Die Geschichte Ihres Lebens (24)

„Oh, wie wunderbar . . .”

Essen. Heinz Günter Elbers singt für sein Leben gern. 1934 lernte er es im Knabenchor von St. Mariä Himmelfahrt. Ein geselliger Mensch, der im Sportverein DJK Essen-Altendorf 09 das dienstälteste Mitglied ist – seit über 75 Jahren

Vorname: Heinz Günter. Ohne Bindestrich. Heinz, nicht Hans. Und ohne h, der Günter. Eben: Heinz Günter Elbers. Die Kombination, man ahnt es, trifft auf einen Herrn zu, der die 20 längst hinter sich hat. Auch das darf getrost vermutet werden: Die 50 ebenfalls. Der freundliche Mann ist 83 Jahre alt und treu. Wahnsinnig treu: Seit 76 Jahren ist er Mitglied in der DJK Altendorf 09, die gerade anfängt, das Hymnen-Singen für nächstes Jahr zu üben: „100 Jahre schon, blau-weiße Tradition”.

Berufswunsch Musiker

Ja, er würde bestimmt gerne mit einstimmen ins sich in die Ohren wurmende „Scha-lalala – mein Verein ist A-null-neun”. Allein: Eine chronische Bronchitis und angestrengtes Singen passen ungefähr genauso zusammen wie ein fein geschwungener Notenschlüssel in ein rostiges Vorhängeschloss. Der rüstige Rentner trägt es mit Fassung, er, der den Traum hatte, Berufsmusiker zu werden, dessen Pläne der Krieg durchkreuzte. „Der Direktor beim Witte-Konservatorium, wo ich Geige spielte, sagte, wenn Du ein Blasinstrument spielen könntest, dann könnte ich Dich für die Heeresmusikschule empfehlen.” Das war ein Könnte zuviel. Ein Wutanfall blieb jedoch aus. „Es ging halt nicht. Die Zeit war so, dass man guckte, gut über die Runden zu kommen, irgendwie.”

Panzerfunk statt Marschmusik

Panzerfunk statt Marschmusik – so hörte sich die nächste Zukunft an. Krieg, Gefangenschaft, zurück nach Hause. Schnell war er wieder beim alten Klub, der nach dem Verbot durch die Nazis gerade erst wieder gegründet worden war.

Im Vorjahr ehrten sie ihn für 75 Jahre Mitgliedschaft. Das ist Treue. Nicht nur dort: Gearbeitet hat er bei Krupp und nur bei Krupp, erst als Industriekaufmann, später als Bilanzbuchhalter, nachdem er den zweiten Bildungsweg erfolgreich beschritten hatte. 50 Jahre Kolpingbruder, bis sich die Familie auflöste, 25 Jahre Kegelbruder, bis sich diese Sippe auflöste, 20 Jahre Domchorsänger, bis er 68 war. Und und und – das schreibt der Redakteur natürlich nur zu gern – die WAZ liest er seit 1948. „Von Anfang an.” Erst hatte die Großmutter sie in der gemeinsamen Drei-Zimmer-Wohnung abonniert. Dann seine Mutter. Als er auszog, er selbst. Bis heute. Die Frau, die er 1960 ehelichte, liest morgens von acht bis zehn stets mit: Magdalene, die er einst im Kirchenchor kennen lernte.

"Ich war der ewige Reservist"

Als Siebenjährigen hatte seine Mutter ihn 1932 zur Gymnastik anmeldet, als 21jährigen nahm ihn 1946 Freund Manfred Schreiner mit zum Feldhandball. Andenken an die Asche sind bis heute an den Knien des 83jährigen zu sehen. „Ich war der ewige Reservist", erinnert er sich. „Heinz Günter, jetzt hast Du Dir aber einen Stammplatz verdient", habe ihn der vor kurzem verstorbene Mittelläufer Hans Kaufels nach einem guten Spiel gelobt. „Doch es wurde nix. Ich glaube, es lag auch daran, dass ich Brillenträger bin.”

Stolz macht ihn, dass er später als Altherrensportler beim Wählen immer zu den ersten gehörte, die genommen wurden. „So schlecht war ich wohl nicht.”

Ein geselliger Mensch

Das Leben ohne Sport: Reisen, Proben und Konzerte mit Chören oder Mandolinen-Orchester, hier eine Vorstandssitzung mit dem Förderverein von St. Ignatius, dort eine mit der Senioren-Union oder dem CDU-Ortsverein Holsterhausen. Bei runden Geburtstagen kann es sein, dass der gesellige Mensch umgedichtete Lieder anstimmt. Zuletzt bei einem 80.: „Oh, wie wunderbar, werde 100 Jahr”, schallte es zur Melodie von „Im schönsten Wiesengrunde”. So ganz lässt er sich das Singen eben nicht verbieten. Da ist er in seinem Element, ganz unverwechselbar, der Heinz Günter Elbers.

Mehr zum Thema:

Die Internetseite von DJK Altendorf 09

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