Finanznot

Airport Paderborn im Anflug auf Insolvenz in Eigenverwaltung

Ein Baustelle jagt die nächste: Am Flughafen Paderborn wurde zu Beginn des Jahres für vier Millionen Euro das Vorfeld von Grund auf erneuert. Sinkende Fluggastzahlen haben aber für eine viel größere Baustelle gesorgt: Ein riesiges Loch in der Kasse des Betreibers.

Ein Baustelle jagt die nächste: Am Flughafen Paderborn wurde zu Beginn des Jahres für vier Millionen Euro das Vorfeld von Grund auf erneuert. Sinkende Fluggastzahlen haben aber für eine viel größere Baustelle gesorgt: Ein riesiges Loch in der Kasse des Betreibers.

Foto: Jens Helmecke / WP- Jens Helmecke

Büren-Ahden.  Der Flughafen Paderborn-Lippstadt steuert auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu und strebt eine Halbierung der Kapazität an.

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt gehört derzeit vermutlich zu den sicheren öffentlichen Orten. Über eine Lautsprecherdurchsage wird auf die Hygieneregeln in Corona-Zeiten hingewiesen. Auf Englisch und Deutsch. 1,5 Meter Abstand sind momentan am Verkehrsflughafen am östlichen Hellweg wirklich kein Problem – es herrscht seit Monaten ziemliche Ruhe. Kaum ein Flieger startet oder landet. Selbst in der Hochsaison, den NRW-Sommerferien, war das so. Am Airport Paderborn-Lippstadt geht es derzeit mehr um einen Insolvenz- als den Flugplan. Rund 100 der 170 Beschäftigten sollen ihren Job verlieren.

700.000 Euro Verlust pro Monat

„Wir machen nach wie vor 700.000 Euro Verlust pro Monat“, sagt Marc Cezanne, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, an der – noch – sechs Kreise, die Stadt Bielefeld und die IHK Bielefeld und Detmold in sehr unterschiedlicher Höhe beteiligt sind (siehe Infobox).

Die Allianz der Lüfte verfliegt. Der Kreis Gütersloh will am liebsten aussteigen. Der mit weitem Abstand größte Gesellschafter, der Kreis Paderborn, fordert Zusammenhalt. Aber selbst bis dato sicheren Partner wie der Hochsauerlandkreis geraten ins Zweifeln, ob die jährlichen Zuschüsse noch Sinn machen. Es geht hier schließlich um Steuergelder. „Wir werden die uns vorgelegten Modelle ganz genau betrachten“, sagt Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises. Die Entscheidung wird nicht mehr auf die lange Bank geschoben. Am Mittwoch tagt dazu im HSK der Ältestenrat. Am 4. September kommt das Thema Ausstieg auf die Tagesordnung des Kreistages. „Letztlich ist die Frage, welches Vertrauen habe ich in das Zukunftskonzept. Vertraue ich den Zahlen und der Geschäftsführung“, wirkt Landrat Schneider selbst unentschieden.

Dabei gehört der HSK mit Paderborn, Bielefeld und dem Kreis Höxter zu den vier Gesellschaftern, die für 2020 noch einmal einen erhöhten Zuschuss gezahlt haben, ohne den „der Flughafen schon insolvent gewesen wäre“, sagt Cezanne. Manager sehen in Krisen immer Chancen, jedenfalls müssen sie das wohl sagen. So sieht es auch Cezanne. Die Chance, Klarheit über die Zukunft des Flughafens zu bekommen, an dem manche Gesellschafter nicht erst seit Corona keinen Spaß mehr gehabt hätten. „Wir fänden es gut, wenn alle, die rausgehen wollen, die Chance haben auszusteigen. Aus Sicht des Unternehmens ist es unschädlich, ob sie nur einen Anteilseigner haben“, sagt Cezanne – und zählt mindestens zwei schon mal nicht mehr mit.

Ziel: Kapazität für 300.000 Gäste

Tatsächlich wäre es einfacher, wenn nicht bei jeder wichtigen Entscheidung sechs Kreistage und ein Rat plus zwei IHKs an Bord wären. Die Entscheidungen müssen jetzt schnell fallen. Bis Oktober habe man noch Liquidität – aber nicht mal bis zum Ende des Monats.

Der Plan lautet nun, über eine Insolvenz in Eigenverwaltung die Flughafengesellschaft personell deutlich so zu schrumpfen, dass es noch für eine Kapazität von bis zu 300.000 Passagieren reichen würde. Im schlechten vergangenen Jahr waren es nur noch knapp 700.000. 2020 ist bisher nicht der Rede wert.

In der jüngeren Vergangenheit hat der Flughafen immer mal wieder unter Pleiten von Airlines gelitten. Am stärksten ins Kontor geschlagen hat der Wegfall der Air-Berlin-Kapazitäten. Und irgendwie scheint man das Glück auch nicht gepachtet zu haben. Nachdem im Sommer gar nichts lief, kündigte Eurowings vor ein paar Tagen an, sieben Mal die Woche ab Paderborn zu den Balearen fliegen zu wollen. Ob daraus tatsächlich etwas wird, ist nach der Reisewarnung durch die Bundesregierung fraglich. Stand jetzt wisse man nichts Gegenteiliges, erklären die Flughafenbetreiber – aber aber natürlich auch nicht, ob es unter diesen Umständen Buchungen geben wird.

Es wirkt beinahe wie ein Blindflug ins Ungewisse. Für eine sichere Landung gilt ein bisschen das Prinzip Hoffnung. In dieser Woche werde die Geschäftsführung zunächst einmal mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandelt. Basis dafür ist die Annahme, dass eine Insolvenz in Eigenverwaltung vom Amtsgericht genehmigt wird. Bei den Kommunen hat man schon angefragt, ob sie freie Stellen für einige der rund 100 Betroffenen haben.

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