Duisburger Weberei

Der Stoff für den Steiff-Knopf im Ohr

Foto: WAZ FotoPool

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Duisburg. Es ist ein ganz besonderer Stoff, der am Ende eine Duisburger Weberei verlässt und den Teddybären in den Steiff-Werken in Portugal und Tunesien auf den Leib geschneidert wird. Ein Besuch.

Sie heißen Gretchen, Jona oder Luca. Manchmal auch Brummbär. Große Schuhknopfaugen haben sie alle, einen freundlichen Gesichtsausdruck und auch den berühmten „Knopf im Ohr”. Treue Fans pilgern ihretwegen immer wieder an die Holteistraße in Duisburg. Plüschtiersammler aus ganz Deutschland, die Zeuge werden wollen, wie er gemacht wird: Der Stoff, aus dem die Teddys sind.

Der Steiff-Club eines großen Spielzeuggeschäfts hat sich diesmal angesagt. Wieder wird Prokurist Bernhard Wanning die Sammler durch die verwinkelten Räume der Weberei Steiff-Schulte führen, in denen die „Felle” der berühmten Steiff-Spielzeuge entstehen.

Er lotst die Gruppe an den 21 Webstühlen vorbei, auf denen die Garne zu 1,40 Meter breiten und 30 Meter langen Bahnen gewebt werden. Besichtigt wird auch die Färberei, in der Wasserdampf dichten Nebel bildet und die Luft von Chemikaliengeruch geschwängert ist. Unermüdlich werden Stoffbahnen durch große Farbbottiche gezogen, um später auf weiteren Maschinen gebügelt, geschert, gespannt und getrocknet zu werden.

Überleben in einer Nische

Es ist ein ganz besonderer Stoff, der am Ende die Weberei verlässt und den Teddybären in den Steiff-Werken in Portugal und Tunesien auf den Leib geschneidert wird. Verarbeitet werden Mohair, das Echthaar der Angora-Ziege, und die Wolle des Alpakas.

Stoffe für hochwertige Sammlerstücke. Stoffe, die längst nicht überall gewebt werden. „Wir haben in einer Nische überlebt”, sagt Bernhard Wanning. Einst gab es elf Textilwebereien in Duisburg und noch viele mehr in der Umgebung. Mittlerweile ist nur noch Steiff-Schulte übrig. Wanning: „Heute kann man sich nur mit Qualität gegen die Asiaten behaupten.”

Am Anfang war der Filzelefant

Mit kleinen Filzelefanten fing Ende des 19. Jahrhunderts alles an. Mit denen erfreute die im Rollstuhl sitzende Margarete Steiff die Kinder in ihrer Nähstube im schwäbischen Giengen und legte so den Grundstein für eine der ältesten Marken Deutschlands.

Ihr Neffe Richard sollte 1902 den ersten beweglichen Spielzeugbären entwerfen, der später nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy” Roosevelt benannt wurde. Der Teddybär war geboren.

Skepsis gegenüber China

Schon das Fell des ersten Steiff-Bären stammte aus Duisburg, die Weberei Schulte wurde zum steten Lieferanten des immer weiter wachsenden Spielzeugherstellers. Auch noch, als Steiff 2004 ein Fünftel der Produktion ins Ausland verlagerte. Nach Asien – damit kommen wir zurück zur Qualität. Denn: Wer will schon ein schielendes Stofftier?

„Ich war bereits im Vorfeld skeptisch gegenüber China”, sagt Steiff-Geschäftsführer Martin Frechen rückblickend. Und Genugtuung wird es ihm kaum bereitet haben, dass seine Befürchtungen wahr wurden.

Die hohe Mitarbeiterfluktuation drückte auf die Qualität. Mehrere Monate Einarbeitungszeit benötigten die Arbeitskräfte. Zahlte die benachbarte Firma jedoch ein wenig besser, waren sie von heute auf morgen verschwunden. Hinzu kamen lange Lieferzeiten wegen der großen Entfernungen. „Auf Dauer machte das keinen Sinn”, sagt Frechen.

Zurückverlagerte Produktion

2007 holte Steiff die Produktion wieder zurück. „Wir wollen Unabhängigkeit schaffen und alle Rohprodukte an einem Standort erstellen”, sagt Frechen. Um diesen Plan umzusetzen, übernahm Steiff 2008 die Weberei Schulte, die nun 70 Prozent aller Steiff-Tier-Stoffe herstellt. Stoffe, mit denen auch die über 150 deutschen Teddybärvereine beliefert werden.

Selbst namhafte Modeunternehmen nutzen das künstliche Bärenfell für ihre Kollektionen. „Der Markt für Plüschtiere ist kein einfacher, er ist in den vergangenen Jahren geschrumpft. Wir werden uns aber weiterhin im Premiumsegment bewegen. Es wird keine Steiff-Billiglinie geben”, sagt Martin Frechen. Stattdessen will Steiff mit einer speziellen Kleinkinder- und einer Bekleidungslinie zurück ins Kinderzimmer – und nicht ausschließlich in die Wohnzimmervitrine der Sammler.

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