Energie

Deutsche müssen sich auf steigende Strompreise einstellen

Ein Stromzähler in einem Mietshaus in Leipzig.

Ein Stromzähler in einem Mietshaus in Leipzig.

Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin  Die Ökoumlage sinkt, aber eine neue Abgabe verteuert die Rechnungen . Wir erklären die Entwicklung des Strompreises in Deutschland.

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Deutschlands Verbraucher müssen sich auf steigende Strompreise einstellen – obwohl die Umlage für Wind- und Solarkraftwerke für 2019 sinkt. Diese Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müssen alle mit ihrer Stromrechnung zahlen. Weil die Umlage nur ein Bestandteil des Strompreises ist und andere wohl teurer werden, werden die Verbraucher 2019 wahrscheinlich mehr für Strom bezahlen.

Die EEG-Umlage sinkt von 6,79 auf 6,405 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom, wie die vier großen Netzbetreiber in Deutschland, 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW berichteten. Sie hatten die Umlage wie jedes Jahr neu kalkuliert. Sie macht etwa ein Viertel des Strompreises von derzeit durchschnittlich 29,44 Cent aus, den die Privathaushalte und die meisten Firmen bezahlen. Mit der Umlage werden die Produktionskosten von Wind- und Solarkrafanlagen finanziert, die im Vergleich zu konventionellen Energieanlagen wie Kohlekraftwerken teurer sind. Die EEG-Umlage ist wesentlicher Bestandteil der Energiewende in Deutschland.

Die Umlage stieg von 1,2 Cent 2008 auf 6,79 Cent, ein wesentlicher Grund, warum die Kritiker die Energiewende für zu teuer hielten. Die große Koalition reformierte die Förderung – ein Grund für den Rückgang.

Offshore-Netzumlage kommt hinzu

Allerdings wird es im kommenden Jahr auch eine neue Umlage geben: die Offshore-Netzumlage. Ihre Höhe gaben die Netzbetreiber mit 0,416 Cent pro kWh an. Sie soll die kostspielige Anbindung der Windparks auf Nord- und Ostsee ans Stromnetz finanzieren. Der Posten ist höher als die Einsparung bei der EEG-Umlage von 0,385 Cent. Allein dadurch wird die Stromrechnung teurer – wenn die Anbieter beide Umlagen voll an die Kunden weiterreichen. Die Offshore-Kosten waren bisher nicht gesondert ausgewiesen, aber mit eingepreist.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) bemängelte das neue Verfahren. Auf die Privathaushalte kämen höhere Kosten zu, während Industriebetriebe, die viel Strom verbrauchten, entlastet würden. „Das grundlegende Problem bleibt: Der Strompreis für private Verbraucher bleibt hoch, die Stromkosten sind unfair verteilt“, sagte VZBV-Chef Klaus Müller. Das Bundeswirtschaftsministerium berichtete, dazu lägen keine Zahlen vor.

Insgesamt würden die Stromrechnungen der privaten Konsumenten 2019 eher leicht höher als niedriger ausfallen, schätzen das Vergleichsportal Verivox und der Verband der Energieunternehmen (BDEW). Weil jeder regionale Versorger seine Preise individuell kalkuliert, entwickeln sich die Endkundenpreise jedoch unterschiedlich. Genaue Aussagen lassen sich deshalb nur im Einzelfall treffen.

Erdöl und Kohle werden teurer

Für höhere Stromrechnungen spricht derzeit, dass fossile Energieträger wie Erdöl und Kohle derzeit teurer werden. Hier machen sich beispielsweise die Sanktionen der USA gegen den Iran bemerkbar, dessen Ölförderung auf dem Weltmarkt fehlt.

Zudem werden die Emissionszertifikate im Europäischen Emissionshandel teurer. Betreiber von Kohlekraftwerken müssen diese nachweisen, wenn sie klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen. Unter dem Strich steigen deshalb gegenwärtig die Brennstoffkosten der konventionellen Energieproduzenten. Erneuerbare Energie aus Wind und Sonne wird dagegen billiger.

Trotz der niedrigeren Ökoumlage „bleibt die Belastung der Unternehmen im internationalen Wettbewerb weiter unerträglich hoch“, bemängelte das „Bündnis faire Energiewende“, in dem sich mittelständische Industriebranchen zusammengeschlossen haben.

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