Indus-Chef Abromeit

„Das glatte Gegenteil von Heuschrecken“

Jürgen Abromeit, Vorstandschef der Indus-Gruppe in Bergisch-Gladbach.

Foto: Catrin Moritz

Jürgen Abromeit, Vorstandschef der Indus-Gruppe in Bergisch-Gladbach. Foto: Catrin Moritz

Bergisch-Gladbach.  Die börsennotierte Indus-Gruppe investiert in Mittelständler der Region. „Langfristig“, betont Vorstandschef Abromeit. Hohe Preise erschweren aktuell Zukäufe.

Wenn Mittelständler keine Nachfolger an der Firmenspitze finden oder das Kapital fehlt, um im Ausland zu investieren, stellt sich für sie häufig die Existenzfrage. Immer öfter finden diese Unternehmen Unterschlupf bei Beteiligungsgesellschaften. Zu den führenden ihrer Art zählt die börsennotierte Indus-Gruppe aus Bergisch-Gladbach. 46 Unternehmen mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro – auch aus dem Ruhrgebiet – gehören zur Holding. Und sie will weiter wachsen.

Jürgen Abromeit kennt sich aus in der Branche. Bevor er 2008 zur Indus kam und vier Jahre später den Vorstandsvorsitz übernahm, war er bei der Dresdner und der Commerzbank im Investment-Banking tätig. Zehn Jahre lang hütete er die Finanzen des Beteiligungskonzerns Georgsmarienhütte, der dem ehemaligen RWE-Chef Jürgen Großmann gehört. „Wir investieren unser Geld in Hidden Champions aus dem deutschsprachigen Raum und sind das glatte Gegenteil von Heuschrecken. Wir sind einer der wenigen Langfrist-Investoren“, sagt Abromeit. Er bezeichnet die Indus als „vermögensverwaltende Beteiligungs-Holding“.

Beteiligungs-Holding wächst rasant

Ein Blick in die Geschichte zeigt das rasante Wachstum der Indus: Mitte der 80er Jahre startete der Gründer Winfried Kill mit einem einzigen Unternehmen. Inzwischen ist die Gruppe im S-Dax notiert. 19,4 Prozent hält die öffentlich-rechtliche Versicherungskammer Bayern, die gemeinsam fünf ehemaligen Unternehmern (6,4 Prozent) über eine Sperrminorität verfügt. Der Rest befindet sich im Streubesitz. 41 Firmen gehören der Indus zu 100 Prozent, in fünf hält sie die Mehrheit.

„Seit 2012 haben wir neun Tochter- und 19 Enkeltochter-Unternehmen in die Holding geholt“, sagt der Vorstandschef. Der Börsenwert des Unternehmens habe damals bei 470 Millionen Euro gelegen. Fünf Jahre später seien es 1,5 Milliarden Euro. Nach Abromeits Angaben investiert die Indus jährlich 70 bis 80 Millionen Euro in ihre Töchter. „Weitere 50 bis 70 Millionen Euro stehen für Zukäufe bereit“, so der Manager. „Das sind jährlich 150 Millionen Euro für unsere Wachstumsstrategie.“

Übernahmekandidaten oft viel zu teuer

Doch wie andere Beteiligungsgesellschaften leidet auch die Indus über dem aktuell aufgeheizten Markt. „Es gibt eine Fülle von Unternehmen, die zum Kauf stehen“, sagt Abromeit. „Sie sind aber häufig viel zu teuer.“ Trotz des ausgerufenen Ziels, weiter zu wachsen, sei die Indus nicht bereit, jeden Preis zu zahlen. Der Vorstandschef: „Wenn wir eines haben, dann ist das Zeit.“

Zumal die Indus auch klare Erwartungen an ihre potenziellen Töchter hat. „Unser Ziel ist eine Ergebnis-Marge von zehn Prozent.“ Dafür haben die Beteiligungen nach Angaben des Indus-Chefs viele Freiheiten. „Mit unserem nur knapp 30-köpfigen Team in der Holding mischen wir uns nicht in das Tagesgeschäft ein“, sagt Abromeit. Es gebe auch keinen fest vereinbarten Gewinnabführungsvertrag mit den Töchtern. „Am Ende des Jahres fragen wir die Unternehmenschefs, wieviel Gewinn sie in der Lage sind, an die Holding auszuschütten.“

Diversifizierung schafft Risikoausgleich

Zuletzt hatte der Konzern ein operatives Ergebnis von 145 Millionen Euro eingefahren. Die Indus Holding AG erhielt davon rund 77 Millionen Euro Jahresüberschuss. 40 bis 50 Prozent des Bilanzgewinns schüttet die Holding in der Regel an die Aktionäre aus. Für 2016 konnten diese sich über eine Dividende von 1,35 Euro pro Aktie freuen. Bei all der „Dezentralität“, die in Bergisch-Gladbach gelebt wird, tritt die Holding dann auf den Plan, wenn es bei einer Tochter länger nicht gut läuft und das Unternehmen in Schieflage zu geraten droht. Im Sinne der Aktionäre sei es Aufgabe der Holding, für die künftige Richtung die „strategischen Weichen zu stellen“, wie es Abromeit nennt. „Durch unsere Diversifizierung schaffen wir im Portfolio einen gewissen Risikoausgleich“, betont der Indus-Chef.

Die fünf Branchen Bau/Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Medizin- und Gesundheitstechnik sowie Metalltechnik unterlägen unterschiedlichen Konjunkturzyklen.

Wachstumsmärkte China und USA

Kein Hehl macht Abromeit daraus, dass die Entwicklung hin zur Elektromobilität derzeit auch Unternehmen seiner Gruppe stark fordere. „Einige unserer Firmen liefern Komponenten für Verbrennungsmotoren. Dafür müssen wir Lösungen finden“, sagt er. Der Strukturwandel in der Antriebstechnik wird nach seiner Einschätzung auch mittelfristig Spuren bei der Indus hinterlassen. Seine Prognose: „Wir werden in anderen Segmenten stärker wachsen als in der Fahrzeugtechnik. Hier gilt es eher zu optimieren.“

Die Wachstumsmärkte sieht er in China und den USA. Beteiligungen, die dort Produktionsstätten haben oder planen, stehen für die Indus deshalb besonders im Fokus. An der bisherigen Philosophie will Jürgen Abromeit aber dennoch festhalten: „Zu uns kommen nur Unternehmen, die ihren Sitz in Deutschland oder in der Schweiz haben und von dort aus die Welt erobern.“

>>> 14 der 46 Unternehmen in NRW

14 der 46 Unternehmen unter dem Dach der Indus sitzen in NRW und im Ruhrgebiet. Dazu gehören der Edelstahl-Strahlmittel-Hersteller Vulkan Inox in Hattingen mit 54 Mitarbeitern, die Köster & Co. GmbH in Ennepetal mit 111 Mitarbeiten, die Kaltumformteile und Bolzenschweißtechnik herstellt sowie der Autozulieferer Fichthorn aus Schwelm mit 54 Beschäftigten.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik