Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn ist endlich komplett

Lange wurde an der Führung der Deutschen Bahn gearbeitet, nun ist der Aufsichtsrat wieder komplett (Symbolbild).

Foto: Federico Gambarini / dpa

Lange wurde an der Führung der Deutschen Bahn gearbeitet, nun ist der Aufsichtsrat wieder komplett (Symbolbild). Foto: Federico Gambarini / dpa

Berlin  Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat nach langem Gezerre drei Vorstandsposten neu besetzt. Nach Jahren ist wieder eine Frau dabei.

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Aufatmen bei der Deutschen Bahn. Auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrates konnten sich die Kontrolleure auf die Besetzung der drei vakanten Vorstandsposten einigen. Zuvor hatte es monatelang Streit über die Spitzenpersonalien gegeben.

Damit ist im Bahnvorstand nach Jahren einer reinen Männergesellschaft auch wieder eine Frau vertreten. Die promovierte Physikerin Sabina Jeschke wird künftig für Digitalisierung und Technik im Konzern verantwortlich sein. Die 49-jährige Wissenschaftlerin kommt von der Technischen Hochschule Aachen, an der sie in den vergangenen acht Jahren lehrte. Sie ist Expertin in den Sparten Verkehr und Mobilität, künstliche Intelligenz, Robotik und bringt auch Industrieerfahrung mit.

Freie Posten sollten schon im Juli besetzt sein

Eigentlich sollten die freien Posten schon im Juli besetzt werden. Damals kam es zum ersten Eklat. Die entscheidende Aufsichtsratssitzung musste in letzter Minute abgesagt werden. Der Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums wollte den Vorschlag der Besetzungskommission für den Güterverkehrsvorstand plötzlich nicht akzeptieren.

Bahnchef Richard Lutz hätte gern Cargo-Chef Jürgen Wilder befördert. Doch Wilder hatte viele Gegner. Die Gewerkschaften waren mit ihm nicht einverstanden, weil er im Schienengüterverkehr keine großen Erfolge vorweisen konnte und Stellen strich. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) wollte zudem unbedingt eine zweite Frau in den Vorstand des Konzerns hieven. Mit der Chefin der Berliner BVG, Sigrid Nikutta, stand auch eine Bewerberin bereit. Sie ließ sich aber unter anderem wegen der SPD-Nähe nicht durchsetzen

Vorstandsmitglieder werden dringend benötigt

Im Oktober gab es einen zweiten Anlauf, der wiederum kurzfristig abgeblasen werden musste. Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht konnte die zerstrittenen Aufsichtsräte nicht zu einer gemeinsamen Entscheidung bringen.

Wilder warf daraufhin von sich aus das Handtuch und verließ die Bahn gleich ganz. Ein neuer Kandidat musste dann schnell gefunden werden. Denn abgesehen von diesem peinlichen und rufschädigenden Trauerspiel werden die Vorstandsmitglieder dringend benötigt.

Seit Jahresbeginn muss der Restvorstand die Arbeit der unbesetzten Ressorts miterledigen. Jetzt konnten sich die Kontrolleure endlich auch auf einen Kandidaten für das Logistikgeschäft verständigen.

Einfluss der Politik bei der Bahn ist groß

Neuer Chef der Sparte wird der Banker Alexander Doll. Der 47-jährige kommt von der britischen Barclays Bank, deren Deutschland-Geschäft er leitet. Dort habe er über 20 Jahre lang nationale und internationale Transaktionen im Transport- und Logistikgeschäft begleitet, berichtete das Unternehmen. Auch kenne er die Bahn gut als Berater des Konzerns.

Dritter im Trio der Neulinge ist Martin Seiler, der Ende des Jahres den scheidenden Personalvorstand Ulrich Weber ersetzt. Der 53-jährige kommt von der Deutschen Telekom, wo er als Arbeitsdirektor für gut 70.000 Beschäftigte in Deutschland zuständig war. Jetzt muss er sich in einem Konzern mit weltweit 320.000 Beschäftigten bewähren. Die Personalie ging glatt durch.

Die Bahn gehört dem Bund und entsprechend groß ist der politische Einfluss, wenn es um die Besetzung wichtiger Posten geht. Traditionell schlagen die Bahngewerkschaften den Personalvorstand vor. Im Gegenzug akzeptieren sie die Auswahl des Vorstandsvorsitzenden durch den Bundesverkehrsminister, der sich dabei mit dem Kanzleramt abstimmt. Der Verkehrsminister überlässt die Vorschläge weiterer Vorstandsposten dem Aufsichtsrat, in dem neben Gewerkschaften und Wirtschaftsexperten auch die Vertreter der regierenden Parteien sitzen.

Bahn wird ab sofort von sechs Vorständen geführt

„Ich freue mich sehr, dass unser neues Vorstandsteam jetzt vollständig ist“, sagte Bahn-Chef Lutz nach der Sitzung. Insgesamt sechs Manager stehen nun an der Spitze der Bahn. Die Neulinge ergänzen Lutz und den früheren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, der für Politik und Recht verantwortlich ist. Entlastet wird auch Bertold Huber als Chef des Personenverkehrs. Er musste die Logistiksparte zuletzt mitführen.

Bei vielen der anderen freien Stellen hat die Bahn weniger Probleme mit der Besetzung. In dieser Woche lief in mehreren großen Städten ein wahrer Bewerbungsmarathon. 7000 potenzielle Lokführer, Mechaniker oder Kundenbetreuer haben sich gemeldet. 2500 Bewerbungsgespräche wurden vereinbart. Gut 200 Interessenten gingen nach kurzer Zeit mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche wieder nach Hause.

Von einem Fachkräftemangel will Noch-Personalchef Weber trotz des Aufwands für die Rekrutierung nichts wissen. „Wir lassen keine Züge stehen, weil uns die Leute fehlen“, versichert er. Ob das mittelfristig auch noch gilt, muss die Praxis zeigen. In den kommenden zehn Jahren muss der Konzern allein 50.000 Stellen neu besetzen, die aus Altersgründen frei werden.

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