Altersvorsorge

Die Rente bleibt ein Sorgenkind

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Berlin. Als Chef der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist Herbert Rische ein gefragter Experte. Doch ob die Altersvorsorge künftige Generationen gut versorgen kann, weiß nicht einmal der oberste Hüter der gesetzlichen Rente.

Über die anderen Versorgungssysteme habe die DRV keine Informationen, räumt Renten-Experte Rische ein. Die Sorgen der Bevölkerung kennt er natürlich. Die Angst vor Altersarmut geht um, und bei den gut Situierten die Sorge, dass der Lebensstandard später nicht gehalten werden kann.

Dabei sind die Aussichten gar nicht schlecht, wenn man sich rechtzeitig auf die Umstände einrichtet. Die gesetzliche Rente ist nicht mehr die allein tragende Säule der Altersversorgung. Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge gewinnen an Bedeutung und die Menschen müssen länger arbeiten.

Vorsicht bei Prognosen

In der Theorie hört sich das Drei-Säulen-Modell gut an. Die Statistiker sagen voraus, dass der Neurentner des Jahres 2050 je nach Familienstand und Einkommen über rund 70 bis 75 Prozent seines letzten Nettolohnes verfügen kann.

Doch die offiziellen Prognosen haben einen gewaltigen Haken. Der Bamberger Professor Andreas Oehler hat die Grundannahmen der Bundesregierungen ab 1970 mit der Wirklichkeit verglichen. In der Regel fielen die Vorhersagen deutlich zu optimistisch aus. „Es liegt eindeutig im Interesse der Bundesregierung, die Stabilität des Rentensystems so gut wie möglich darzustellen”, rät der Forscher zum vorsichtigen Umgang mit den offiziellen Angaben.

Künftige Rentenniveaus

Das gilt auch für die Berechnung des künftigen Rentenniveaus. Der günstige Wert der Bundesregierung kommt nur durch eine trickreiche Rechnung zustande. Zur gesetzlichen Rente addiert das Arbeitsministerium die Erträge aus der Riester-Rente und geht von einer weiteren Privatrente aus.

Die Beiträge dafür sollen die heutigen Arbeitnehmer aus der Steuerersparnis bezahlen, die aus der stufenweisen Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung resultieren. Das weiß und versteht nur niemand. Und für die Riester-Rente hat sich bislang auch nur jeder dritte Berechtigte entschieden. All das legt den Verdacht nahe, dass die Zukunft weitaus unsicherer ist als es die staatlichen Vorhersagen weismachen wollen.

Ein Beispiel

Ein Beispiel verdeutlicht die tatsächliche Entwicklung. Die heute 87-jährige Mutter kann fast 1700 Euro monatlich ausgeben. Dafür sorgen die Witwenrente, eine kleine eigene Rente und die Betriebsrente ihres verstorbenen Gatten. Ihr Sohn wird nach 42 Beitragsjahren gerade noch 768 Euro gesetzliche Rente erhalten und dazu 144 Euro Riester-Rente. Zusammen mit einer privaten Rentenversicherung kann er gerade auf 1200 Euro hoffen.

Das Beispiel ist natürlich nicht repräsentativ, aber der Trend wird deutlich. Selbst Durchschnittsverdiener müssen für ein auskömmliches Alterseinkommen erhebliche Eigenanstrengungen unternehmen.

Altersarmut

Die große Herausforderung heißt Altersarmut. Bisher ist das Problem weitgehend unbekannt. Nicht einmal drei Prozent der Rentner sind auf die Grundsicherung angewiesen. „Die Ausbreitung von Hungerlöhnen und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit reißen Löcher in die Altersvorsorge von Millionen von Betroffenen”, warnt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Viele Arbeitnehmer erwerben nur geringe Rentenansprüche und ihnen fehlt das Geld für private Vorsorge.

Sicher erscheint aus heutiger Sicht ausgerechnet die so lange umstrittene gesetzliche Rente. Nur wird es sie nie wieder in gewohnter Höhe geben. Auch die Mehrheit der künftigen Rentner wird ein vergleichsweise wohlhabendes Leben führen. Für eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern wird die Aussicht auf das Alter allerdings schaurig – wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist.

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