Krise, welche Krise? Deutsche Arbeitnehmer blicken trotz Zollstreit, Wachstumsschwäche und mauen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen positiver als im vergangenen Jahr auf den eigenen Job. Viele halten ihn für sicher oder glauben, bei Arbeitsplatzverlust schnell eine gleichwertige Stelle finden zu können. Der Befund ist etwas überraschend, sagt man den Deutschen doch nicht gerade nach, traumwandlerische Optimisten zu sein. Aber vielleicht braucht man in diesen Zeiten Zuversicht.
Deutschland droht das dritte Rezessionsjahr in Folge. Mit der Auto- und Stahlindustrie stehen einstige Pfeiler der deutschen Wirtschaft infrage. Einige fragen sich sogar, ob die Industrie in diesem Land noch eine Zukunft hat. Und auch der Mittelstand ist geplagt von Unzulänglichkeiten des Standorts wie überbordender Bürokratie und hohen Energiekosten.
Jobs in Deutschland: Traurige Marke in Reichweite
Und auch wenn die Deutschen die Krise nicht auf ihren eigenen Arbeitsplatz beziehen – die allgemein schwierige Lage, auch auf dem Arbeitsmarkt, ist bei vielen angekommen. Befragte nehmen vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit wahr. Drei Millionen Menschen ohne Job – diese traurige Zahl ist erstmals seit zehn Jahren in Reichweite.
Es ist also höchste Zeit für Antworten. Die Politik muss jetzt sagen, wie sie den Standort Deutschland wieder so wettbewerbsfähig machen will, dass Unternehmen guten Gewissens auch die Entscheidung treffen können, hier wieder Stellen aufzubauen. Dafür werden – auch für die Bürgerinnen und Bürger – unbequeme Debatten geführt werden müssen, zum Beispiel zur Rente, zum Bürgergeld sowie zur Kranken- und Pflegeversicherung. Geschieht hingegen zu wenig, könnte aus der gefühlt guten eine trügerische Wahrnehmung werden – und tatsächlich bald großflächige Entlassungen zur Realität werden.