Stilvoll

Recklinghäuser entwirft Mafia-Mode

Foto: WAZ

Recklinghausen. Marvin Schertl entwirft Mafia-Mode und macht Männern Angebote, die sie nicht wirklich ablehnen wollen. Weite Hosen für Herren sind sein Markenzeichen – inspiriert von Al Capone & Co.

Corleone, das sizilianische Mafia-Dorf, kennt Marvin Schertl nicht. Don Corleone hingegen schon. Der Pate hat ihn animiert. Nicht dazu, das nördliche Ruhrgebiet mit Drogen zu versorgen oder Schutzgelder einzutreiben. Dennoch macht Schertl zahlreichen Menschen, vornehmlich Männern, ein Angebot, das sie nicht ablehnen wollen.

Mafia-Mode nennt der 31-Jährige das Angebot. Weite Hosen für Herren sind sein Markenzeichen – inspiriert von Al Capone & Co. Die Entwürfe für das nostalgische Outfit im 20er bis 40er Jahre Look des letzten Jahrhunderts macht er selbst, die Stoffe – vornehmlich Nadelstreifen, versteht sich – sucht er ebenfalls aus. Und schneidern lässt er, wie sollte es anders sein, in Italien.

Obwohl er einer seiner beständigsten Kunden ist – „Ich möchte nicht, dass Hosen zu eng sitzen” – hat er sich seit der Gründung seines Labels „Il Padrino”, was so viel wie der Pate heißt, 2002 einen treuen und ständig wachsenden Kundenstamm aufgebaut. Musiker und Tanzgruppen sind bei ihm Stammgäste. Aber auch Menschen, die zu Themenparties geladen sind. Selbst Schauspieler Stefan Kretschmann hat bei ihm in Recklinghausen mal angeklopft.

Schwarze Lederschirme und Gucci-Schuhe

„Ich bin auf Modemessen vertreten und biete meine Sachen auf unterschiedlichsten Veranstaltungen an”, sagt er. Er verkauft bei Ebay, hat seine Kollektion schon bis nach Luxemburg verschickt. Die bietet mehr als nur Bundfalte. Weiße lange Wintermäntel präsentiert er in seinem kleinen Showroom, Gehröcke mit Langweste in Karo und Streifen. Zwischen Barockstühlchen und alten Reisekoffern, die er in Amerika gekauft hat, präsentiert er seine Mode in Recklinghausen. Dazu gibt's natürlich auch die passenden Accessoires: schwarze Lederschirme vom Enfant Terrible der Pariser Haute Couture Jean Paul Gaultier oder Gucci-Schuhe aus Mailand. Und der neueste Schick: von Schertl entworfene Krawatten und schrill funkelnde Manschettenknöpfe.

Den Weltmarkt will er nicht erobern. „Ich mache Nischenprodukte”, sagt der in Herne geborene Autodidakt. Sein Faible für Mode entdeckte er vor etwa zehn Jahren, als er in Omas Wohnung sein erstes T-Shirt mit einem eigenen Logo versah. „Das macht Spaß”, fand er damals und wagt „aus Leidenschaft kurzerhand den Weg in die Selbstständigkeit”.

Massenprodukte liefert er nicht. Aber wenn jemandem seine aufgepeppte Bundfaltenhose gefällt, „ordert er nicht selten alle verfügbaren Farben”, sagt Schertl. „Ich kann davon leben.”

Und zwar im Ruhrgebiet. In die Modemetropolen Düsseldorf, München oder Berlin zieht es ihn nicht. Dazu ist er viel zu bodenständig, hat ein Stück weit auch den sizialianischen Familiensinn adaptiert. „Hier wohnt meine Oma, meine ganze Familie. Ich bin gerne hier, freue mich, nach Urlauben oder Einkaufstrips wieder zurückzukommen.”

Es war einmal in Amerika

Apropos Einkaufstrip: Passend zum Il-Padrino-Label bietet der „Workoholic” auch amerikanische Limousinen an. Nicht die Stretch-Form des Lincoln Toncar, sondern die Straßen-kompatiblere von 5,60 Meter Länge. Die lässt er aus Florida importieren und nach deutschen Vorschriften umrüsten. Hochzeitspaare mieten sie zuweilen oder Liebhaber kaufen sie kurzerhand. Frei nach dem Motto: Es war einmal in Amerika, heute ist es in Recklinghausen.

www.ilpadrino-moda.de

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