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Corona-Überblick

Corona in NRW: Testpflicht für Risiko-Rückkehrer startet

Corona-Testzentren für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Die Corona Teststation an einigen Flughäfen für Reiserückkehrer aus Risikoländern ist bisher noch ein freiwilliges und kostenloses Angebot.

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Essen.  Reiserückkehrer spielen wachsende Rolle bei der Entwicklung. Bis zu den Ferien mehr Busse im Schülerverkehr. Überblick zur Corona-Lage in NRW.

  • In NRW bleiben die Abstands- und Maskenpflicht bis mindestens zum 11. August bestehen. Schritt für Schritt werden die Corona-Regeln aber weiter gelockert: Was in NRW erlaubt ist und was nicht.
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Corona in NRW: Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten startet

ür Rückkehrer aus Risikogebieten greift von diesem Samstag an bei der Heimkehr nach Nordrhein-Westfalen die Testpflicht auf das Coronavirus. In Düsseldorf sind dafür schon seit vergangener Woche Teststellen am Flughafen geschaffen worden. Die Testkapazitäten im Sicherheitsbereich des Airports werden nun erweitert. Auch am Köln-Bonner Flughafen kann man sich testen lassen.

Die Flugreisenden haben drei Tage Zeit, sich auch woanders testen zu lassen, müssen bis zum Ergebnis aber in häusliche Quarantäne, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorsieht.

Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor - aktuell stehen darauf etwa 130 Staaten von Ägypten bis zu den USA. Aus der EU sind derzeit Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra auf der Liste. Die Testpflicht gilt den Behörden zufolge nicht, wenn man ohne Zwischenaufenthalt durch ein Risikogebiet reist.

Mit Blick auf die Testpflicht würden Kapazitäten des Airport-Testzentrums in Düsseldorf nun kurzfristig aufgestockt, teilte ein Sprecher mit. Neben einer Verdoppelung der Anmeldeplätze von sechs auf zwölf wird auch die Anzahl der Abstrichkabinen von 6 auf 14 erweitert.

Am letzten Ferienwochenende werden am größten Flughafen Nordrhein-Westfalens rund 60 Landungen aus Risikogebieten erwartet - mit etwa 8000 Passagieren.

Über 300 Neu-Infektionen in NRW an einem Tag

In Nordrhein-Westfalen sind innerhalb eines Tages 324 neue Corona-Fälle registriert worden. Das teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Freitag in Düsseldorf mit. Demzufolge betrifft die Entwicklung fast alle Kreise und kreisfreie Städte. Reiserückkehrer spielen dabei eine wachsende Rolle. „Wir beobachten erste Fälle, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang mit Reiserückkehrern naheliegt, die sich nicht an die geltenden Bestimmungen gehalten haben“, teilte Barbara Nieters, Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Viersen mit. Dadurch seien vermutlich zahlreiche vermeidbare Infektionsketten in Gang gesetzt worden. Eigentlich müssten sich die Urlauber aus Risikogebieten beim örtlichen Gesundheitsamt melden und sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Bei Verstößen gegen die Verordnung droht ein Bußgeld.

Ein wichtiger Wert, um das Infektionsgeschehen vergleichbar zu machen, ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, die innerhalb von sieben Tagen gemeldet werden. Der landesweite Durchschnitt für NRW lag hier laut Landesgesundheitsministerium am Freitag bei 12. Er war damit deutlich höher als in anderen Bundesländern. In fünf Kreisen und kreisfreien Städten lag der Wert am Freitag sogar über 20, zum Beispiel in den Kreisen Kleve und Düren.

Die Zahl der bundesweiten Neuinfektionen lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitag bei 1147. Damit wurde der höchste Wert seit Anfang Mai erreicht. Bereits am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfektionen mit 1045 Fällen erstmals wieder über der Schwelle von 1000. Zuvor war sie das letzte Mal am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

Start ins "Corona-Schuljahr: Mehr Schulbusse und CO2-Ampeln

Die NRW-Regierung will zum Schulstart bis zu 1000 zusätzliche Schulbusse einsetzen. Das geht aus einem Brief von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hervor, der der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag. Damit sollen die Schüler mehr Abstand haben, wenn sie zur Schule fahren und trotz Maskenpflicht nicht dicht gedrängt eine Virusinfektion riskieren müssen. Die Maßnahme ist zunächst für die 43 Schultage bis zu den Herbstferien vorgesehen. Dafür sollen 13,5 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Das Ministerium hatte zuvor bei der privaten Buswirtschaft nachgefragt, wie viele Busse derzeit, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll der Schulbeginn versetzt stattfinden, um das Schüleraufkommen zu entzerren. Die Landräte und Oberbürgermeister wurden über das Vorhaben entsprechend unterrichtet.

Kritik an den Plänen der Landesregierung gab es zuvor von der Lehrergewerkschaft GEW und der SPD-Opposition im Landtag: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte CO2-Ampeln, die dicke Luft in Klassenzimmern anzeigen. Die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern forderte zudem kreativere Lösungen statt Maskenpflicht im Unterricht. Die sei aus pädagogischen und praktischen Gründen abzulehnen, bekräftigte sie am Freitag in Düsseldorf.

CO2-Ampeln zeigen in grün, gelb und rot an, wie dringend der Lüftungsbedarf ist. Zwar messen sie nicht die Konzentration virushaltiger Luftpartikel, der sogenannten Aerosole. Sie wären aber mindestens schon mal ein bereits am Markt erhältliches „gutes Hilfsmittel, wenn die Luft schlecht ist“, sagte Finnern. Ungelöst bleibe dabei allerdings die Problematik, dass in vielen Klassenräumen die Fenster gar nicht geöffnet werden könnten.

Mit der Maskenpflicht im Unterricht sei NRW einen bundesweiten Sonderweg gegangen, der große Belastungen für die Schüler mit sich bringe, kritisierte die Gewerkschaftschefin. Hätte das Schulministerium stattdessen an Konzepten gearbeitet, die den Unterricht entzerrten und Abstand ermöglichten, wäre diese extreme Maßnahme nicht nötig gewesen, sagte Finnern.

Auch die SPD-Opposition im Landtag hatte die Corona-Vorkehrungen von Schulministerin Gebauer kritisiert und etwa Kurzstunden, Schichtbetrieb und Lernen im Freien gefordert.

Gewerkschaft GdP fordert kostenlose Corona-Tests für Polizisten

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW fordert regelmäßige und kostenlose Corona-Tests für Polizisten. Das Land müsse seine bisherigen Schutzmaßnahmen ergänzen „und allen Beschäftigten im 14-tägigen Rhythmus einen Corona-Test mindestens anbieten“, heißt es in einem Schreiben an die GdP-Mitglieder.

Die GdP verweist auf die Ankündigung der Landesregierung, dass sich Lehrer zum Start des neuen Schuljahrs alle 14 Tage testen lassen können. Das Land trägt die Kosten. Das gilt auch für Kita-Personal. „Das Ansteckungsrisiko ist aber auch für Polizeibeschäftigte hoch“, so die Gewerkschaft: „Da immer wieder größere Teile der Belegschaft engen Kontakt zu möglicherweise infizierten Mitmenschen nicht vermeiden können.“

Die Landesregierung dürfe den Gesundheitsschutz „nicht den einzelnen Ressorts überlassen“, so die GdP in ihrem Mitgliederbrief: „Es kann nicht sein, dass die Ministerien sich jetzt einen Wettlauf bieten, wer am schnellsten ein Konzept vorlegen kann.“

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in NRW forderte kostenlose Tests. „Die innere Sicherheit kann nur mit gesunden Kolleginnen und Kollegen aufrecht erhalten werden“, hieß es in einem Appell an Innenminister Herbert Reul (CDU). Das Innenministerium wollte sich auf Anfrage dazu zunächst nicht äußern.

NRW will Verstöße gegen Maskenpflicht härter ahnden

NRW will bei Verstößen gegen die Maskenpflicht in Bussen, S-Bahnen oder Straßenbahnen künftig ein Bußgeld von 150 Euro abkassieren. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) sagte: „Wer ohne Mund-Nasen-Schutz erwischt wird, muss an der nächsten Haltestelle raus und zahlen. Wir wollen eine Verschärfung, so dass unmittelbar beim ersten Verstoß gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld von 150 Euro fällig ist.“

Bisher werden Bußgelder nur erhoben, wenn Fahrgäste sich trotz Aufforderung weigerten, die Maske aufzusetzen. Wüst sagte, man wolle „keine lange Diskussion mehr mit Masken-Muffeln“.

Ein Sprecher des Ministeriums präzisierte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Neuregelung mit der nächsten Überarbeitung der Corona-Schutzverordnung in Kraft treten solle, voraussichtlich ab 12. August. Und das Bußgeld werde nur von Ordnungsamt und Polizei erhoben - das heißt, Maskenmuffel müssten von Zugbegleitern oder Sicherheitsdienst bis zu deren Eintreffen aufgehalten werden.

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