Energiekonzerne

Chefs von Eon und RWE: „Die Preise werden nicht steigen“

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Essen  Eon-Chef Teyssen und RWE-Lenker Schmitz im Interview über die geplante Neuaufteilung der Energiegeschäfte und Folgen für die Kunden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vor nicht einmal zwei Wochen haben die beiden deutschen Energiekonzerne Eon und RWE bekannt gegeben, Geschäftsbereiche zu tauschen und die RWE-Tochter Innogy untereinander aufzuteilen. Im ersten gemeinsamen Interview erklären die Konzernchefs Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz die Hintergründe.

Herr Schmitz, Herr Teyssen, Sie ordnen die Reiche von RWE und Eon neu. Ist das ein historischer Pakt der beiden größten deutschen Energieversorger?

Johannes Teyssen: Ich würde nicht von einem Pakt sprechen. Wir schließen uns ja nicht zusammen. Wir haben kein Wettbewerbsverbot vereinbart und bleiben damit Konkurrenten.

Rolf Martin Schmitz: Wir haben unsere Geschäftsbereiche neu aufgeteilt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sie wollen die RWE-Tochter Innogy zerschlagen. Eon bekommt den Vertrieb und die Energienetze, RWE konzentriert sich auf die Stromerzeugung. Damit gibt es weniger Wettbewerb, was meist gleichbedeutend ist mit höheren Preisen. Warum sollte es diesmal anders sein?

Teyssen: Durch diese Transaktion werden die Preise nicht steigen. Das Netzgeschäft ist staatlich reguliert. Im Vertrieb hätten wir einen Marktanteil von 25 Prozent in Deutschland. Ein Monopol sieht anders aus. Es gibt einen scharfen Wettbewerb der Energieunternehmen. Viele Hundert Anbieter sind auf dem Markt. Kunden können mit einem Klick wechseln. Wir müssen also das beste Angebot machen. Auch mit Innogy werden wir bis zur Ziellinie um jeden Kunden kämpfen.

Schmitz: Für die Stromerzeugung gilt: Wir werden auf einen Schlag zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa. Damit steigt aber nicht unsere Marktmacht. Von einer Gefahr für den Wettbewerb kann daher keine Rede sein.

Innogy bleibt auf der Strecke. Können Sie nachvollziehen, dass sich viele Innogy-Beschäftigte verraten und verkauft fühlen?

Schmitz: Dass in einer solchen Situation eine Schockstarre entsteht, ist menschlich. Mir ist das übrigens auch nicht ganz leicht gefallen, ich habe schließlich lange mit vielen hervorragenden Kollegen dort zusammengearbeitet. Aber, für mich ist auch klar: Die Beschäftigten gehören zu den Gewinnern. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sie von der Neuaufstellung langfristig profitieren werden.

Teyssen: Es ist falsch zu sagen, dies sei ein Deal auf dem Rücken der Innogy-Beschäftigten. Die Potenziale für Verbesserungen und Einsparungen entstehen mit der Übernahme auf beiden Seiten, also werden die wegfallenden Stellen nicht nur bei Innogy abgebaut. Langfristig werden durch den Aufbau eines größeren, stärkeren Unternehmens mehr Arbeitsplätze entstehen.

Ihre Ankündigung, bis zu 5000 Stellen abzubauen, löst bei vielen Mitarbeitern Ängste aus. Gerade in den Konzernzentralen in Essen gibt es etliche Aufgaben, die doppelt erledigt werden. Fallen hier besonders viele Stellen weg?

Teyssen: Es geht nicht nur um die Konzernzentralen, sondern um die gesamte zukünftige Organisation, dazu gehören etwa die IT, der Vertrieb, auch der Netzbereich. Wenn wir Stellen abbauen müssen, gehen wir sozialverträglich vor.

Herr Schmitz, Sie haben Innogy erst vor anderthalb Jahre mit viel Aufwand abgespalten. Hätten Sie sich das im Nachhinein sparen können?

Schmitz: Auf gar keinen Fall – der Börsengang hat RWE 2,6 Milliarden Euro gebracht und Innogy rund zwei Milliarden Euro, die das Unternehmen dringend brauchte, um investieren zu können. Es ist auch aus heutiger Sicht viel besser, ein gestärktes Unternehmen zum Verkauf anbieten zu können.

Herr Teyssen, Sie sind die Erneuerbaren los, den grünen Ökostrom-Manager hat Ihnen ohnehin nicht jeder abgekauft. Haben Sie mit dem regulierten Netz und dem Vertrieb nun genau die Geschäftsbereiche, die Sie schon immer haben wollten?

Teyssen: (lächelt) Ich war, bin und bleibe ein großer Fan der Erneuerbaren. Die Eon bleibt ja auch im Geschäft, etwa mit Solarpanels oder Batterien zur Speicherung von Ökostrom. Dass ich nie wirklich grün gewesen sei und bald gar nicht mehr, ist Unfug. Zum Netzgeschäft: Es ist keineswegs so starr, wie viele glauben, sondern das sich am schnellsten wandelnde und wachsende Geschäft der neuen Energiewelt. Die Netze werden dezentral und digital, der Strom wird in beide Richtungen fließen, Nachbarn ihren selbst erzeugten Strom tauschen. Uns wird sicher nicht langweilig.

Eon hat das als Uniper abgespaltene Kraftwerksgeschäft gerade an die finnische Fortum verkauft. Werden Sie, Herr Schmitz, bald bei den Finnen vorstellig, um Ihr Kraftwerksgeschäft auszubauen?

Schmitz: Wir reden mit vielen.

War der Verkauf von Uniper an Fortum die Voraussetzung für den Deal mit RWE?

Teyssen: Ich habe schon im Kindergarten immer überlegt, in welcher Reihenfolge man die Bauklötzchen am besten stapelt. Aber ernsthaft: Es ist immer klug, sich rechtzeitig auf alle Optionen vorzubereiten.

Noch-Konkurrent RWE wird Ihr größter Aktionär. Ist Ihnen dabei wohl?

Teyssen: Das war ein legitimer Wunsch von Rolf Martin Schmitz, an Eon beteiligt zu werden. Grundsätzlich habe ich alle unsere Aktionäre gleich gern, meine Mutter hat immer gesagt: Willst du in das Himmelreich, behandle deine Kinder und Eltern gleich.

Schmitz: (lacht) Aber wer will als Konzernchef schon ins Himmelreich, da kennt man ja keinen.

Teyssen: (lacht) Na ja. Ich habe den Wunsch zur Beteiligung an Eon aber auch so verstanden, dass RWE großes Potenzial in uns sieht.

Schmitz: Allerdings. Unsere Finanzbeteiligung ist aber nicht für die Ewigkeit gedacht. Nur müssten wir erst einmal bessere Investments finden als Eon, bevor es Sinn machen würde, die Aktien wieder zu verkaufen.

Eine Aufstockung des Anteils ist ausgeschlossen?

Teyssen: Ja, das haben wir so verabredet.

Schmitz: Wir wollen ja nicht als reiner Finanzinvestor agieren, sondern als operatives Unternehmen.

Dies ist also nicht der erste Schritt auf dem Weg zur Großfusion von RWE und Eon?

Schmitz: Nein, es gibt keinerlei Überlegungen in Richtung Fusion. Das wäre auch nicht klug, denn die Wertschöpfungskette im Energiemarkt gibt es so nicht mehr. Man hat keine Vorteile mehr, wenn man alles gleichzeitig bedient.

Teyssen: Das ist absolut richtig und gilt für Eon ebenso. Das Gerede von einer Fusion hat eher was von Monopoly oder Malen nach Zahlen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben