Grundschul-Planung

Protest im Bergmannsfeld formiert sich

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Gegen die geplante Schließung von Grundschulen formiert sich Protest. Die Stadt will vier Grundschulen auslaufen lassen, sieben verkleinern und zwei zusammenlegen. Darüber entscheidet der Rat im Juni.

Besonders das Ende der Tiegelschule (Nordviertel) sowie der Schule im Bergmannsfeld (Freisenbruch) stößt auf Widerspruch. Im Bergmannsfeld haben sich Eltern, Kirchen und Schule sowie die örtliche SPD zusammengetan, das Motto: „Keine Kinder zweiter Klasse – wehrt Euch!“

Das Bergmannsfeld entstand ab 1966 als Teil des gigantischen Bauprogramms „Oststadt“. Die Hochhäuser aus Fertigteilen erhielten von Experten viel Lob; der Preis der Bau-Ausstellung „Deubau“ ging ins Bergmannsfeld. Geheizt wurde mit Strom und Nachtspeicher, das damals als sauber und günstig galt. Die Schule im Bergmannsfeld ging 1969 in Betrieb.

Während die meisten der Wohnhäuser mittlerweile umgerüstet wurden, gibt es in der örtlichen Grundschule immer noch Nachtspeicher-Öfen in den Klassenzimmern. Das ist wohl einer der Gründe, warum die Schule keine neuen Kinder mehr aufnehmen soll: „Eine energetische Sanierung lohnt nicht, hat man uns gesagt“, berichtet Sozialpädagogin Birgit Wambach. Dabei sei das Haus erst vor wenigen Jahren in Sachen Asbest und PCB saniert worden. „Eine neue Heizungs-Anlage haben wir immer gefordert“, berichtet Gundula van de Loo, die seit 23 Jahren im Bergmannsfeld unterrichtet.

Künftige Erstklässler aus dem Viertel sollen nach Vorstellung der Schulverwaltung künftig auf die Schule am Morungenweg (Freisenbruch-Süd) oder zur Astrid-Lindgren-Schule (Hörsterfeld) gehen. „Diese Wege sind zu weit“, kritisiert Elternvertreter Olaf Oxberg. Die Kinder müssten dann bis zu einer knappen Stunde lang gehen. Lehrerin van de Loo ergänzt: „Es gibt einige Schüler aus schwierigen Verhältnissen, die werden nicht gehen oder ankommen.“

Das Bergmannsfeld ist ein ausgesprochen problematisches Quartier. Jedes zweite Kind wächst auf mit Hartz IV. Hier leben viele Deutschrussen, Bürger aus arabischen Ländern, Kriegsflüchtlinge. An der Schule sind mehr als 15 Nationalitäten vertreten. Es gibt aufwändige Eingangs-Untersuchungen und Förderkurse für Deutsch. Auch für Eltern. Die Anmeldezahlen seien stabil, heißt es, man sei größer als die anderen Schulen in der Umgebung. Man verweist auf ein gut ausgebautes Ganztagsprogramm; es gebe sogar Wartelisten. Man verweist auf zahllose Kooperationen mit Vereinen, auf erfolgreiche Schach- und Tanzprojekte. Entsprechend hat die Nachricht von der Schließung alle Beteiligten getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Besonders, weil wir personell immer gut ausgestattet waren wegen der besonderen Herausforderungen“, sagt Gundula van de Loo. Sozialpädagogin Birgit Wambach ergänzt: „Das Bergmannsfeld braucht diese Schule, und zwar an Ort und Stelle.“ Sie vermutet: Diese Schule soll dran glauben, weil hier Eltern sind, die wenig artikulationsstark sind. „Mit Chancengleichheit bei der Bildung hat das nichts zu tun.“

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