Seereisen

Corona-Krise: Kann man schon wieder eine Kreuzfahrt buchen?

Coronatests für Reisende aus Risikoländern sind nun Pflicht

Wer aus Corona-Risikogebieten nach Deutschland kommt, muss sich jetzt bei der Einreise auf das neuartige Virus testen lassen. Eine entsprechende Verordnung stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kürzlich in Berlin vor.

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Hamburg.  Trotz vieler Rückschläge wollen die Reedereien ihre Schiffe nach dem Corona-Shutdown wieder in Fahrt bringen. Doch es gibt erhebliche Risiken.

Das Coronavirus hat die Kreuzfahrtbranche schwer getroffen. Sie musste ihr Geschäft auf null zurückfahren. Crews wurden nach Hause geschickt, Schiffe stillgelegt. Nach jahrelanger Expansion mit hohen Gewinnen machten die Unternehmen Verluste. Jetzt wollen sie langsam wieder in Fahrt kommen.

Doch der Neustart war alles andere als erfolgreich – und die drohende zweite Welle lässt die Reedereien bangen. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation.

Welche Kreuzfahrten gibt es derzeit?

Die Lage ist sehr unübersichtlich und ändert sich täglich. Der amerikanische Kreuzfahrtanbieter Crystal Cruises hat seine Saison komplett ins kommende Jahr verschoben. Die für die französische Reederei Ponant fahrende „Paul Gauguin“ musste nach der Erkrankung eines Gasts an Corona ihre Rundfahrt durch Französisch Polynesien absagen.

Nach dem Corona-Ausbruch auf der „Roald Amundsen“ hat die norwegische Reederei Hurtigruten alle ihre Expeditionsreisen mit diesem Schiff sowie auf der „Fridtjof Nansen“ und der „Spitsbergen“ vorerst wieder eingestellt. Nur der Liniendienst der Postschiffe an der norwegischen Küste ist weiterhin in Betrieb.

Die deutschen Anbieter nehmen ihre Kurzkreuzfahrten ohne Landgang vor. Deutschlands größter Anbieter, Aida Cruises, rechnet nach der Verschiebung der ersten Reisen damit, am 6. September mit einer Kurzreisen ab Kiel zu starten.

Hapag-Lloyd Cruises bietet Kurzreisen mit einer Länge von fünf bis acht Tagen ab Hamburg und ohne Landgang mit dem Luxusschiff „Europa 2“ sowie dem Expeditionsschiff „Hanseatic inspiration“ an. Die Routen führen in die Dänische Südsee und die Schärengärten Skandinaviens.

Bei Tui Cruises heißen die Kurzkreuzfahrten „Blaue Reisen“., auf dem Programm stehen Fahrten ab Deutschland in die norwegischen Fjorde – ohne Hafenanläufe. Eine Kreuzfahrt mit Tui Cruises kann zudem künftig nur antreten, wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann. Die Regelung gelte ab September und betreffe alle Abfahrten der Mein-Schiff-Flotte, teilte Tui Cruises mit. TUI-Deutschlandchef Marek Andryszak hat zudem eine Corona-Garantie zugesagt – und Partyurlaube gestrichen.

Was kosten die Kreuzfahrten?

Alle Anbieter sagen, dass sich an der Preisstruktur nichts geändert hat. Es gibt also keine Abschläge. Kurzreisen ab Kiel für drei Tage sind bei Aida ab 798 Euro pro Person buchbar.

Die 7-tägige Reise ab Hamburg oder Kiel ohne Anreise kostet inklusive allem bei Tui Cruises bei Doppelbelegung pro Person ab 1179 Euro in der Balkonkabine. Beim luxuriösen Anbieter Hapag-Lloyd Cruises dauern die Kurzreisen fünf Tage und sind ab 2490 Euro zu haben.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es an Bord?

Alle Anbieter folgen einem Hygienekonzept, das mit den Behörden abgestimmt ist. Wichtigste Maßnahme: Die Kabinenkapazitäten dürfen maximal zu 60 Prozent ausgelastet werden.

Dazu kommen ein verringertes Spa- und Entertainmentangebot, häufige Händedesinfektion sowie eine tägliche Temperaturmessung für jeden Passagier. In Fahrstühlen und an engen Stellen sind Masken zu tragen. Es gibt keine Selbstbedienung in den Restaurants, Essen wird an den Tisch gebracht. Corona-Tests vor Fahrtantritt sind derzeit mit Ausnahme von Tui Cruises nur für das Bordpersonal verpflichtend.

Warum ist der Start bei vielen Reedereien dennoch misslungen?

Aida Cruises fehlte die Freigabe durch den Flaggenstaat Italien. Tui Cruises, dessen Mutterkonzern gerade erst weitere Milliardenhilfe vom Staat erhalten hat, musste eine Reise Ende Juli verschieben, weil die Crew nicht rechtzeitig an Bord war. Zudem hatten beide Reedereien bei einigen Mitarbeitern das Virus festgestellt, bevor sie an Bord kamen.

Schlimmer war die Lage bei Hurtigruten. Bei dem Corona-Ausbruch auf der „Roald Amundsen“ hatten sich Crewmitglieder und Passagiere angesteckt. Norwegische Behörden ermitteln, ob die Reederei gegen Hygieneauflagen verstoßen hat.

Soll man Kreuzfahrten überhaupt noch antreten?

Die Empfehlung des Auswärtigen Amtes dazu ist auf den ersten Blick eindeutig. „Von der Teilnahme an Kreuzfahrten wird aufgrund der besonderen Risiken dringend abgeraten“, schreibt das Ministerium auf seiner Webseite in der Covid-19-Reisewarnung.

Allerdings folgen direkt in Anschluss an diese strikte Vorgabe Einschränkungen. Ausgenommen von dieser Reisewarnung seien Flusskreuzfahrten, die innerhalb der Europäischen Union beziehungsweise des Schengen-Raumes mit spezifischen Hygienekonzepten veranstaltet werden.

Auch für Touren auf hoher See gibt es eine Aufweichung der Empfehlung. So seien ebenfalls ausgenommen „Kreuzfahrten auf Schiffen mit spezifischen Hygienekonzepten, deren Reise in einem Hafen in Deutschland beginnt und ohne ein Anlegen in einem ausländischen Hafen wieder in einem Hafen in Deutschland endet“, so das Auswärtige Amt.

Was sagt die Branche zu den Pannen beim Neustart?

Die Kreuzfahrtanbieter wollen von einem Fehlstart nichts wissen. „Man muss die Gründe für die einzelnen Absagen sehr genau differenzieren“, sagt Helge Grammerstorf, deutscher Geschäftsführer des internationalen Kreuzfahrtverbands Clia.

Normalerweise liefen die operativen Vorbereitungen für die Seereisen routiniert ab. „Jetzt muss die Branche von Null auf zehn, dann auf 20 Prozent, Schritt für Schritt in den Normalbetrieb zurückfinden. Da müssen unendlich viele Puzzleteile zusammenkommen. Wenn ein Mosaikteil fehlt, weil beispielsweise Flugzeuge für die Crew nicht rechtzeitig ankommen oder eine allerletzte behördliche Freigabe noch aussteht, ist das bedauerlich, aber es kann vorkommen“, so Grammerstorf.

Es stehe aber fest, dass die Präventions- und Hygieneregeln funktionierten. „Probleme gibt es, wenn man sich nicht daran hält“, sagt Grammerstorf mit Blick auf Hurtigruten.

Wie ist die Rechtslage für Kunden, wenn eine Reise gestrichen wird?

„Wenn sie ausfällt, weil der Reiseveranstalter die Reise absagt, bekommt man sein Geld zurück“, sagt Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Innerhalb von 14 Tagen müsse das Unternehmen das Geld überweisen.

Man könne sich freiwillig auf einen Gutschein oder einen Nachlass bei der Buchung einer neuen Reise einlassen, müsse es aber nicht. Schwierig ist die Lage, wenn man selbst den Törn nicht mehr antreten möchte, zum Beispiel weil man sich in dem Umfeld nicht mehr wohl fühle. „Dann wird eine Absage wohl nur mit Stornokosten gehen“, sagt Rehberg.

Wie hoch die Stornokosten sind, stehe in den Reiseunterlagen. Grundsätzlich gelte, je kurzfristiger die Reise abgesagt werde, desto höher fallen die Stornokosten aus. Die Stornierung sollte per Fax vorab an den Veranstalter und anschließend per Einschreiben zugestellt werden, damit die Verbraucher einen Nachweis haben. Bei Aida kann mit Abfahrtsdatum bis 31. Oktober bis drei Tage vor Reisebeginn kostenfrei umgebucht werden.

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