Zins-Vergleich

Beim Tagesgeld ist nur der Neukunde König

Auf Tagesgeldkonten erhalten Anleger kaum noch Zinsen.

Auf Tagesgeldkonten erhalten Anleger kaum noch Zinsen.

Foto: Imago

Essen.  Die Tagesgeldzinsen sinken weiter, viele Banken zahlen gar nichts mehr. Wer wechselt, kann Begrüßungsangebote nutzen.

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Die Preise insbesondere für Lebensmittel steigen wieder spürbar, die allgemeine Inflationsrate nähert sich ihrer von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgegebenen Norm von 2,0 Prozent. Weil die EZB trotzdem bei ihrer Nullzinspolitik bleibt, die Geldschleusen also weiter öffnet anstatt sie mit höheren Zinsen zu schließen, verlieren die Einlagen der Sparer derzeit mehr an Wert als zuvor. In potenziell lohnendere, aber auch riskantere Anlageformen, etwa Aktien, zieht das die Massen aber nicht. Die Bundesbürger parken rund 550 Milliarden Euro auf Tagesgeldkonten – so viel wie nie. Obwohl Banken und Sparkassen immer weniger Zinsen zahlen. „Aktuell ist beim Zinssatz für Tagesgeld die Null vor und nach dem Komma bei vielen Anbietern üblich“, sagt der Finanzexperte Udo Keßler und belegt es in seiner jüngsten Auswertung für diese Zeitung.

Nur Mikrozinsen für Stammkunden

Stammkunden erhalten derzeit nur Mikrozinsen: Mehr als 0,24 Prozent sind selbst bei den drei Top-Anbietern der vergangenen zwölf Monate nicht drin. Der Düsseldorfer Geldexperte untersuchte die durchschnittlichen Konditionen von 28 überregionalen Instituten, Direktbanken sowie von Sparkassen und Volksbanken für die Zeit von Anfang November 2016 bis Ende Oktober 2017.

Weil es dennoch nennenswerte Unterschiede und Neukunden-Angebote gibt, kann sich ein Wechsel trotzdem lohnen. Aktuell winken Aktionszinsen bis 1,0 Prozent für ein halbes Jahr, mit der Anleger ihre jährliche Durchschnitts-Verzinsung kräftig erhöhen können.

Testsieger sind Direktbanken

Die drei Testsieger im Ein-Jahres-Vergleich sind Direktbanken, die keine oder kaum Filialen und deshalb deutlich niedrigere Kosten haben. Den höchsten durchschnittlichen Zinssatz vergütete die ING-DiBa mit 0,24 Prozent, einen Tick weniger die Volkswagen Bank mit 0,23 Prozent und die 1822direkt mit 0,22 Prozent. Die beste Filialbank im Test, die Santander Consumer Bank mit 16 Zweigstellen im Ruhrgebiet und vier in Düsseldorf, schrieb auf ihrem Geld-Management-Konto 0,18 Prozent gut. Das reicht für Rang vier, gefolgt von der PSD Bank Rhein-Ruhr mit Filialen in Essen, Dortmund und Düsseldorf mit 0,16 Prozent.

Da auf Tagesgeldkonten laut einer Bankenumfrage der FMH-Finanzberatung im Schnitt 18 800 Euro geparkt werden, konnte der durchschnittliche Sparer beim Testsieger binnen zwölf Monaten vereinfacht gerechnet 45,12 Euro Zinsen kassieren. Das ist das 24-Fache dessen, was die Sparkasse Essen, die Postbank und Targobank zahlten: 1,88 Euro. Womit sie freilich nicht einmal hinten liegen. Bei der Sparkasse Düsseldorf, Commerzbank und sieben weiteren Häusern wird das Guthaben schon lange gar nicht mehr verzinst.

Dieser Abwärtstrend setzt sich fort. In den vergangenen Wochen sind die Zinssätze fürs Tagesgeld oft weiter gefallen, wie ein Vergleich der aktuellen Konditionen mit dem Durchschnittszins der letzten zwölf Monate zeigt (Tabelle). Daran dürfte sich laut Keßler auch 2018 wenig ändern, weil die EZB von deutschen Geldhäusern Jahr für Jahr Strafzinsen in dreistelliger Millionenhöhe verlangt, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Lukrative Begrüßungsangebote

Trotzdem bemühen sich drei Geldhäuser mit lukrativen Begrüßungszinsen für Beträge bis 50 000 Euro um Neukunden. So vergütet die Volkswagen Bank vier Monate lang garantiert 0,40 Prozent – doppelt so viel wie ihren Stammkunden. Testsieger ING-DiBa schreibt ebenfalls vier Monate lang das Siebeneinhalbfache des aktuellen Zinssatzes gut – 0,75 Prozent. Und die Consorsbank zahlt für ein halbes Jahr glatt ein Prozent – das 20-fache der derzeitigen Standardkondition von 0,05 Prozent.

Wichtig zu wissen: Mit dem Begriff Neukunden nehmen es manche Direktbanken nicht so genau – zum Vorteil der Geldparker. So kann auch ein Ex-Kunde der Consorsbank ganz offiziell den Begrüßungszins ein weiteres Mal kassieren, wenn er dort sein Konto oder Depot vor mehr als einem halben Jahr aufgelöst hat. Ähnliches gilt bei der ING-DiBa. Hier müssen zwischen Kontoauflösung und Neuantrag zwölf Monate liegen.

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