung von Euro-5 Diesel Pkw steigt, nachdem das Kraftfahrtbundesamt Ende Juli und im August Freigaben für bestimmte Fahrzeugtypen erteilt hat. Innerhalb von zwei Wochen haben sich bereits mehr als 12.000 Interessenten für eine Nachrüstung mit dem in Witten entwickelten BNOx-System von Baumot Technologies registriert.

Bereits vor zwei Jahren hatten die Wittener Ingenieure ihr System entwickelt und vorgestellt. Am Beispiel eines VW Passat wiesen sie nach, dass das System aus SCR-Kat mit integrierter Vorwärmheizung geeignet ist, die Stickoxid-Emissionen bei alten Diesel-Motoren unter die Grenze für Fahrverbote (270mg/km NOx-Ausstoß) zu senken.

Bundesminister auf der Bremse

In der Debatte um den Dieselskandal und mögliche Nachbesserungen hatten Autohersteller und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lange auf Softwarelösungen setzen wollen, um den Stickoxidausstoß bei Euro-5 Diesel-Pkw zu senken. Eine teurere Hardwarenachrüstung, wie sie von Baumot oder auch Unternehmen wie Dr. Pley (Nachrüstung für Volvo und Mercedes, bald auch BMW) in Bayern entwickelt wurde, sollte nicht zum Zuge kommen.

Längst nicht alle Besitzer von rund sechs Millionen Euro-5 Diesel-Pkw werden etwas von der Ingenieurskunst haben. Baumot setzt zunächst auf Volumenmodelle wie den VW Passat und arbeitete auch an der Entwicklung für einen Opel Astra. Absehbar wird es nun aber zunächst nur für VW und Daimler Nachrüstsätze geben. Beide Hersteller haben angekündigt, die Hardwarenachrüstung für Pkw ihrer Marke zumindest in Gebieten mitzufinanzieren, wo Fahrverbote drohen. 3000 Euro Zuschuss soll es geben.

Teurer als versprochen

Die tatsächlichen Kosten für einen VW Passat-Modell benennt Baumot inzwischen mit 3300 Euro inklusive Einbau. Vor zwei Jahren wurden die Kosten vom Unternehmen noch mit 1500 bis 3000 Euro, laut ADAC zuletzt mit 2000 Euro beziffert. Baumot hat zwar die Technologie entwickelt, wird die BNOx-Katalysatoren aber nicht selber bauen.

Hier wird mit Firmen kooperiert, die in der Lage sind, große Stückzahlen innerhalb kurzer Zeit zu fertigen. Namen mag ein Unternehmenssprecher nicht nennen. Ein Partner sei aber auch einer der größten deutschen Automobilzulieferer – denn jetzt könnte aus der lange blockierten Technologie auch ein Geschäft werden. Mit der vom Kraftfahrtbundesamt erteilten Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) für 61 Modelle des VW-Konzerns ist Schwung in die Hardwarenachrüstung gekommen. Besitzer dieser Modelle müssten nun kein Dieselfahrverbot in Deutschland mehr fürchten, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Auch Konkurrent Dr. Pley lässt in Serie fertigen, und zwar beim niederländischen Zulieferer Bosal (Alkmaar).

Ob das eigene Auto schon nachgerüstet werden kann, können Besitzer für TwintecBaumot unter „dieselnachruestung.eu“ nachschauen. Hier bietet Baumot auch direkt eine Registrierung für eine Nachrüstung an. Zu den 61 Modellen gehören auch Polo, Golf, Tiguan und Co. sowie Fahrzeuge von Seat, Audi und Skoda, die alle mit den Motoren aus der VW-Familie ausgerüstet sind.

Baumot will nun kurzfristig auch für verschiedene Daimler-Modelle Nachrüstsätze anbieten können. Eine E-Klasse mit Euro-5-Diesel werde gerade beim TÜV getestet. Wird der bestanden, beantragt Baumot beim Kraftfahrtbundesamt auch für die Motorengruppe eine ABE. A-, B- und C-Klasse sowie GLK-Modelle sollen dann auch nachgerüstet werden können. Dr. Pley ist hier schon weiter.

„Wir planen noch im Oktober die ersten BnOx-Systeme in Serie zu produzieren und auszuliefern“, erklären die Baumot-Vorstände Stefan Beinkämpen und Marcus Hausser, die nur mit VW-Nachrüstung für das kommende Jahr mit einem Umsatzvolumen von rund 170 Millionen Euro rechnen.

Der Mendener Filter-Spezialist HJS, der wie Baumot bereits lange erfolgreich beim Nachrüsten von Bussen ist, hält sich zwar aus dem Geschäft mit Pkw-Nachrüstung heraus, hat aber für Transporter ein System entwickelt. Nachrüstsätze für gibt es demnach zunächst für Mercedes Sprinter, VW Transporter T5 und VW Crafter.

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