Klimacamp

Kohle-Protest: Polizeiwagen am Tagebau Hambach beschossen

Am Freitag hatten die Umweltaktivisten im rheinischen Braunkohlerevier unter anderem Bahngleise zu den Braunkohlekraftwerken besetzt.

Am Freitag hatten die Umweltaktivisten im rheinischen Braunkohlerevier unter anderem Bahngleise zu den Braunkohlekraftwerken besetzt.

Foto: Oliver Berg/dpa

Kerpen.  Ein Mannschaftswagen der Polizei ist am Tagebau Hambach mit Schleudern und Feuerwerkskörpern beschossen worden. Verletzt wurde niemand.

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Vier Wochen vor der Bundestagswahl haben große Umweltverbände und rund 3000 Bürger am Samstag mit einer Menschenkette den Kohleausstieg in Deutschland gefordert. Am rheinischen Tagebau Hambach formierten sich die in Rot gekleideten Teilnehmer zu einer zwei Kilometer langen roten Linie, um dem Energiekonzern RWE zu signalisieren: "Bis hierher und nicht weiter". Nordrhein-Westfalen dürfe höchstens ein Viertel der vorgesehenen Kohle-Mengen abbauen, damit Deutschland seine Klimaschutzziele einhalten könne, sagte der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz, Hubert Weiger.

RWE drosselte wegen Blockaden die Kraftwerks-Leistung

An der Menschenkette nahmen auch die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und die Parteivorsitzende Simone Peter teil. Neben dem BUND hatten Greenpeace und die Umwelt-Allianz Deutschland zu der Aktion aufgerufen."Wir haben mit der Bundesregierung die Erfahrung gemacht, dass der Einstieg in den Kohleausstieg nicht möglich wird", kritisierte Weiger. Der Kohleausstieg müsse ganz oben auf der Agenda der nächsten Bundesregierung stehen.

Die Menschenkette ist eine von vielen Protestaktionen unterschiedlichster Gruppen. Diese sollen bis Dienstag dauern. Am Freitag hatten Aktivisten den Tagebaubetrieb mit einzelnen Aktionen gestört. Wegen der Blockaden von Umweltaktivisten hatte der RWE-Konzern in einem Kraftwerk die Leistung vorübergehend gedrosselt.

Umweltschützer fordern Erhalt des alten Hambacher Forsts

In der Nacht zu Samstag war dann ein Mannschaftswagen der Polizei mit Schleudern und Feuerwerkskörpern beschossen worden. Nach Polizeiangaben blieb es bei Sachschaden, Menschen wurden nicht verletzt. Der Angriff von Unbekannten erfolgte am frühen Samstagmorgen - kurz nach Mitternacht - aus dem Hambacher Wald heraus, wie ein Polizeisprecher sagte. Auch am Samstagmorgen gingen Blockaden an anderen Stellen weiter. Die Polizei löste die Blockade einer Kohlebahn auf. Demonstranten hatten sich an den Gleisen festgekettet. Mittags meldete die Polizei zwei Blockaden.

Es sei "abscheulich", dass am Tagebau Hambach Einsatzwagen der Polizei mit Schleudern und Feuerwerkskörpern beschossen worden seinen, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei. "Da saßen Menschen drinnen." Es sei niemand verletzt worden. Ein Polizeifahrzeug wurde beschädigt. Man habe auch sogenannte Krähenfüße, mit denen die Reifen der Mannschaftwagen aufgeschlitzt werden sollten, gefunden - rechtzeitig.

In der Vergangenheit war es im Konflikt um den alten Hambacher Wald immer wieder zu Angriffen auf Beschäftigte des Energiekonzerns RWE und auf Polizeibeamte gekommen. Der nach Einschätzung von Umweltschützern uralte und schützenswerte Wald wird für den Braunkohletagebau Hambach seit Jahren Stück für Stück abgeholzt.

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