Auto-Produktionsstopp

Corona-Krise: Bei Thyssenkrupp rückt Kurzarbeit näher

Die Corona-Krise verschärft die Krise bei Thyssenkrupp: Der Produktionsstopp der Autobauer trifft den Stahlproduzenten hart.

Die Corona-Krise verschärft die Krise bei Thyssenkrupp: Der Produktionsstopp der Autobauer trifft den Stahlproduzenten hart.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Essen.  Der Produktionsstopp von Autokonzernen wie VW trifft Thyssenkrupp hart. Der Stahlkonzern bereitet die Beschäftigten auf Kurzarbeit vor.

Die Corona-Krise trifft den Essener Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssenkrupp mit voller Wucht. Ob bei Volkswagen, Daimler, Ford und Opel – in Deutschlands Autofabriken stehen die Bänder still, wie lange genau, lässt sich noch nicht absehen. Dass die wichtigsten Abnehmer der Stahlwerke ihre Produktion stoppen, erhöht den Druck auf den ohnehin angeschlagenen Revierkonzern massiv.

„Sollte es zu massiven Rückgängen bei den Kundenabrufen kommen und unsere Auftragslage sich erheblich verschlechtern, lässt sich Kurzarbeit nicht ausschließen“, heißt es in einem Schreiben des Thyssenkrupp-Vorstands um Konzernchefin Martina Merz an die Mitarbeiter.

Insbesondere die nordrhein-westfälischen Stahlstandorte, darunter die Hochöfen in Duisburg, sind auf die Nachfrage von Branchenriesen wie Volkswagen angewiesen. In dem Mitarbeiter-Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, verweist die Thyssenkrupp-Führung darauf, dass die Bundesregierung bereits reagiert und die bestehenden gesetzlichen Regelungen für Kurzarbeit erleichtert habe, „damit Jobverluste vermieden werden können“. Ziel von Thyssenkrupp sei, so viele Mitarbeitende wie möglich an Bord zu halten, „um nach der Krise umgehend den Betrieb wieder aufnehmen zu können“. In der Finanzkrise 2008 habe es gute Erfahrungen mit diesem Instrument gegeben, wird bei Thyssenkrupp betont.

Personalvorstand Burkhard meldet sich via Twitter

Personalvorstand Oliver Burkhard bereitet die Thyssenkrupp-Beschäftigten via Kurznachrichtendienst Twitter auf Kurzarbeit vor, ebenfalls mit der Formulierung, diese sei „nicht mehr auszuschließen“. Im Gespräch mit unserer Redaktion betont Burkhard: „Wir sichern Mensch und Geschäft bestmöglich ab. Wenn wir wieder durchstarten wollen nach der Krise, müssen wir wie 2008 besonnen bleiben und möglichst viele in Arbeit halten, selbst wenn sie uns in Teilen ausgeht.“ Es gelte, dafür alle Mittel zu nutzen – wie auch das Kurzarbeitergeld. „Alle reden ja von Konjunktur-Paketen, wir sollten über Transformations-Pakete ebenfalls sprechen. Jede Krise ist ja bekanntlich eine Chance.“

Die Produktionsstopps der Autobauer dürften nicht nur für die Stahlindustrie, sondern auch für Zulieferer aus den Branchen Maschinenbau und Chemie Folgen haben – ebenso wie für den Geldbeutel der Beschäftigten, wenn es zu Kurzarbeit kommt. Die IG Metall verlangt finanzielle Zuschüsse für die Arbeiter. „Andernfalls drohen den Produktionsbeschäftigten bei Kurzarbeit Verluste beim Nettoentgelt bis zu 40 Prozent“, sagt Gewerkschaftschef Jörg Hofmann.

Im Moment läuft die Produktion in den Stahlwerken von Thyssenkrupp noch normal, doch das könnte sich rasch ändern, wenn die Autobauer das Material nicht mehr abnehmen. In Branchenkreisen heißt es, dass die Verträge den Autobauern zeitliche Flexibilität beim Abruf der Stahlmengen ermöglichen. Damit verbunden sei, dass Thyssenkrupp angesichts der Corona-Krise womöglich erst mit Verzögerung Geld erhält.

Thyssenkrupp-Mitarbeiter in Duisburg und Bochum infiziert

„Die sich wegen der Coronakrise aktuell abzeichnenden Stillstände bei fast allen europäischen Automobilproduzenten stellen auch deren Partner und Lieferanten vor große und nur schwer absehbare Herausforderungen“, erklärt ein Sprecher der Stahlsparte von Thyssenkrupp auf Anfrage. „Wir werden die Lage in den nächsten Tagen intensiv analysieren, um abzuschätzen, ob und in welchem Ausmaß auch wir unsere Produktion anpassen müssen.“

An den Thyssenkrupp-Stahlstandorten Duisburg und Bochum gibt es mittlerweile jeweils einen Mitarbeiter, der sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Die Produktion sei dadurch aber nicht eingeschränkt, so das Unternehmen.

IG Metall muss auf Kundgebungen verzichten

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl betont, für die Unternehmen habe die Eindämmung der Corona-Pandemie aktuell höchste Priorität. Gleichzeitig gehe es darum, die Lieferketten soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. „Die Stahlindustrie befand sich bereits vor der aktuellen Krise in einer konjunkturell äußerst herausfordernden Situation, die sich nun mutmaßlich deutlich verschärfen wird“, sagt der Branchenverband voraus.

Bei Thyssenkrupp laufen bereits Gespräche des Managements mit Arbeitnehmervertretern dazu, wie es in der Stahlsparte weitergehen soll. Schon seit einigen Wochen gibt es Verhandlungen für einen Tarifvertrag zur Sanierung der Stahlwerke. Ursprünglich hatte die IG Metall Betriebsversammlungen und Kundgebungen geplant. Diese sind jedoch angesichts der Infektionsrisiken nicht mehr möglich.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben