Corona-Lage

Corona in NRW: 2228 Neuinfektionen, Inzidenz sinkt weiter

Lesedauer: 12 Minuten
Impfdurchbrüche nach Clubbesuch: Was lernen wir daraus?

Impfdurchbrüche nach Clubbesuch: Was lernen wir daraus?

Bei einer "2G-Party" in einem Club in Münster haben sich mehrere Gäste mit Corona infiziert. Was bedeutet das nun? Virologe Dittmer im Interview.

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Essen.   Die Quote bei der Corona-Impfung steigt in NRW nur noch langsam. Nur noch zehn der 53 Kreise und Städte mit Inzidenzwert über 100. Der Überblick.

  • Die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW liegt am Freitag bei 81,8 und ist damit im Vergleich zum Vortag minimal gestiegen (Donnerstag; 83,8 ). Der bundesweite Wert liegt jetzt bei 74,7.
  • 2228 Corona-Neuinfektionen registrierte das RKI binnen eines Tages in NRW.
  • 424 Covid 19-Patienten werden in NRW aktuell im Krankenhaus auf einer Intensivstation behandelt
  • 71,4 Prozent der NRW-Bürgerinnen und -Bürger ist mindestens einmal geimpft, 65,6 Prozent haben vollen Impfschutz.


  1. Wie viele Neuinfektionen hat das RKI in NRW gemeldet? Zum Thema ↓
  2. Wo in NRW ist die Sieben-Tage-Inzidenz besonders hoch? Welche Inzidenzstufe gilt in meinem Kreis? Zum Thema ↓
  3. Wie ist die Situation in den Krankenhäusern? Zum Thema ↓
  4. Wie weit sind die Impfungen in NRW vorangeschritten? Zum Thema ↓


Corona in NRW: 2228 neue Fälle beim RKI gemeldet

Die Corona-Fallzahlen in NRW sind Daten des Robert-Koch-Instituts zufolge um 2228 angestiegen und liegen nun bei insgesamt 938.040.

In ganz Deutschland wurden 11.022 neue Fälle gemeldet. Seit Beginn der Pandemie sind es damit 4.125.878 (Stand Freitag 3.16 Uhr).

Neue Corona-Schutzverordnung in NRW: Diese Kennzahlen sind jetzt entscheidend

Die Inzidenz ist inzwischen nur noch eine Kennziffer unter mehreren, aber nicht mehr der entscheidende Richtwert für Schutzmaßnahmen in der Pandemie. In der seit Samstag, 11. September, geltenden neuen Corona-Schutzverordnung für NRW wird jetzt auch etwa die Zahl der Corona-Patienten im Krankenhaus und die Auslastung der Intensivbetten berücksichtigt.

Auch die Anzahl der gegen Covid-19 geimpften Personen, die Zahl der Todesfälle und die Altersstruktur der Infizierten sowie die Entwicklung des sogenannten R-Wertes wird einbezogen. NRW setzte damit vom Bundesrat beschlossene Änderungen im Infektionsschutzgesetz um.

NRW verabschiedet sich von Grenzwerten - in Berlin hingegen gibt es ein "Ampel-Warnsystem"

Im Gegensatz zum Beispiel zu Berlin, wo für die Indikatoren ein „Ampel“-Warnsystem eingeführt wurde, gibt es in NRW keine Grenzwerte und damit auch keine Maßnahmen, die im Falle einer Grenzwertüberschreitung greifen würden. Der bisher als Grenzwert für bestimmte Maßnahmen festgeschriebene Wert von 35 bei der Sieben-Tage-Inzidenz wurde gestrichen. Das NRW-Gesundheitsministerium begründet dies mit der aktuell relativ entspannten Corona-Lage, die sich derzeit stabilisiere. Ob und wann ein Grenzwert eingeführt wird, ist offen.

Der Wert für die Hospitalisierung ist übrigens eine Landes-Inzidenz, keine kommunale. Damit reagiert NRW auf ein Problem, das besonders Städte mit großen Kliniken oder Unikliniken bei kommunalen Werten haben würden: Weil zum Beispiel in Essen und Münster zahlreiche Covid-Patienten aus der jeweiligen Region behandelt werden, wäre die Hospitalisierungsinzidenz in diesen Städten überdurchschnittlich hoch.

NRW führt zweiten Hospitalisierungsindikator ein

Die Zahl der Corona-bedingten Krankenhauseinweisungen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen wird vom Robert Koch-Institut erfasst. Diese Werte haben allerdings ein Aktualitätsproblem. Denn zur Berechnung dieser Inzidenz wird nicht der Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme bei jedem gemeldeten Fall herangezogen, sondern das Meldedatum des positiven Testergebnisses. Das aber kann abhängig vom Infektionsverlauf von der Einweisung in eine Klinik abweichen.

NRW reagiert darauf mit einem zweiten Hospitalisierungsindikator: Er ergibt sich unmittelbar aus den täglichen (nicht namentlichen) Gesamtmeldungen der Krankenhäuser über die Aufnahme von Covid-19-Patienten. Dieser Wert ermöglicht laut dem NRW-Gesundheitsministerium eine „sehr aktuelle Einschätzung“, weiche aber naturgemäß von dem RKI-basierten Wert ab und werde in der Regel höher liegen.

Corona-Schutzverordnung gilt in NRW bis zum Beginn der Herbstferien

Die neue Corona-Schutzverordnung für NRW gilt zunächst bis zum 8. Oktober. Damit könne rechtzeitig vor den Herbstferien das Infektionsgeschehen neu bewertet werden, hieß es.

Besonders hoch ist die Neuinfektionsrate weiterhin bei Schulkindern und Jugendlichen. Nach den am Freitag (0 Uhr) vom nordrhein-westfälischen Landeszentrum Gesundheit (LZG) veröffentlichten Zahlen lag die Inzidenz bei den 10- bis 14-Jährigen bei 230,0. Bei den 5- bis 9-Jährigen betrug sie 180,1 und bei den 15- bis 19-Jährigen 156,7. Zum Vergleich: Am niedrigsten war sie am Donnerstag in der Altersgruppe zwischen 70 und 79 Jahren mit 17,6.


Corona in NRW: Sieben-Tage-Inzidenzen für Städte und Kreise

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz gibt es im Kreis Lippe mit einem Wert von 179,8 (Stand: Freitag). Gestern lag der Wert bei 185,0 (-5,2). Den niedrigsten Inzidenzwert meldet das RKI für den Kreis Kleve mit 34,8 (-5,1).

Am stärksten gestiegen ist die Sieben-Tages-Inzidenz in Bielefeld im Vergleich zum Vortag um +6,0 gestiegen. Am stärksten zurückgegangen ist der Wert in Wuppertal (-22,0).

Die meisten Neuinfektionen gemeldet hat das Gesundheitsamt des Kreis Lippe gemeldet (133). Dahinter folgen der Kreis Recklinghausen (120), Essen (96) und Bielefeld (94).

In jeder Stadt und in jedem Kreis wurden neue Fälle an das RKI gemeldet (Stand 0 Uhr).

Grundsätzlich: Die Angaben des RKI und aus den Städten und Kreisen variieren oft. Die unterschiedlichen Werte resultieren aus zeitlichen Verzögerungen in der Meldekette. Die Zahl der Neuinfektionen laut RKI in einer Stadt umfasst also mitunter die Infektionen mehrerer Tage. Außerdem ist montags bzw. nach Feiertagen die Zahl der Neuinfektionen meist geringer als an anderen Wochentagen, da in den Kommunen am Wochenende bzw. Feiertagen weniger getestet wird. Seitdem die Daten des RKI entscheidend für die Notbremse und Inzidenzstufen sind, geben einige Städte nur noch diese Werte an.


Corona NRW: Situation in den Kliniken und auf Intensivstationen

Die Zahl der Corona-Patienten steigt in Nordrhein-Westfalens Krankenhäusern weiter an. Nach einer Übersicht der Landesregierung (Datenstand 16. September) lagen 424 Corona-Patienten in NRW-Krankenhäusern auf Intensivstationen. Zu den Pandemiehöhepunkten Ende Dezember und Anfang Mai mussten jeweils mehr als 1100 Corona-Infizierte intensivmedizinisch in Kliniken des bevölkerungsreichsten Bundeslandes behandelt werden. Beatmet werden müssen 264 Intensivpatienten.

Anfang Mai waren es noch über 860. Aber: Vergleicht man den Anstieg der intensivmedizinisch behandelten Covid-Patienten mit der Kurve aus dem vergangenen Jahr, dann ist bereits jetzt der Stand von Ende Oktober erreicht. Der Anstieg erfolgt also gut zwei Monate früher als im Jahr 2020.

In den nordrhein-westfälischen Kliniken sind laut DIVI-Register aktuell 5235 der 6062 Intensivbetten belegt. 827 Betten sind noch frei. Das entspricht einer Auslastung von 13,5 Prozent. (Stand: 16. September, 12.15 Uhr).

Der vom Landeszentrum Gesundheit (LZG) ausgewiesene Index, der den Anteil der Covid-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten beschreibt, liegt bei 8,05 Prozent (Stand 15. September). Die Hospitalisierungsinzidenz liegt laut LZG bei 2,01 (für den Zeitraum 9. bis 15. September, Stand 16. September).

Mehr Details finden Sie in unserem interaktiven Klinik-Monitor.


Impfungen in NRW: 65,6 Prozent der Bürger haben vollen Impfschutz

Das RKI gibt die Zahl der in NRW insgesamt verabreichten Impfdosen mit 24.554.617 an. Davon sind 12.798.994 Erstimpfungen und 11.755.623 Zweitimpfungen. In den Daten enthalten sind Impfungen in Impfzentren, Krankenhäusern, in Hausarztpraxen und durch mobile Impfteams. Für das gesamte Bundesland ergibt sich so eine Erstimpfquote von 71,4 Prozent. 65,6 Prozent der Menschen in NRW haben bereits einen vollen Impfschutz.

Zum Vergleich: Die Quote der Erstimpfungen in Deutschland liegt bei 66,9 Prozent (Zweitimpfung: 62,7 Prozent).

Seit dem 7. Juni ist die Impf-Priorisierung in NRW aufgehoben. Die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson waren in Arztpraxen bereits zuvor für alle freigegeben. Auch Kinder ab zwölf Jahren dürfen sich nun impfen lassen. Die ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung der Impfung von Kindern abgegeben. In der EU ist der Impfstoff von Biontech für alle Kinder ab zwölf Jahren zugelassen, zuletzt hat die EMA auch den Impfstoff von Moderna bei Kindern ab 12 Jahren freigegeben.

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Am 1. Juli hat die Stiko ihre Impfempfehlung für die Menschen geändert, die bei der Erstimpfung mit Astrazeneca ("Vaxzevria") geimpft worden sind: Demnach wird empfohlen, bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff zu verwenden (Moderna bzw. Biontech/Pfizer).

Diese Empfehlung war bis dato eingeschränkt auf Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben. Bereits seit Ende März wird der Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren verimpft – an Jüngere jedoch auch auf Verlangen: Nach mehreren Thrombosefällen wurde die Impfung mit dem Vakzin für jüngere Menschen ausgesetzt.

Impfpriorisierung ist gefallen: Hier können Sie geimpft werden

  • Arztpraxen impfen in eigener Verantwortung, es bleibt also den jeweiligen Arztpraxen überlassen, welchen Patienten sie einen Impftermin vergeben.
  • Die Betriebsärzte werden mit in die Impfkampagne einbezogen. Der Bund stellt dafür die Impfdosen zur Verfügung.
  • Auch in den Impfzentren ist die Priorisierung aufgehoben. Seit Mitte Juli können Menschen in NRW auch ohne Termin ins Impfzentrum gehen und sich dort kurzfristig impfen lassen. In den Impfzentren dürfen auch Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren geimpft werden. Voraussetzung ist, dass Kinder- und Jugendärzte vor Ort sind.
  • Die Impfzentren schließen am 30. September. Im Anschluss wird die Impfung vor allem über die Arztpraxen weiterlaufen. So soll es im Anschluss weitergehen.
  • Die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen haben online Listen von Arzt-Praxen veröffentlicht, die nach Schließung der Impfzentren auch Praxis-fremde Personen impfen. Hier finden Sie die Übersicht.

1,9 Prozent aller Todesfälle in NRW gehen auf Covid-19 zurück

In den ersten elf Monaten 2020 sind in Nordrhein-Westfalen rund 3700 Menschen ursächlich an Covid-19 gestorben. Das seien 1,9 Prozent aller Gestorbenen, teilte das Statistische Landesamt IT.NRW am Donnerstag in Düsseldorf mit. Fast 1600 Corona-Patienten starben demnach im November - das waren 8,8 Prozent aller in dem Monat Gestorbenen.

Weitere 976 Personen starben zwischen Januar und November mit Covid19 als Nebenerkrankung, jedoch an einer anderen Todesursache. In beiden Gruppen seien aber auch Fälle enthalten, bei denen laut den Angaben auf der Todesbescheinigung nicht klar ersichtlich gewesen sei, ob das Virus durch einen Labortest nachgewiesen oder die Covid-19-Infektion lediglich auf Verdacht hin dort vermerkt worden sei. Bei 3400 Personen wurde eine Lungenentzündung oder Grippe als todesursächlich ausgewiesen.

Krankheiten des Kreislaufsystems waren im betrachteten Zeitraum mit 30 Prozent (58.000 Gestorbene) die mit Abstand häufigste Todesursache. Gut ein Viertel der Menschen starb an Krebs (47.000). Dritthäufigste Todesursache waren mit knapp 7 Prozent (13.000) Krankheiten des Atmungssystems. Die vorläufigen Daten basieren ausschließlich auf den Angaben der leichenschauenden Ärzte auf den Todesbescheinigungen. (mk)

Corona in NRW: Hier gibt es weitere Informationen

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