Todesfall

Der seltsame Tod des Unister-Gründers Thomas Wagner

Foto: Jan Woitas / dpa

Frankfurt/Main  Ein Jahr nach dem Flugzeugabsturz von Unister-Gründer Thomas Wagner sind viele Fragen offen. Ein Freund erhebt nun schwere Vorwürfe.

Ein Jahr ist es her, dass der Gründer des Leipziger Internet-Unternehmens Unister (fluege.de und ab-in-den-urlaub.de), Thomas Wagner, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Doch immer noch sind die Umstände des Absturzes nicht aufgeklärt. Sein Freund und einstiger Konzernsprecher Konstantin Korosides erhebt nun schwere Vorwürfe.

Der 38-jährige Internet-Unternehmer war gerade bei einem zweifelhaften Kreditgeschäft in Venedig betrogen worden – und befand sich auf dem Rückflug aus Italien, als sein Kleinflugzeug, eine Piper 32, in Slowenien abstürzte. Mit ihm kamen drei weitere Männer ums Leben. Ein Unfall? Einen abschließenden Bericht der slowenischen Flugaufsicht gebe es immer noch nicht, sagte Korosides nun dem Medienbranchendienst Kress.

Falschgeld angedreht

Drei Möglichkeiten für die Ursachen würden diskutiert: die Vereisung der Flügel, Fremdeinwirkung oder ein Materialfehler am Flugzeug. „Allein die Theorie, dass im Juli die Flügel vereisen, erscheint mir wenig plausibel“, sagte Korosides. Es sei nicht das erste Mal, dass jemand nach einem sogenannten Rip-Deal, dem Betrugsgeschäft, den Rückflug nicht überlebe: „Für mich stinkt das Ganze zum Himmel.

Wir haben es hier ja nicht mit Kleinkriminellen, sondern mit einem Kartell der organisierten Kriminalität rund um Rip-Deals zu tun.“ Wagner hatte als Sicherheit für einen 15 Millionen-Euro-Kredit 1,5 Millionen Euro in bar mit nach Venedig gebracht. Der „Kreditgeber“, angeblich ein israelischer Diamantenhändler mit Namen „Levy Vass“, hatte Wagner Falschgeld angedreht.

Merkwürdiges Geschäft

Dass der Unister-Gründer sich darauf einließ, habe einerseits mit der „menschlichen Ebene“ zu tun, sagt Korosides. Andererseits aber habe Wagner die Nummer eins der Internet-Unternehmen in Deutschland sein wollen. Ein gemeinsamer Bekannter, ein Politiker, habe Wagner den Kontakt zu einem Leipziger Immobilienhändler verschafft, der ihn wiederum über verschiedene Kontakte an Wilfried S. vermittelt habe, der den vermeintlichen Diamantenhändler kannte.

Anwälte von Unisters Haus-Kanzlei CMS Hache Sigle hätten den Darlehensvertrag vorher geprüft, ihn als „merkwürdiges Geschäft“ eingestuft, aber ansonsten keine Einwände gehabt, so Korosides. Das hatte ein Anwalt der Kanzlei im März auch in dem Prozess gegen Wilfried S. ausgesagt. Der habe Wagner in den „Rip-Deal“ mit „Vass“ gelockt und dafür Provision erhalten, hatte das Landgericht Leipzig Ende März geurteilt und ihn deshalb zu einer Haft von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Anmeldung der Insolvenz

Unister hätte sich damals auch auf Übernahmeangebote einlassen können, um seine finanziellen Probleme zu lösen. Doch habe der „Internet-Krieger“ nicht die „zweite Geige“ spielen wollen, erklärte Koronides diese Haltung Wagners. Denn es habe damals nur zwei unabhängige ehemalige Start-up-Unternehmen gegeben, die mit etwa einer Milliarde Euro bewertet worden seien. „Thomas hatte den Ehrgeiz für die Milliarde“, erklärt Korosides, die zuvor nur Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer habe knacken können.

Der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Lucas Flöther, sieht jedoch konkrete Anhaltspunkte, dass Unister schon lange vor Anmeldung der Insolvenz vieler Gesellschaften, die nach Wagners Tod erfolgte, zahlungsunfähig gewesen sei. Er sammle gerichtsfeste Beweise und bereite Anfechtungen vor, sagte er dieser Zeitung gegenüber. Sollte sich der Verdacht der Insolvenzverschleppung bestätigen, werden zivilrechtlich Ansprüche an die Geschäftsführer gestellt.

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