Wendler-Interview

Michael Wendler über "falsche Schlangen" im Dschungelcamp

Michael Wendler wollte im RTL-Dschungelcamp "zeigen, wie ich bin". Nach fünf Tagen verließ er das Camp freiwillig.

Michael Wendler wollte im RTL-Dschungelcamp "zeigen, wie ich bin". Nach fünf Tagen verließ er das Camp freiwillig.

Foto: Imago Stock&People

Bottrop.  Michael Wendler hat sich früh aus dem RTL-Dschungelcamp verabschiedet. Drei Wochen nach dem Finale spricht der polarisierende Schlagersänger im exklusiven Interview Klartext: Wer ihn enttäuschte, wie er über ein Karriereende denkt und was das TV-Dickicht aus Menschen macht.

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Späte Freitagnacht. Diskothek „Nina“ in Bottrop. Fotokameras klicken. Schlagersänger Michael Wendler (41) tritt nach seiner Rückkehr aus dem Dschungel wieder vor seine Fans. Von den 1.500 Anhängern haben einige Plakate gebastelt. Andere sind gar aus Norddeutschland angereist.

Nach dem freiwilligen Auszug aus dem Dschungelcamp musste der Barde zuletzt aber kräftig einstecken. Nicht zum ersten Mal gibt es Ärger um den Wendler. Der polarisierende Dinslakener („Sie liebt den DJ“) spricht mit unserer Redaktion im ersten großen Interview nach der Zeit im TV-Dickicht über ein Leben zwischen Facebook-Shitstorm und Schampus im Hotel.

Herr Wendler, vermissen Sie den Dschungel?

Michael Wendler: Es war eine spektakuläre Zeit, die viele Emotionen geweckt hat. Und wenn ich keine Emotionen wecke, wer dann? Es waren übrigens fünf Tage und nicht vier wie immer behauptet wird. Jeder möchte von mir in Deutschland wissen, warum ich nach fünf Tagen aus dem Dschungelcamp gegangen bin.

Also?

Michael Wendler: Der körperliche und psychische Stress ist beim Dschungelcamp enorm. Durch den Entzug von Wasser wird die Stimmung dort aufgeheizt. Die Mitcamper haben mich von der ersten Sekunden an angefeindet. Es gab die bizarre Situation, 24 Stunden von Kameras beobachtet zu werden. Jederzeit kannst du für ein Interview aufgeweckt werden. Du unterhältst dich und weißt nicht, ob das nun privat ist oder acht Millionen Zuschauer zusehen. Ich war nicht mehr bereit, das mitzumachen. Man muss Kraft für die Dschungelprüfungen haben. Und die hatte ich am Ende nicht mehr.

Die Show läuft mit diesem Konzept allerdings schon seit Jahren. Warum waren Sie so überrascht?

Michael Wendler: Ich wollte nicht unbedingt die Krone holen und nur solange bleiben, wie ich es aushalten kann. Dann ist es egal, ob es ein, zwei oder 17 Tage sind. Im Nachhinein finde ich es aber falsch, dass ich nach fünf Tagen gegangen bin. Wenn man an solch einer Show teilnimmt, sollte man es auch durchhalten. Ich wollte mich der ganzen Unwirklichkeit entziehen.

Sie bereuen Ihre Entscheidung?

Michael Wendler: Wenn es eine Zeitmaschine geben würde, würde ich zurückfliegen und genau an der Stelle landen, an der ich sage: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Dann wären viele Menschen glücklicher gewesen.

Dass Sie hinterher als „Wendlerin“ bezeichnet wurden, kann Ihnen trotzdem nicht gefallen...

Michael Wendler: Ich habe damit kein Problem. Wir leben in der Facebook-Zeit, in der jeder jeden Tag einen privaten Shitstorm erlebt. Und alle Kandidaten haben in kürzester Zeit einen solchen Shitstorm erlebt. Einige konnten damit gar nicht umgehen, weil sie es zum ersten Mal in solch einer aggressiven Weise erlebt haben. Für mich ist das nicht neu, darum kann ich damit umgehen. Viele Leute bei Facebook verwenden Pseudonyme und schreiben nicht unter ihrem echten Namen. Das kann man nicht richtig ernst nehmen.

Was Michael Wendler zum Streit mit Melanie Müller sagt 

Ist Ihnen Kritik grundsätzlich egal?

Michael Wendler: Für mich stellte sich nach dem Dschungelcamp eher die Frage, was meine Tochter zu mir sagt, wenn ich nach Hause komme. Das hat mich verfolgt. Sie hat mir einen Kuss gegeben und gemeint: Papa, schön, dass du wieder da bist!

Wie waren die Bedingungen außerhalb des Camps?

Michael Wendler: Ich durfte nach meinem Auszug nicht wie alle anderen direkt zurück ins Hotel. Ich wurde zwei Tage isoliert. Ich hatte keinen Kontakt zur Außenwelt. Meinem Begleiter Frank Neuenfels erging es ähnlich. Das war eine gespenstische Situation. Wir wurden von Security-Leuten abgeschirmt. Wir durften mit niemanden reden. Wir wurden versteckt. Hinterher habe ich erfahren warum: Die wollten noch zwei Tage mit Michael Wendler füllen und zwar auf eine boshafte Art und Weise. Man wollte wohl verhindern, dass ich merke, wie ich beim Abschied aus dem Camp dargestellt wurde. Sonst hätte ich natürlich alles erklärt. Das sah ja schon etwas dekadent aus.

Wenig später waren Sie fröhlich mit Steak und Schampus im Hotel zu sehen.

Michael Wendler: Man bekommt im Dschungelcamp nur 300 Kalorien am Tag - das ist nichts. Man hat den ganzen Tag Hunger. Jeder Kandidat isst, wenn er aus dem Camp kommt. Man hat bei den Bildern viel weggeschnitten. Die Szene war aus dem Zusammenhang gerissen. Wir haben alle untereinander gewitzelt, was wir uns hinterher gönnen wollen. Es war meine Ambition in das Camp zu gehen und zu zeigen, wie ich bin. Viele schöne Gespräche sind nicht ausgestrahlt worden.

Welcher Ihrer Camp-Kollegen hat sich Ihrer Meinung nach authentisch verhalten?

Michael Wendler: Es gab einige falsche Schlangen im Camp, die aus meiner Sicht fremdgesteuert waren. Ich habe nie über meine Kollegen gelästert. Ich lese aber nun Interviews und wundere mich. Ich habe alle neutral empfangen. Ich bin dagegen vorbelastet ins Camp gegangen. Jeder kannte mich, jeder hatte seine Meinung. Viele haben mich schon am ersten Tag angegriffen. Ich wäre auch gerne neutral behandelt worden.

Siegerin Melanie Müller hat Ihnen bei der Wiedersehens-Show bei RTL einen Begrüßungskuss verweigert. Warum?

Michael Wendler: Melanie hat behauptet, ich hätte ihr nicht gratuliert. Dabei war ich der erste, der auf sie zugegangen ist und ihr zur Krone gratuliert hat. Das zeigt deutlich, dass hier einer nur eine Taktik fährt. Es wird wieder mal auf den Wendler gehauen, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erhalten und Lügen zu verbreiten. Das würde ich niemals tun. Das gehört sich einfach nicht. Ich hätte mit allen Kollegen gemeinsam einen Musik-Titel aufgenommen, doch das hat Melanie verhindert. Alle anderen wären dazu bereit gewesen. Aber das Dschungelbuch ist nun für mich geschlossen.

Sie wollen nicht noch einmal antreten?

Michael Wendler: Ich habe das mal leichtfertig gesagt. Ich weiß nicht, unter wie viel Alkohol ich da gesprochen habe. (lacht) Vielleicht bin ich aber auch der erste, der fünf Jahre hintereinander ins Dschungelcamp geht, bis er einmal bis zum letzten Tag durchhält.

Hat Ihnen das Dschungelcamp geholfen oder geschadet?

Michael Wendler: Durch Melanie Müllers Äußerungen, ich hätte schlecht über meine Fans im Osten gesprochen, habe ich einen Schaden erlitten. Ich erarbeite mir meine Fans hart. Ich habe nie mit ihr darüber gesprochen. Das hat mich sehr gekränkt.

Haben Sie jemals in Ihrer Karriere ans Aufhören gedacht?

Michael Wendler: Jeder andere Künstler in Deutschland wäre daran zerbrochen, wenn er das erlebt hätte, was ich schon mitgemacht habe. Was mich antreibt, ist diese große Ungerechtigkeit. Ich bin kein Typ, der einfach aufgibt und sich kaputtmachen lässt.

Profitiert ein Schlagersänger nicht auch von öffentlicher Schelte, um seine Platten zu verkaufen?

Michael Wendler: Nein. Das hilft eher der Bushido-Fraktion.