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Hochwasser in NRW: So lief der Laschet-Besuch in Swisttal

| Lesedauer: 21 Minuten
Hochwasserschäden gehen in die Milliarden

Hochwasserschäden gehen in die Milliarden

In der Hochwasserkatastrophe gehen die Schäden in die Milliarden. Die Versicherer weisen darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Hausbesitzer in Deutschland nicht gegen Naturgewalten wie Hochwasser abgesichert sind.

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Essen.   NRW-Ministerpräsident hat die vom Hochwasser getroffene Region in NRW besucht. Finanzminister Olaf Scholz reist am Dienstag an. Der Überblick.

  • Neben Rheinland-Pfalz war NRW besonders vom verheerenden Hochwasser getroffen: Mindestens 47 Menschen sind in Nordrhein-Westfalen infolge des Unwetters gestorben.
  • Das Land NRW will den betroffenen Menschen, Städten und Betrieben 200 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen. Sollte das Geld für die Hochwasser-Schäden nicht reichen, soll es laut NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) aufgestockt werden. Hier gibt es alle Informationen und die entsprechenende Formulare.

Montag, 16,19 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) macht sich nach der Hochwasserkatastrophe erneut selbst ein Bild von der aktuellen Lage - diesmal in Nordrhein-Westfalen. Der Vizekanzler besucht an diesem Dienstag zunächst die Kupferstadt Stolberg bei Aachen und anschließend Schleiden in der Eifel, wie das Finanzministerium sowie der Kreis Euskirchen am Montag mitteilten.

In Stolberg will sich Scholz demnach auch mit Unternehmern treffen, um über eine mögliche Unterstützung des Bundes zu besprechen. Scholz hatte vor mehr als einer Woche gesagt, ein in der Corona-Krise beschlossener Härtefallfonds könnte erweitert werden für Firmen, die von der Flutkatastrophe betroffen sind. Anschließend ist ein Rundgang durch die vom Hochwasser betroffenen Gebiete geplant. Danach will der SPD-Kanzlerkandidat die vom Hochwasser stark betroffene Stadt Schleiden besuchen.

Scholz hatte Mitte Juli wegen der Katastrophe seinen Urlaub unterbrochen und das stark betroffene Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz besucht. Wenige Tage später reiste er ins bayerische Hochwassergebiet und fuhr nach Schönau am Königssee. (dpa)

Montag, 15.16 Uhr: Bei einem Ortsbesuch im Hochwassergebiet von Swisttal im Rhein-Erft-Kreis ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schwer unter Beschuss geraten. Beim Gang des Unions-Kanzlerkandidaten durch die zerstörten Straßen entlud sich am Montag, zweieinhalb Wochen nach Beginn der Unwetterkatastrophe, der Ärger vieler Anwohner über fehlende Hilfe vor Ort.

Bislang habe er weder Hilfe von der Landesregierung noch von der örtlichen Verwaltung gesehen, klagte ein Mann. Stattdessen hätten junge Leute beim Aufräumen geholfen. Auch ein anderer Mann schimpfte über „riesengroße Versager“ und drohte - auch in Laschets Richtung: „Sie werden es bei der Wahl merken.“ Am 26. September ist Bundestagswahl.

Eine aufgebrachte Frau fragte den Ministerpräsidenten: „Haben Sie schon mal eine Woche im Schlamm gebuddelt?“ Und ein Mann beklagte eine Verunsicherung der Bevölkerung in der Unwetternacht durch falsche Warnungen vor einem angeblich bevorstehenden Bruch der Steinbachtalsperre über Facebook. Dies wäre zu verhindern gewesen, wenn die Gemeinde aktuelle Informationen auf ihrer Seite gehabt hätte, sagte er. Dies habe es aber nicht gegeben - auch keine Alarmierung.

Patrick Richelt, Vorstand eines Kindergartens in Swisttal-Heimerzheim, klagte: „Infrastruktur im Dorf haben wir nicht mehr. Alle kleinen Geschäfte, alle Familienunternehmen im Dorf - das ist alles abgesoffen. Wir haben keine Schule mehr.“ Laschet müsse jetzt konkrete Hilfe ankündigen. „Er muss. Wir müssen in die Pötte kommen. Nicht das übliche Genehmigungsverfahren von zig Monaten. Wir brauchen schnelle Lösungen“, sagte Richelt.

Laschet versicherte mehrfach, er sei vor Ort, um sich ein Bild zu machen und werde sich um Hilfe kümmern. (dpa)

Montag, 14.45 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat bei einem Besuch in der Flutkatastrophen-Region die Notwendigkeit zügiger Hilfen betont. „Wir brauchen schnelle Soforthilfe“, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Montag im Ortsteil Heimzerheim der Gemeinde Gemeinde Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis.

Er habe sich erkundigt, wie die Auszahlungen vor Ort liefen - entweder per Überweisung oder, wenn es nicht anders gehe, auch mit Bargeld. „Dann kommt die große Aufgabenstellung: der Wiederaufbau. Da werden Bund und Land zusammenarbeiten. Und da arbeiten wir auf Hochtouren, dass es bald Entscheidungen auf der Bundesebene gibt.“ (dpa)

Montag, 14.27 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich am Montag über die Auswirkungen der Flutkatastrophe im Ortsteil Odendorf der Gemeinde Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis informiert. Über eine Stunde und damit deutlich länger als geplant machte sich der Unions-Kanzlerkandidat ein Bild von den Schäden und sprach mit Helfern und Betroffenen.

Begleitet wurde er unter anderem von Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) und dem ehrenamtlichen Helfer Kai Imsande. Er berichtete Laschet, dass er seit Sonntagabend rund 250 Fragen von Bewohnern an den Ministerpräsidenten gesammelt habe. Laschet schrieb daraufhin eigenhändig seine Kontaktdaten auf ein Stück Papier und gab es dem Helfer.

Auf seinem Rundgang wurde Laschet auch in stark beschädigte Häuser geführt, deren Keller teilweise immer noch voller Schlamm und Schwemmholz sind. Die Ortschaft war nach der Hochwasserkatastrophe fünf Tage lang evakuiert und gesperrt.

An einer Versorgungstelle traf Laschet auf einen Imbissbetreiber, der in Tränen ausbrach. In wenigen Minuten sei seine Arbeit von vielen Jahren zunichte gemacht worden.

Auf dem Programm des Ministerpräsidenten standen am Montagnachmittag noch weitere Orte in der Katastrophenregion. (dpa)

Montag, 05.55 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) besucht am Montag zwei schwer von der Hochwasserkatastrophe getroffene Gemeinden. Am Mittag (12.30 Uhr) wird der NRW-Regierungschef in Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis erwartet, wie die Staatskanzlei mitteilte. Er wolle sich mit Betroffenen und freiwilligen Helfern austauschen. Zudem werde Laschet zu einer Schule gehen, an der er sich einen Eindruck von den Schäden machen wolle. Danach reist Laschet nach Schleiden im Kreis Euskirchen. Auf dem Programm stehen dort der Besuch einer Pappenfabrik und eines Kindergartens. Zudem wird der Ministerpräsident die Gedenkstätte Vogelsang besuchen und sich über das enorme Müllaufkommen nach der Unwetterkatastrophe informieren.

Samstag, 19.10 Uhr: Zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen soll am Sonntag eine vom Hochwasser schwer beschädigte Brücke gesprengt werden. Im Umkreis von rund einem Kilometer müssten alle Menschen ihre Gebäude für die Detonation um voraussichtlich 11.00 Uhr verlassen, teilten der Kreis Euskirchen und die Stadt Bad Münstereifel mit. Der Bereich dürfe ab 9.00 Uhr nicht mehr betreten werden. Betroffene rief der Kreis Euskirchen dazu auf, in der Zeit Sammelstellen auf einem Parkplatz-Gelände aufzusuchen.

Hochwasser in NRW: Alle Informationen im Überblick

Mittwoch, 21 Uhr: Laut Innenminister Herbert Reul (CDU) werden nach der Flut in NRW keine Menschen mehr vermisst. Zuletzt galten noch zwei Personen seit den schweren Überschwemmungen als verschwunden.

Mittwoch, 16:02 Uhr: Im stark vom Hochwasser betroffenen Erftstadt sind alle Ortsteile wieder ans Stromnetz angeschlossen. Allerdings haben die Bürgerinnen und Bürger nicht automatisch wieder Strom: Die meisten Hausanschlüsse seien noch nicht wieder aufgeschaltet und müssten erst von Fachfirmen kontrolliert werden.

Dienstag, 16.16 Uhr: In vielen Städten in Nordrhein-Westfalen hat die Auszahlung der Soforthilfen rund zwei Wochen nach der Hochwasserkatastrophe begonnen. Am Montag sei die erste Viertelmillion Euro für die Gemeinde Swisttal ausgezahlt worden, in Rheinbach sei bisher in etwa dieselbe Summe geflossen, teilten der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Rheinbach am Dienstag mit. Auch in Hagen haben die ersten Betroffenen Geld erhalten. „Bereits am Wochenende waren mehrere Hundert Mails bei der Stadtverwaltung eingegangen“, sagte eine Sprecherin. Vor dem Rathaus bildete sich am Morgen eine lange Schlange.

Dienstag, 13.19 Uhr: Auch fast zwei Wochen nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind noch Tausende Menschen im Westen Deutschlands ohne Strom. Bei Haushalten mit rund 5800 Menschen sei es bislang trotz aller Bemühungen noch nicht gelungen, die Hausanschlüsse wiederherzustellen, berichtete der Stromversorger Westenergie am Dienstag. Aber auch dort, wo die Stromanbindung bereits repariert sei, könnten Schäden in der Hausinstallation dazu führen, dass die Menschen in ihren Häusern weiterhin keinen Strom hätten. Unmittelbar nach dem Unwetter waren im Unwettergebiet Westenergie zufolge sogar rund 200.000 Menschen ohne Strom.

Hochwasser in NRW: massive Schäden auch an den Waldwegen

Montag, 14.25 Uhr: Durch den Starkregen sind in den südlichen und westlichen Landesteilen Nordrhein-Westfalens viele Waldwege nicht passierbar. Das Umweltministerium berichtete am Montag von deutlichen Schäden an Waldwegen und der forstlichen Infrastruktur in den vom Unwetter stark betroffenen Gebieten der Eifel, des Sauerlandes und des Bergischen Landes. Der Landesbetrieb Wald und Holz warnt auch für das Siegerland vor aufgeweichten und zum Teil weggespülten Wegen, tiefen Löchern sowie der Gefahr, dass Bäume umstürzen könnten.

Auch Wanderer, Reiter und Jogger müssten in den nächsten Wochen mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen, erklärte der Landesbetrieb. Die Schäden an der Infrastruktur im Forst behindern auch die Bekämpfung der Borkenkäfer. Das Land NRW stellt Kommunen und privaten Waldbesitzern in den betroffenen Regionen 2,4 Millionen Euro für die Instandsetzung der Infrastruktur in den Wäldern bereit.

Hochwasser in NRW: Bis zu 100 Bauernhöfe von Flut getroffen

Montag, 8.44 Uhr: Die Landwirtschaftskammer hat zahlreiche Bauernhöfe ermittelt, die im Hochwasser mit ihren Feldern komplett unter Wasser waren. Nach einer ersten Auswertung von Satellitenbildern seien etwa 75 bis 100 Höfe derart gravierend betroffen gewesen, berichtete die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Auswertung sei aber noch nicht abgeschlossen.

„Die direkte Kontaktaufnahme ist momentan schwierig“, sagte ein Kammersprecher. Einige Hofstellen seien nicht erreichbar und viele Landwirte noch mit Notfall- und Schutzmaßnahmen beschäftigt. Ganze Felder mit reifem Getreide wurden durch die Fluten umgespült oder durch Starkregen zu Boden gedrückt. Betroffen sind unter anderem auch Spargel-, Mais-, Erdbeer- oder Kartoffelfelder und Grünland. Nach einer ersten Schätzung haben etwa 15.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen Überschwemmungsschäden. Das sei ein geringer Teil der gesamten landwirtschaftlichen Fläche von Nordrhein-Westfalen, aber bei den betroffenen Bauern bis zu hundert Prozent der bewirtschafteten Felder, so die Kammer.

Hochwasser in NRW: Laschet nennt sein Lachen im Unwettergebiet "blöde"

Sonntag, 19.30 Uhr: Flutopfer können unter bestimmten Voraussetzungen ab sofort von ihren Rundfunkgebühren befreit werden. ARD, ZDF und Deutschlandradio hätten sich auf unbürokratische Entlastungen geeinigt, teilte die Verwaltungsgemeinschaft am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur imit. Gebührenzahlende, deren beitragspflichtige Wohnungen, Betriebsstätten oder Kraftfahrzeuge aufgrund von Hochwasserschäden nicht mehr nutzbar seien, könnten beim Beitragsservice eine Abmeldung ihres Kontos beantragen. Konkret gelten demnach folgende Regeln: Sind eine Wohnung, eine Betriebsstätte oder ein Auto nur vorübergehend nicht nutzbar, besteht für diesen Zeitraum die Möglichkeit einer befristeten Abmeldung des entsprechenden Beitragskontos. Dafür reiche ein Anruf aus.

Sonntag, 14.08 Uhr: Unions-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sein viel kritisiertes Lachen bei einem Besuch im von der Unwetterkatastrophe besonders betroffenen Erftstadt vor gut einer Woche als "blöde" bezeichnet.

"Es war blöde und es sollte nicht sein und ich bedauere es", sagte Laschet im ZDF-"Sommerinterview", das am Sonntagabend ausgestrahlt wird. Weiter keine Angaben wollte Laschet dazu machen, was sein Lachen während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgelöst hat.

Sonntag, 13.19 Uhr: Im Rhein-Erft-Kreis sichern Helfer weiterhin die besonders betroffene Ortschaft Blessem. Nachdem ein provisorischer Damm zwischen Erft und Kiesgrube am Samstag fertiggestellt wurde, begannen bereits die Erdarbeiten für ein langfristiges Damm-Bauwerk. "Der Einsatz der Bundeswehr-Hubschrauber ist damit beendet. Die nun eingesetzten Großgeräte erreichen die Baustelle über eine eigens eingerichtete provisorische Zuwegung. Den ganzen Tag über und auch in den nächsten Tagen werden die Arbeiten andauern."

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden die Böschungen der Kiesgrube zum Damm der Erft als stabil eingeschätzt. Weitere Prüfungen - insbesondere der Abbruchkante zur Ortschaft Blessem - laufen. Mitte der kommenden Woche wird mit einer neuen Einschätzung der Experten gerechnet. "Ich hoffe sehr, dass auch den Menschen innerhalb der 100-Meter-Sicherheitszone in den nächsten Tagen ermöglicht werden kann, ihre Häuser und Wohnungen zumindest kurzzeitig zu betreten. Hieran arbeiten alle Beteiligten unter Hochdruck", betonte Landrat Frank Rock in einer Mitteilung des Krisenstabes.

Sonntag, 13.01 Uhr: Helfer in den westdeutschen Flutgebieten sind laut dem Technischen Hilfswerks (THW) bei ihrem Einsatz angegangen worden. „Leider kam es in den letzten Tagen vereinzelt zu Übergriffen gegen unsere ehrenamtlichen Helfer“, hatte das THW am Wochenende auf Twitter erklärt. Helfer seien beschimpft und mit Müll beworfen worden.

Anzeigen liegen der Polizei in Rheinland-Pfalz bisher nicht vor. Man prüfe die Schilderungen aber auf strafrechtlich relevantes Verhalten, sagte ein Sprecher in Koblenz am Sonntag. Auch der Polizei in NRW sei kein Vorfall in diese Richtung bekannt, sagte ein Sprecher der Landesleitstelle am Wochenende. „Uns liegen dazu keine Informationen vor.“

Sonntag, 8.53 Uhr: Die vergangene Nacht ist in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen - entgegen vorheriger Befürchtungen - nahezu trocken geblieben. Nach einigen Niederschlägen am Samstagnachmittag hatte es in der Nacht in den Regionen kaum noch geregnet, sagte eine Sprecherin vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Sonntagmorgen.

Beispielsweise in der Nordeifel seien am Samstag im Schnitt fünf bis zehn Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Die Sprecherin betonte aber auch, dass in der jetzigen Situation schon kleine Mengen Niederschlag zum Problem werden könnten, da Abflüsse verstopft und die Kanalisationen beschädigt sind.

Laschet bei Sat.1-Spendengala - mehr als 31 Millionen Euro gesammelt

Samstag, 22.09 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schilderte am Abend bei der Sat.1-Spendengala "Deutschland hilft" kurz seine Eindrücke der vergangenen Tage: "Das ist sicher das Härteste, was ich in meinem ganzen Leben erfahren habe", sagte er. Es gebe Tausende Schicksale im Land, wo Menschen alles verloren haben. Er habe mit der Frau des Feuerwehrmannes aus Altena gesprochen, der helfen wollte und dabei sein Leben verlor: "Wie tapfer Menschen das tragen, das ist tief beeindruckend, und das kann nur ermutigen zum Engagement und jetzt zu helfen."

Laschet erneuerte seine Zusage, dass die Betroffenen nun unbürokratisch und zügig bis zu 3500 Euro Soforthilfe bekommen. Das werde in diesen Tagen über die Kommunen ausgezahlt. Er wolle in den nächsten Tagen bei den Bürgermeistern nachhaken: "Läuft es, damit das Geld wirklich ankommt?" Für die Wiederaufbauhilfe in den betroffenen Kommunen seien noch viel, viel mehr Mittel erforderlich.

Bei der Benefizsendung sind am Samstagabend mehr als 31 Millionen Euro Spenden für Betroffene der Unwetterkatastrophe eingegangen.

Hochwasser in NRW: Erftstadt-Blessem sagt "DANKE"

20.16 Uhr: „DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE“. Ein großes Schild am Straßenrand in Erftstadt-Blessem empfing am Samstag die zahlreichen Helfer: Private Unterstützer, Soldaten sowie Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen packten dort mit an. In Blessem waren auch Mitarbeiter des Geologischen Dienstes NRW sowie Notfallseelsorger weiter auf den Straßen unterwegs.

Anders als im rheinland-pfälzischen Ahrtal meldete die Polizei in NRW keine Verkehrsüberlastung durch den Zustrom an Helfern. Zwar hätten sich viele in Richtung Bad Münstereifel aufgemacht, berichtete ein Sprecher der Kreispolizei Euskirchen der dpa. „Aber die Bagger und Lkw werden ja gerade auch gebraucht. Wir haben das alles mit Augenmaß bewertet und keine Verbotszonen ausgesprochen.“

Lanuv mahnt: „Stellt die Arbeiten an den Gewässern ein, wenn der Regen kommt!“

17.22 Uhr: In Erftstadt-Blessem, wo der Starkregen in der vergangenen Woche einen tiefen Schlund in die Erde gespült hat, laufen die Aufräumarbeiten auch am Samstag weiter. Bis auf 100 Meter darf sich weiterhin niemand der Abbruchkante nähern. Der Rhein-Erft-Kreis appellierte an die Bürger, beim Aufräumen Handschuhe zu tragen. „In Schlamm und Schmutzwasser können sich Krankheitskeime befinden“, hieß es in einer Mitteilung. In jedem Fall müssten vor dem Essen und auch vor dem Rauchen die Hände gründlich gewaschen werden. Trinkwasser muss in Blessem abgekocht werden.

16.54 Uhr: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mahnt die Menschen in NRW mit Blick auf die Wettervorhersagen: „Stellt die Arbeiten an den Gewässern ein, wenn der Regen kommt!“ Lokaler Starkregen könne an Gewässern, bei denen der Abfluss durch Sand- oder Kiesbänke, Bäume und anderen Unrat der vergangenen Unwetter ohnehin schon beeinträchtigt sei, plötzlich zu lokalen Überschwemmungen führen.

16.11 Uhr: Spitzen der Krisen- und Katastrophenstäbe besonders unwettergeschädigter Kommunen haben sich am Samstagvormittag in einer Telefonschalte mit dem DWD über die generelle Wetterlage informieren lassen. Einzelne Vorwarnungen an bestimmte Kommunen habe es dort nicht gegeben, sagte eine Meteorologin. Auch Vertreter des Düsseldorfer Innenministeriums nahmen daran teil. Die Krisenstab-Koordinierungsgruppe des Innenministeriums sei unter Leitung von Innenminister Herbert Reul (CDU) ebenfalls telefonisch zusammengekommen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, THW und Hilfsorganisationen seien seit dem 14. Juli im Dauereinsatz in den Katastrophengebieten des Rhein-Sieg-Kreises und des Kreises Euskirchen, bilanzierte das Polizeipräsidium Köln. „Gemeinsam mit den vielen weiteren Helfern sind die Einsatzkräfte rund um die Uhr für die Menschen in den Kreisen ansprechbar.“

Hochwasser: NRW-Ministerpräsident Laschet (CDU) bei Sat.1-Spendengala

14.08 Uhr: Gemeinsam mit dem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen „Aktion Deutschland Hilft“ sammelt der Privatsender Sat.1 in der Show „Deutschland hilft – Die Sat.1-Spendengala“ am Samstag ab 20.15 Uhr Geld für die Opfer. Moderator Daniel Boschmann führt durch die Sendung und spricht sowohl mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet als auch mit Hochwasser-Betroffenen. Am Telefon als Spendensammler sitzen TV-Promis. Das ZDF hatte am Dienstag bei einem Themenabend zu Spenden aufgerufen, RTL am Mittwoch einen „Tag der Hilfe“ ausgerufen und die ARD am Freitag einen Benefiztag samt Show.

9.41 Uhr: Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks (THW) sind bei ihrem Einsatz in den westdeutschen Flutgebieten mitunter unfreundlich empfangen worden. „Das geht dann soweit, dass unsere Helferinnen und Helfer beschimpft werden“, sagte die Vize-Präsidentin des THW, Sabine Lackner, am Samstag im RTL/ntv-„Frühstart“. „Wenn sie mit Einsatzfahrzeugen unterwegs sind, werden sie mit Müll beschmissen“, fügte Lackner hinzu. Hinter den Angriffen seien vor allem Querdenker oder Menschen aus der Prepper-Szene, die sich als Betroffene der Flutkatastrophe ausgäben, sowie einige frustrierte Flutopfer. Es seien noch keine Einsätze wegen der Vorfälle abgebrochen worden, doch die Situation sei für die ehrenamtlichen Helfer psychisch belastend.

Hochwasserkatastrophe: LaFee will in ihrer alten Heimat helfen

Samstag, 8.26 Uhr: Die in Stolberg geborene Sängerin LaFee (30, „Virus“) will angesichts der Hochwasserkatastrophe in ihrer alten Heimat helfen. „Meinen engsten Familienmitgliedern geht es tatsächlich gut, sie haben das gut überstanden und keine Schäden davon getragen. Aber Bekannte von mir haben leider wirklich alles verloren“, berichtete die Musikerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Sie habe sich nun schon mit ein paar Leuten getroffen, denen sie Möbel und Kleidung überlassen wolle. „Ich möchte auch auf den Bürgermeister zugehen und fragen, wie ich helfen kann“, sagte sie. „Das ist jetzt eine Zeit, in der wir alle zusammen halten müssen.“

Freitag, 19.41 Uhr: Mit Glockengeläut und Gebeten ist am Freitagabend in vielen Kirchen und Gemeinden in NRWn der Flutopfer gedacht worden. Aufgerufen hatten die evangelischen Landeskirchen und mehrere katholische Bistümer. In einer Andacht beteten die Gläubigen für die vielen Betroffenen der Unwetterkatastrophe - für die Toten und ihre Hinterbliebenen sowie für jene, deren Häuser und Besitztümer zerstört wurden, aber auch für die Helfer und Notfallseelsorger, die seit Tagen im Einsatz sind.

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