Mobilität

DGB und Ruhr-Kammern mahnen: Staus gefährden Arbeitsplätze

Pendler im Ruhrgebiet stehen auf der A40 nahezu täglich im Stau. Gewerkschaften und Kammern fordern in einer gemeinsamen Initiative dringend neue Impulse für die Mobilität in der Region.

Pendler im Ruhrgebiet stehen auf der A40 nahezu täglich im Stau. Gewerkschaften und Kammern fordern in einer gemeinsamen Initiative dringend neue Impulse für die Mobilität in der Region.

Foto: Jochen Tack

Essen.   Gewerkschaften und Ruhr-Kammern stellen gemeinsamen Plan für mehr Mobilität vor. Sie fordern: Ruhrgebiet soll Modellprojekt für Verkehr werden.

Montag früh: Die WDR-Verkehrsnachrichten melden fast 400 Kilometer Stau in NRW. Überfüllte Straßen nerven Arbeitnehmer und bremsen Unternehmen aus. Alle Gewerkschaften und Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet üben deshalb erstmals den Schulterschluss und haben am Montag einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Mobilität vorgestellt.

„Wir verspielen Arbeitsplätze, wenn wir nicht endlich den Verkehr in den Griff bekommen“, mahnt Jutta Reiter, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in der Region Dortmund-Hellweg. Sie nimmt die 860.000 Pendler im Ruhrgebiet in Schutz, die täglich „abgenervt“ zur Arbeit kommen, aber auch die Unternehmen, die sich mittlerweile die Frage stellten, was aus ihnen wird, „wenn die Verkehrsprobleme nicht endlich gelöst würden“.

Zwischen Essen und Mülheim gibt es die meisten Pendler: 21.226 täglich, gefolgt von Dortmund/Bochum mit 20.732. „Diese Zahlen fallen doch nicht einfach vom Himmel“, sagt Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, an die Adresse von Landes- und Bundesregierung.

Besseres Baustellen-Management

Gut ein Jahr berieten Gewerkschaften und Kammern über ein gemeinsames Mobilitätskonzept. Am Montag haben sie ihren Plan vorgestellt. Darin ist von mehr Verständnis für den Ausbau der Infrastruktur die Rede, von beschleunigten Planungsverfahren, einem besseren Baustellen-Management, der Erprobung neuer Formen der Mobilität und natürlich einem Verzicht auf Fahrverbote.

„Wir schlagen vor, im Ruhrgebiet ein Modellprojekt für Mobilität aufzuziehen. Wir hoffen, dass die Ruhrkonferenz neuen Drive in die Diskussion bringen wird“, sagt Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Essen. Kammern und Gewerkschaften schwebt vor, dass in der Region eine Art Clearingstelle aufgebaut wird, die Baumaßnahmen koordiniert und untereinander abstimmt. Auf lokaler Ebene hat die Dortmunder IHK damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Gemeinsam mit dem DGB hat sie im Vorfeld der Einrichtung von Baustellen auf den Autobahnen A1 und A45 den Dialog mit Anwohnern und Unternehmen gesucht, um Belästigungen und Umwege so gering wie möglich zu halten. „Wir brauchen mehr Transparenz bei der Planung“, so Stefan Schreiber.

Verkehrsverbund für das gesamte Ruhrgebiet

Ihr Konzept, im Ruhrgebiet autonom fahrende Binnenschiffe zu testen, hatten die Kammern bereits in der vergangenen Woche veröffentlicht. Stefan Dietzfelbinger, Chef der IHK zu Duisburg, spricht von einer „dramatischen Lage“. Wegen des Niedrigwassers im Rhein habe Thyssenkrupp die Stahlproduktion drosseln müssen. „Auf Straße und Schiene gibt es keine Kapazitäten mehr“, so Dietzfelbinger. „Es kann doch nicht sein, dass die Industrie-Produktion vom Wetter abhängt.“

Kammern und Gewerkschaften nehmen aber auch die Bahn und den öffentlichen Personennahverkehr ins Visier. „Es wird viel zu oft aneinander vorbei geplant. Wir brauchen wie Berlin einen Verkehrsverbund für das gesamte Ruhrgebiet“, fordert Dieter Hillebrand, DGB-Geschäftsführer für Mülheim, Essen und Oberhausen.

Ein Dorn im Auge sind Kammern und Gewerkschaften aber auch die langatmigen Planungen. „Die Entscheidungszeiträume können nicht mehr mit den Problemen Schritt halten“, meint Angelika Wagner, Geschäftsführerin des DGB Niederrhein. Als Beispiele nennt sie den Ruhr-Express RRX und die Bahnlinie Betuwe, deren Planungen mindestens 15 Jahre dauerten.

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