Bergbau

Der letzte Tag der Offenen Tür auf Prosper-Haniel

Ist der Helm groß! Samuel richtet seine Grubenlampe neu aus auf der „Kinderministrecke“.

Foto: Ralf Rottmann

Ist der Helm groß! Samuel richtet seine Grubenlampe neu aus auf der „Kinderministrecke“.

Bottrop.  Auf Prosper-Haniel Schacht 10 nimmt der Bergbau Abschied. Manche kommen wegen der Torwand, andere wollen sich erinnern an ihre Jahre im Bergbau.

Und wenn jetzt bald die Welt stillsteht, geht es für diese beiden erst richtig los. „Wenn hier Feierabend ist, fangen wir erst an“, sagt Lars van den Berg, und Max Seseke nickt dazu. Beim Tag der Offenen Tür auf Schacht 10 von „Prosper-Haniel“ in Bottrop vertreten die beiden jungen Männer, ein Kaufmann und ein Kfz-Mechatroniker, den „Förderverein Bergbauhistorischer Stätten“ aus Dortmund.

Und werden sich aus traurigem Anlass noch mehr dafür einsetzen, dass „das alles in Erinnerung bleibt“: der Abbau, der Zusammenhalt. Sie hatten nie mit Zeche zu tun, buttern dennoch jeden Samstag mit den anderen im Verein und sagen über ihr Engagement: „Das ist schon kein Hobby mehr, man lebt das.“

„Sie sollen mal sehen, wie das war“

Dies ist der definitiv letzte Tag der Offenen Tür einer Steinkohlenzeche im Ruhrgebiet. Was soll man da sagen? Nun: Schacht 10, schwarz vor Menschen.

Wesel und Wanne stehen auf dem Parkplatz, Recklinghausen, Dortmund, Hamm, Bottrop natürlich, Wattenscheid . . . Auf dem Werksgelände klaubt Wilfried Hubrich („Ich hab’ drei Kokereien gehabt, alle zu“) gerade aus einem Drahtkorb Kohle für seine Enkel. „Sie sollen mal sehen, wie das war“, sagt der 61-Jährige aus Gelsenkirchen: „Die kommt in den Keller, da habe ich noch mehr Kohle.“

Viele solcher Körbe stehen auf dem Gelände, „Kohlebrocken zum Mitnehmen“ steht darauf, und am Nachmittag sind sie praktisch leer. Zu diesem Zeitpunkt hat auch der Pavillon „Grubenlampen. Ein Stück für fünf Euro“ längst geschlossen. Lange vor der Zeit. Lampen sind alle.

2000 angemeldete Gäste zu Grubenfahrten

Na ja, es geht ja auch das Licht aus. „Als ich 1989 angefangen habe, dachte man, das ist nicht endlich“, sagt der Steiger Andreas Schreiter (46): „Und jetzt ist bald alles vorbei.“ Schreiter („Wie: Wenn er fällt, dann schreit er“) gehört zu denen, die an diesem Tag 2000 gesondert angemeldete Besucher auf kurze Grubenfahrten begleiten. Feste Schuhe bringen die Gäste mit, Helme kriegen sie.

Wie schnell fahren wir, fragen die Leute dann immer unterwegs. Wie viele arbeiten hier noch? Wie tief sind wir? Unten dann: Ist alles so groß und so hell. „Ich bin froh, dass ich das als Ruhrgebietskind noch gemacht habe“, sagt Bernhard Neumann aus Mülheim hinterher: „Das ist so eine Identifikationssache.“

Schildausbau und Fordermaschine

Tag der Offenen Tür trifft Bergbau. In der Nähe der Hüpfburg steht „Warenanlieferung Mannschaftskaue“ auf einem Schild, nicht weit von der Torwand steht „20-Meter-Schachtbereich“ und in der Nähe vom Kinderschminken „Nutz’ den Handlauf“.

Natürlich gibt es die, die nur wegen der Bimmelbahn gekommen sind oder der Zaubershow – warum denn auch nicht? Dann die, die sich Bagger erklären lassen, die den Schildausbau und die Fördermaschine interessant finden. Und dann Menschen, die früher schon mal hier waren.

„Früher bist du auf der anderen Seite reingefahren“, erklärt Martin Weiss seinem Sohn am Eingang. Weiss hat hier von 1987 an gelernt, war bis 1992 unter Tage, ist heute Ingenieur bei Eon. „Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, mal eine Schippe in der Hand gehabt zu haben“, sagt der Mann aus Bottrop.

„Zusammengehörigkeit und Sozialkompetenz“

Und fängt plötzlich an, zu schwärmen von „Zusammengehörigkeit und Sozialkompetenz. Heute vermisst man das bei dem einen oder anderen.“ Sein elfjähriger Sohn Felix hat ihn heute schon mit 1000 Bergbau-Fragen gelöchert, mit dem Jungen endet die Unter-Tage-Tradition von drei Generationen der Familie Weiss. Nun, das Kind will Feuerwehrmann werden – um Sozialkompetenz muss man sich da vermutlich nicht sorgen.

Und dann sind da noch die Ehemaligen. Bergrentner, sie unterhalten sich natürlich von früher. „Den Michael Meier habe ich vorhin gesehen“, sagen sie dann. Oder sie sagen: „Der Heinz Kalthoff, kanntest du den auch noch?“ Irgendwann ist dann alles gesagt. Man schüttelt einander die Hand. Wiedersehen ungewiss. Und der einzige angemessene Wunsch an so einem Tag ist doch: „Bleib’ senkrecht!“

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