Nahverkehr

Ärger ums Bärenticket

Foto: WAZ

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Essen. Wiederholt verscheuchten Kontrolleure zu Unrecht Begleitpersonen aus der ersten Klasse des Zugs. Dies ist die Folge eines peinlichen Fehlers in einem internen Handbuch

Peinliche Panne bei VRR und Bahn AG: Seit Anfang August machen Schaffner der Bahn AG immer mal wieder Jagd auf Nutzer des Bärentickets. Das ist die VRR-Monatskarte für Menschen ab 60. Die nichts ahnenden Fahrgäste werden bei Kontrollen in peinliche Situationen gestürzt, der Schwarzfahrerei bezichtigt oder auch mit Strafen von bis zu 160 Euro bedroht. Einige Fahrgäste fühlen sich hintergangen und sprechen gar von Betrug. Was ist da los? Hier des Rätsels Lösung.

WAZ-Leser Paul G. aus Oberhausen versteht die Welt nicht mehr. Seit drei Jahren hat er das Bärenticket. Es gilt im Bahn-Nahverkehr in der ersten Klasse und erlaubt dem Besitzer, abends und an Wochenenden einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder kostenlos mitzunehmen – natürlich auch in der ersten Klasse. So war es jedenfalls bisher.

Als Paul G. jüngst an einem Sonntag mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der ersten Klasse eines Regionalexpress-Zuges unterwegs war, kam es zum Eklat. Seit Anfang August, so behauptete der Bahn-Kontrolleur, sei die kostenlose Mitnahme zusätzlicher Personen in der ersten Klasse mit dem Bärenticket nicht mehr erlaubt. Die Begleitpersonen müssten in die zweite Klasse oder jeweils ein Zusatzticket lösen. Pro Person und Fahrt wären das 2,30 Euro.

Eine erste Nachfrage der WAZ beim VRR ergab, dass es so eine Reglung nicht gebe. Das sei zwar mal angedacht gewesen, aber nicht verwirklicht worden. Das Problem sei aus der Welt. Dennoch: In den vergangene Tagen berichteten weitere WAZ-Leser, von ähnlichen Vorfällen. So erfuhr Friedrich V. aus Bochum von einem Bahn-Schaffner, dass seine Begleitperson in der ersten Klasse nichts zu suchen habe und das „als Fahren ohne Fahrausweis” gelte. Nur aus „Kulanz” verzichtet der Bahnmann auf 40 Euro Strafe.

"Wer liest schon Tarifhandbücher?"

Eine zweite Nachfrage beim VRR ergab nun: In einem internen Tarifhandbuch des Verkehrsverbundes schlummerte seit 2003 ein Fehler, nämlich genau der, dass Bärenticket-Begleitpersonen nicht in der ersten Klasse mitfahren dürfen. Warum dieser Fehler nie korrigiert wurde? Angeblich weiß das beim VRR niemand. „Wer liest denn schon Tarifhandbücher?”, fragte ein VRR-Mitarbeiter zurück.

Warum dieser Fehler jetzt, nach fünf Jahren, von der Bahn AG plötzlich als bare Münze angesehen wurde und die Kontrolleure – ohne vorherige Information der Fahrgäste – damit auf Kundenfang gingen, ist ebenso rätselhaft. Denn die Tarifreform zum 1. August berührte das Bärenticket überhaupt nicht. Nur der Preis war um happige 13,4 Prozent angehoben worden, was den Ärger vieler VRR-Kunden natürlich noch verstärkt: „Preise rauf und weniger Leistung, das passt zu einem Monopolisten”, schimpfte ein WAZ-Leser.

Inzwischen, so versicherte ein Mitarbeiter der NRW-Pressestelle der Bahn AG, seien aber alle Mitarbeiter informiert worden, dass sich beim Bärenticket nichts geändert habe. Dass alle Mitarbeiter diese Tarifinformation innerhalb der nächsten fünf Jahre auch lesen werden, dafür gibt es aber keine Garantie.

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