Corona-Überblick

Infektiologe: Menschen nehmen Corona nicht mehr ernst genug

Es ist wieder voll in den Innenstädten und anderswo. Nehmen die Menschen Corona noch ernst genug?

Es ist wieder voll in den Innenstädten und anderswo. Nehmen die Menschen Corona noch ernst genug?

Foto: Marius Becker / dpa

Essen.  Infektiologe sieht nachlassendes Gefahrenbewusstsein. Kitas kehren in Regelbetrieb zurück, gelockerter Umgang mit "Schnupfnasen". Der Überblick.

  • Abstands- und Maskenpflicht bleiben mindestens bis zum 11. August bestehen. Insgesamt werden die Corona-Regelungen in NRW weiter gelockert: Was in NRW erlaubt ist und was nicht.
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Angesichts etwas gestiegener Corona-Fallzahlen sieht der Infektiologe Gerd Fätkenheuer ein nachlassendes Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung. „Was sich derzeit in den Köpfen abspielt“ stelle ein großes Risiko dar, sagte der Forscher der Uniklinik Köln dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Menschen fühlten sich heute viel sicherer als noch vor einem Vierteljahr. „Mit dem starken Rückgang der Zahlen werden die Gefahren, die nach wie vor von dem Virus ausgehen, nicht mehr in gebührendem Maße wahrgenommen.“ Bei konsequenter Beachtung aller Schutzvorkehrungen sei es nach wie vor möglich, das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten.

Am Dienstag hatte bereits der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln beklagt. Das RKI meldete am Mittwochmorgen 684 neue Infektionen binnen eines Tages. In den vergangenen Tagen hat die Zahl der Neuinfektionen immer wieder den Wert von 500 überschritten, zuvor lag die Zahl seit Anfang Juni überwiegend darunter. Der Höhepunkt wurde Anfang April mit mehr als 6000 Fällen an einem Tag erreicht.

Nicht ohne Maske - Busse und Bahnen werben um Vertrauen

Mit einem Appell zur Einhaltung der Maskenpflicht wollen die Verkehrsunternehmen in Deutschland das in der Corona-Zeit gesunkene Vertrauen der Fahrgäste in Busse und Bahnen zurückgewinnen. Dazu startet in allen Bundesländern in den kommenden Tagen und Wochen die Kampagne #BesserWeiter mit Plakaten und in den sozialen Medien.

„Die Corona-Pandemie hat im öffentlichen Nahverkehr kräftige Spuren hinterlassen“, sagte der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung der Kampagne in Düsseldorf. In der Anfangszeit der Pandemie seien Busse und Bahnen teilweise nur noch zu 20 Prozent ausgelastet gewesen, jetzt seien es etwa 50 bis 60 Prozent. Ziel sei es, in NRW nach den Sommerferien zumindest wieder auf bis zu 75 Prozent zu kommen. Insgesamt verzeichne der öffentliche Personennahverkehr bundesweit Einnahmeausfälle in Höhe von rund fünf Milliarden Euro, die zur Hälfte vom Bund kompensiert würden, sagte Wüst. Allein in NRW würden die Verluste auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Alle Fahrgäste müssten sich an die Maskenpflicht halten, sagte Wüst. Besonders ältere Menschen haben Angst, sich in Bus oder Bahn mit dem Coronavirus anzustecken.

NRW kehrt zum Kita-Regelbetrieb zurück und lockert Regeln für Schnupfnasen

Die Kindergärten in Nordrhein-Westfalen sollen ab dem 17. August zurück in den Regelbetrieb. Alle Kinder können dann ihre Kita oder ihre Tageseltern wieder im vertraglich vereinbarten Umfang besuchen. Eine strikte Trennung von Kita-Gruppen muss künftig trotz Corona-Pandemie nicht mehr eingehalten werden. Das geht aus neuen Richtlinien des NRW-Familienministeriums hervor, die am Dienstag in Düsseldorf veröffentlicht wurden. Die Neuregelung steht unter dem Vorbehalt des weiteren Corona-Infektionsgeschehens.

Zudem wird der Umgang mit kranken Kita-Kindern in NRW gelockert. Ab sofort sind Kinder mit bereits bekannten, nicht-infektiösen chronischen Erkrankungen in die Betreuung aufzunehmen. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten neuen Empfehlungen des NRW-Familienministeriums zur Corona-Pandemie hervor. Gemeint sind demnach etwa Asthma, Allergien, Heuschnupfen oder Neurodermitis. Kinder, die hingegen Fieber haben oder Symptome, die auf eine akute, ansteckende Krankheit hinweisen, sollen demnach weiterhin nicht betreut werden.

Zum Umgang mit Schnupfen empfiehlt das Ministerium: „Im Falle einer laufenden Nase ohne weitere Krankheitsanzeichen oder Beeinträchtigung des Wohlbefindens des Kindes, sollte zunächst für 24 Stunden zu Hause beobachtet werden, ob weitere Symptome wie Husten, Fieber, etc. hinzukommen.“ Wenn nicht, könne das Kind wieder betreut werden.

Nach massivem und öffentlichem Druck von Eltern und Medizinern hatte Familienminister Joachim Stamp (FDP) Ende Juni bereits seine ursprüngliche Vorgabe kassiert, kranke Kinder nur mit einem ärztlichen Attest wieder in die Kita zu lassen. Seitdem reicht es, wenn die Eltern selbst schriftlich versichern, dass die Kinder seit 48 Stunden symptomfrei sind.

Corona in NRW: Testpflicht an Flughäfen wohl ab Mitte nächster Woche

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) geht davon aus, dass die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten an den NRW-Flughäfen ab Mitte der nächsten Woche gilt. Diesen Zeitrahmen habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag in einer Telefonschalte genannt, sagte Laumann am Dienstagmorgen in einem WDR5-Interview. Den genauen Stichtag könne er aber noch nicht nennen. „Wir brauchen auch diese Tage, um die Strukturen dafür vorzubereiten“, sagte Laumann.

Am Montag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten angekündigt. Eine entsprechende Verordnung solle voraussichtlich in der nächsten Woche in Kraft treten.

Wie bei Einreisen auf dem Landweg verfahren werden solle - etwa an Busstationen oder Bahnhöfen - , ist Laumann zufolge noch unklar: „Wir besprechen das mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Wir müssen ja auch die Ärzte dafür haben.“

Die Stadt Dortmund teilte am Dienstag mit, ein weiteres Testzentrum einzurichten. „Dort sollen Testungen für Reiserückkehrer ermöglicht werden, die auf dem Landweg nach Dortmund gekommen sind oder sich erst verspätet entscheiden, sich doch noch testen zu lassen. Auch diese Testungen werden für Reiserückkehrer*innen kostenlos angeboten werden“, heißt es in einer Stellungnahme von Dr. Frank Renken, dem Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes.

NRW-Exporte wegen Corona-Pandemie auch im Mai eingebrochen

Die Exporte der nordrhein-westfälischen Wirtschaft sind im Zuge der Corona-Pandemie auch im Mai eingebrochen. Die Unternehmen im bevölkerungsreichsten Bundesland lieferten Waren im Wert von 12,3 Milliarden Euro ins Ausland und damit etwa 27 Prozent weniger als im Mai 2019, wie das Statistische Landesamt am Montag in Düsseldorf erklärte. Der Wert der Importe war mit 16,3 Milliarden Euro um 22,1 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat.

Von Januar bis Mai 2020 gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,6 Prozent auf 71,4 Milliarden Euro zurück. Der Wert der Einfuhren sank den Angaben zufolge um 11,9 Prozent auf 92,1 Milliarden Euro.

Noch immer deutlich weniger Fahrgäste in Bus und Bahn in NRW

Der öffentliche Nahverkehr hat weiterhin mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Auslastung von Bussen und Bahnen in Nordrhein-Westfalen ist immer noch deutlich geringer als üblich. „Ganz grob sind wir ungefähr bei der Hälfte im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen NRW, Volker Wente, in Köln. Berücksichtigt werden müsse zwar die Ferienzeit, in der viele in Urlaub seien und keine Schüler transportiert würden. Dennoch rechne er damit, dass nach den Sommerferien „immer noch 20 bis 25 Prozent fehlen“. Der VDV ist der Interessenverband der öffentlichen Verkehrsunternehmen.

Nach Angaben des VRR rechnen die Verkehrsunternehmen in NRW für dieses Jahr mit einem Verlust von einer Milliarde Euro. Zu Beginn des Lockdowns im März seien die Fahrgastzahlen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen, teilt der VRR mit. "Allein in NRW arbeiten für den Nahverkehr über 50.000 Menschen", sagt der VRR. Verkehrsträger in NRW haben deshalb in einer Resolution jüngst einen Rettungsschirm für den gesamten öffentlichen Nahverkehr gefordert. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) kündigte Anfang Juli ein Förderprogramm mit 800 Millionen Euro Gesamtvolumen an.

Corona: Neuinfektionen nehmen vor allem im Ruhrgebiet zu

Während die WHO weltweit neue Rekorde bei den täglichen Neuinfektionen meldet und auch das Robert-Koch-Institut (RKI) einen deutlichen Anstieg der neu registrierten Corona-Fälle meldet, steigen die Infektionszahlen auch und vor allem in einigen NRW-Städten merklich an: In Essen beispielsweise hat sich die Zahl der Neuinfizierten innerhalb von einer Woche von 44 auf 99 mehr als verdoppelt.

Auch Mülheim, Duisburg, Oberhausen sowie Hagen gehören zu den Städten mit gestiegenen Corona-Fallzahlen. In Bochum schwächte sich der Anstieg der Infektionszahlen zuletzt wieder etwas ab. Mit 554 Menschen hat die Zahl der Bochumer, die aktuell in Quarantäne sitzen, aber einen neuen Höchststand erreicht.

Das Landes-Gesundheitsministerium beobachtet die Lage aufmerksam und nicht ohne Sorge: Zwar gebe es derzeit keinen Corona-Hotspot in NRW, erklärte das Ministerium gegenüber dieser Redaktion. „Gleichzeitig stellen wir bei der Lokalisierung der Neuinfektionen aber eine Verschiebung des Infektionsgeschehens auf das Ruhrgebiet fest.

Corona-Infektionszahlen in NRW und Deutschland

Wie entwickelt sich die Zahl der Coronavirus-Infektionen in diesen Tagen? Sie steigt weiter an, aber langsamer. Die Statistiken finden Sie in unserem Monitor für Nordrhein-Westfalen und im Überblick für ganz Deutschland mit allen Details.

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