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Deutsche Post beendet Extra-Service für Senioren

Briefträger sollten bei Senioren nach dem Rechten sehen. Dieses kostenpflichtige Serviceangebot hat die Post mittlerweile abgeschafft.

Briefträger sollten bei Senioren nach dem Rechten sehen. Dieses kostenpflichtige Serviceangebot hat die Post mittlerweile abgeschafft.

Foto: Michael Gottschalk

Essen.   Briefträger sehen bei Senioren nach dem Rechten: Die Deutsche Post hat diesen Service beendet. Dabei gibt es Bedarf für Hausnotruf-Dienste.

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Es war ein Projekt, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte: Briefträger der Deutschen Post sollten bei Senioren regelmäßig nach dem Rechten sehen und im Notfall Hilfe rufen. „Post persönlich“ nannte das Unternehmen den Service in den Revierstädten Gelsenkirchen und Mülheim. „So haben auch die Angehörigen das sichere Gefühl zu wissen, dass es ihren Lieben gut geht“, warb die Post in einer Broschüre, die auch dieser Tage noch im Internet abrufbar war. Doch „Post persönlich“ gibt es nicht mehr. Das Projekt wurde bereits vor einiger Zeit beendet.

Zum Start Mitte 2014 hatte die Post noch von zahlreichen Kundenanfragen gesprochen. Die Idee: Der Postbote klingelt an der Haustür und schaut, ob alles in Ordnung ist. Sollte jemand Hilfe benötigen oder nicht die Tür öffnen, verständigt der Briefträger die Johanniter – ähnlich wie bei einem Hausnotruf-System, aber mit einem kurzen Gespräch. Rund 40 Euro sollte der Service monatlich kosten. Damit waren aber nicht alle Tage in der Woche abgedeckt.

Großer Bedarf für Hausnotruf-Dienste

„Der Briefträger soll sich um die Oma kümmern“, titelte Stern.de. Der Südwestrundfunk vermutete: „Der Postbote als Altenbetreuer – das könnte schon bald in ganz Deutschland ein neuer Service sein.“ Das Ende des Projekts blieb hingegen öffentlich unbemerkt. „Wir haben den Service Ende 2015 aufgrund einer zu geringen Kundennachfrage eingestellt“, bestätigte Konzernsprecher Alexander Edenhofer nun auf Anfrage unserer Redaktion.

Grundsätzlich sehen Sozialverbände einen großen Bedarf für Hausnotruf-Dienste. „Es gibt viele Gründe, warum immer mehr Menschen im Alter vereinsamen. Insbesondere die Altersarmut ist ein wesentlicher Faktor“, sagt Adolf Bauer, der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD). „Die betroffenen Senioren igeln sich zuhause ein und stehen schnell in ei­ner Sackgasse. Und das kann ne­ben der sozialen Isolation spürbare gesundheitliche Folgen haben.“ Zum Beispiel blieben Krankheiten unentdeckt, „weil die Betroffenen weniger oder gar nicht zum Arzt gehen“.

Anbieter wie DRK, Malteser, Caritas und Johanniter

Manuela Anacker vom Sozialverband VdK NRW berichtet: „Es kommt nicht selten vor, dass Ältere stürzen und tagelang in der Wohnung liegen.“ Sie rate Senioren und deren Angehörigen, nicht zu lange zu warten, wenn ein Hausnotruf-Dienst sinnvoll erscheint. Anbieter seien beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Caritas oder auch die Johanniter. Vielfach seien die Angebote deutlich günstiger als 40 Euro – und sie decken die gesamte Woche ab. Es gibt auch Armbänder oder Ketten, die über Sender mit einer Notrufzentrale verbunden sind. „Es verwundert mich nicht, dass die Nachfrage nach dem Service der Post gering war“, urteilt Manuela Anacker.

Volker Geyer, der Vorsitzende der Gewerkschaft DPVKOM, zieht ei­ne gemischte Bilanz des Projekts „Post persönlich“. „Wir würden es schon begrüßen, wenn sich die Post zusätzliche Geschäftsfelder er­schließt. Das schafft und sichert Arbeitsplätze“, sagt Geyer. „Aber die Beschäftigten müssen auch die Zeit dafür bekommen.“ Konzernsprecher Edenhofer betont, in anderen Ländern sei die Nachfrage nach vergleichbaren Dienstleistungen vorhanden. „Auch wir haben interessante Erfahrungen gesammelt, auf die wir bei Bedarf wieder zurückgreifen könnten.“

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