Manchester United

United-Trainer Mourinho: „Bin immer noch die Nummer eins“

Stockholm.   Manchester United hat durch den 2:0-Sieg über Ajax Amsterdam die Europa League gewonnen. Mourinho sieht sich - natürlich - auf dem Trainer-Thron.

Es gibt da diesen Film. Scarface, ein Mafia-Epos, in dem sich Tony Montana, gespielt von Al Pacino, als kubanischer Einwanderer in den USA zu einem der gefürchtetsten Drogenbarone hocharbeitet. Oben angekommen, posiert er in seiner Villa voller Marmor, raucht eine Zigarre – und signalisiert allein durch sein selbstgefälliges Lächeln: Mir liegt die Welt zu Füßen.

So ähnlich – nur ohne Zigarre – muss man sich auch José Mourinho vorstellen, als der Trainer von Manchester United als einer der Letzten durch die Katakomben der Stockholmer Arena schwebte, vorbei an den wartenden Journalisten. Viele davon hatten diesen José Mourinho immer wieder scharf kritisiert, jetzt meinte er nur: „In einer Saison, in der ich dachte, ich sei der schlechteste Trainer, sind drei Titel ganz schön gut.“ Wer wollte ihm da widersprechen? Denn zu dem bereits gewonnenen englischen Ligapokal und dem gewonnenen englischen Superpokal kommt nach dem 2:0-Finalerfolg über Ajax Amsterdam am Mittwochabend auch der gewonnene Europa-League-Pokal hinzu. Drei Titel; alle vier europäischen Endspiele in seiner Karriere gewonnen: Mourinho steht wieder auf dem Trainer-Thron. Die Welt liegt ihm zu Füßen.

Das Team - Laufburschen für den Trainer

Seine Elf hatte den so talentierten Fußballern von Ajax Amsterdam eine Lehrstunde erteilt. Klar, Paul Pogba und Henrikh Mkhitaryan schossen dabei die Tore, aber sie waren an diesem Abend auch nichts anderes als die Gehilfen, Laufburschen, für den eigentlichen Helden Mourinho. Der Portugiese machte das Finale zu seiner Show, ließ seine Mannschaft tief verteidigen, die technisch versierten United-Spieler igelten sich in der eigenen Hälfte ein und streuten bei Ballbesitz den ein oder anderen Konter ein. Mehr nicht. Aber genug.

Amsterdams Trainer Peter Bosz erklärte nach den für ihn enttäuschenden 90 Minuten: „Das war ein langweiliges Spiel.“ Und man kann sich Mourinhos selbstgefälliges Lächeln vorstellen, wenn diese Worte in sein Ohr wandern. Langeweile, ein größeres Kompliment konnte Bosz ihm gar nicht machen. Langeweile in einer Partie, in der die so offensivstarke, stürmische, begeisterungsfähige Ajax-Elf mitwirkte. Das muss man als Gegner erstmal schaffen.

Vier Finger - vier Endspiele

Allerdings muss man einen Selbstdarsteller wie Mourinho ganz sicher nicht darauf aufmerksam machen, was er geleistet hat. Nach dem Schlusspfiff streckte er vier Finger in den Stockholmer Nachthimmel. Vier Finger für vier gewonnene Endspiele. Kurze Zeit später gab er seinen Kickern den Befehl, drei Finger auszustrecken. Drei Finger für drei Titel in dieser Saison. Die Welt sollte staunen über den endlich wieder erfolgreichen Trainer. „Für mich ist es der wichtigste Titel in meiner Karriere“, erklärte Mourinho. Der Rauswurf beim FC Chelsea im Dezember 2015 kratzte an der Erfolgsaura, der mäßige sechste Tabellenplatz in dieser Saison mit United tat sein übriges. Nun stolzierte er mit ausgestreckten Armen über den Rasen, während die Massen seinen Namen riefen.

Durch den Titelgewinn wird Manchester United in der kommenden Spielzeit wieder in der Königsklasse antreten. Die Bosse werden von Mourinho den Titel erwarten und dafür nicht vor weiteren 100-Millionen-Transfers zurückschrecken. Die Namen Antoine Griezmann und Gareth Bale schweben bereits durch die Luft. Geld genug wäre da. Schon die beiden Finaltorschützen Pogba und Mkhitaryan hatten vor der Saison zusammen stolze 147 Millionen Euro gekostet. Zur Einordnung der Heldenverehrung von Mourinho: Das ist bereits deutlich mehr als der gesamte Kaderwert von Ajax Amsterdam.

Ein Titel für die Stadt in Trauer

Die talentierte Mannschaft war in dieser Partie zu unerfahren, zu ängstlich. Auch der deutsche Neu-Nationalspieler Amin Younes, der nach ein paar freien Tagen zum Confed Cup reisen wird, blieb blass. "Die Enttäuschung ist sehr groß, da weiß man gar nicht, wie man damit umgehen soll", erklärte er, aber "wir können trotzdem stolz sein, dass wir hierhin gekommen sind."

Das stimmt. Diesmal gönnten aber viele auch dem Goliath in dieser Begegnung den Titel. Denn es war auch ein Titel für die nach dem Anschlag traurige Stadt Manchester. Die Spieler und Mourinho hielten nach der Partie mit ernsten Mienen einen roten Banner hoch. „Manchester, eine vereinte Stadt“, stand darauf. Das Finale fand gerade mal zwei Tage nach dem Selbstmordattentat mit 22 Toten statt. "Normalerweise ist man vor so einem Spiel glücklich und voller Vorfreude. Aber das ging diesmal nicht", erklärte Mourinho. "Diesmal haben wir nur unseren Job gemacht. Und das haben die Jungs fantastisch hingekriegt."

Neben der Trauer schaffte es José Mourinho aber schon, sich selbst zu feiern. Auf dem Rasen küsste er den Pokal und schrie den Journalisten entgegen: „Ich bin immer noch die Nummer eins.“ Oder anders gesagt: Seht her, mir liegt die Welt zu Füßen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben